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Vor 50 Jahren gab das Schloss-Filmtheater auf

Das Kinosterben der späten 1960er machte auch vor Pegnitz nicht Halt — Erster Tonfilm wurde 1930 gezeigt - 13.02.2018 08:00 Uhr

Das Schloss-Filmtheater in der Pegnitzer Schloßstraße schloss vor genau 50 Jahren seine Pforten. Später wurde es als Laden und als Theaterbühne genutzt. © Archivfoto: Putschky


Die Abwärtsentwicklung bei den Kinos war damals schon seit Jahren zu beobachten. 1964 entschloss sich Christian Späthling, seine "Fränkische-Schweiz-Lichtspiele" aufzugeben. Mit dem Wanderkino hatte er Gastspiele in Gößweinstein, Betzenstein, Pottenstein und Plech gegeben. Weil die Zuschauer durch den Vormarsch des Fernsehens immer weniger wurden, die Kosten durch die Kinosteuer, die harten Bedingungen der Verleiher und die Gebühren für die Gema aber gleich blieben, hatte der Kinobesitzer keine andere Chance: Er stellte sich um und betrieb später ein Elektrogeschäft.

Das Central-Kino nahe der Pegnitzer Marienkirche beherbergt heute das Ceramicasa-Fliesengeschäft. Foto: Putschky © Archivfotos: Ruth Putschky


"Durch die Schließung des Schlosskinos bekommen wir keinen einzigen Zuschauer mehr", meinte Josef Pajak, einer der beiden Besitzer des Regina-Filmtheaters vor 50 Jahren. "Wir können nur noch existieren, weil wir keine fremden Arbeitskräfte beschäftigen. Vom Kartenverkauf bis zum Platzanweisen müssen wir alles selbst tun, um wenigstens noch etwas zu verdienen. Für 1968 lassen sich noch keine Voraussagen machen. 1967 aber ging das Geschäft gegenüber 1966 um zehn Prozent zurück. Wir können nur hoffen, dass das Filmniveau wieder etwas besser wird und sich dadurch wieder mehr Leute entschließen, öfter einmal ins Kino zu gehen".

Das Regina-Filmtheater hielt am längsten durch, musste später aber auch den Betrieb einstellen. Ende 2015 wurde es von Dietmar Huttarsch mit Erfolg zu neuem Leben erweckt.


Das Schlosskino wurde 1928 in der Pegnitzer Altstadt gebaut. Hans Langosch, der Partner von Kinobesitzer Pajak, führte damals den ersten Stummfilm vor. Es war ein Gebirgsfilm, den Karl Fischer als Pianist untermalte. Später übernahm die "Fischers-Gisa", seine Schwester, am Harmonium diese Aufgabe.

1928 zählte Pegnitz nur 2500 Einwohner. Deshalb wurden auch nur samstags und sonntags Vorstellungen gegeben. Der Mut der Pegnitzer Kinoleute war recht beachtlich.

Besonders wenn man bedenkt, dass es für die alten Pegnitzer nicht zum guten Ton gehörte, ins "sündige" Kino zu gehen. Die Besucher kamen nur zögernd und es dauerte lange, bis sich diese Neuerung in dem kleinen Kreisstädtchen durchgesetzt hatte. Die Revolution begann mit dem ersten Tonfilm, den Hans Langosch 1930 vorführte. Von da an stiegen die Besucherzahlen ständig. Während des Zweiten Weltkrieges ging dann das Kinogeschäft recht gut. Die Leute wollten vor allem die Wochenschauen mit den Berichten über den Kriegsverlauf sehen. 1943 wurde Hans Langosch zum Militär eingezogen. Die Frauen mussten nun einspringen, sonst hätten schon damals die Vorstellungen eingestellt werden müssen. In Kursen lernten sie die Kunst des Vorführens und managten bis 1945 die Kinogeschäfte. "Es ging nicht anders."

Als Hans Langosch 1946 aus dem Krieg nach Hause kam, konnte er seinen Betrieb zunächst nicht weiterführen, da die amerikanische Militärregierung einen Treuhänder eingesetzt hatte. Erst drei Jahre später durfte er dann endlich weitermachen. In den folgenden Jahren ging das Geschäft recht gut: Das Schlosskino konnte umgebaut und hergerichtet werden.

1954 baute Langosch mit seinem Partner Josef Pajak das Regina-Filmtheater. Es fiel den beiden Kinobesitzern 1968 gewiss nicht leicht, die Pforten des Schlosskinos zu schließen. "Aber es ging einfach nicht mehr anders", meinte Hans Langosch. "Wir werden aber weiter im Regina spielen. Man kann nur noch hoffen, dass sich das Geschäft wieder bessert oder wenigstens gleich bleibt, sonst werden vielleicht auch noch die letzten beiden Pegnitzer Kinos verschwinden." Beim Centraltheater von Hans Pröls war die Entwicklung genauso. Die Zuschauerzahlen gingen zurück und der Betrieb wird immer unrentabler. Bald musste auch dieses Kino in der Straße Am Schloßberg schließen. In dem stattlichen Bau ist heute das Fliesengeschäft Ceramicasa untergebracht. Das einstige Schlosstheater dient nurmehr als Lagerhalle.

Das Regina-Theater konnte sich am längsten halten, musste später aber ebenfalls den Betrieb einstellen. Ende 2015 erweckte es Dietmar Huttarsch mit großem Erfolg zu neuem Leben. Er setzt damit eine Tradition fort, die mit seiner Großmutter Olga Pajak begonnen hatte. Ursprünglich führte sie ein Miederwaren- und Korsettgeschäft am Schweinemarkt. Doch für die meisten Pegnitzer wird sie auf immer mit dem Kino in Verbindung bleiben.

ZBilder: nordbayern.de/pegnitz 

RUTH PUTSCHKY UND RICHARD REINL

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