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Warum denn in die Ferne schweifen?

74-Seelen-Ort ist eine Touristen-Hochburg der Fränkischen Schweiz - 18.05.2018 17:50 Uhr

Vom hoch gelegenen Naturfreundehaus bietet sich ein spektakulärer Blick auf Veilbronn und das Leinleitertal. © Reinl


Im steten Bemühen, Neues zu entdecken, hat sich eine "Räuberstübl"-Abordnung auf den Weg nach Veilbronn gemacht. Wir geben es zu: Obwohl wir uns in der Fränkischen Schweiz bestens auskennen, war uns dieser kleine Ort nahe Heiligenstadt bisher nur vom Namen und von einem Bild eines Naturfreundehauses in sensationeller Berglage bekannt.

Bis vor genau 50 Jahren konnte man auf der Nebenbahn noch mit dem Dampfzug anreisen, heute kommen die Gäste mit dem Auto, immer häufiger mit dem Motorrad, mit dem Wohnmobil oder mit Campingbussen. Alle sind willkommen in einem Ort, der im Verhältnis zu seinen 74 Einwohnern wie kein anderer im Land der Burgen und Höhlen vom Tourismus geprägt ist. Allein das nochmals um ein "Schlössla" erweiterte Wellness-Hotel Sponsel-Regus könnte mit seiner Betten-Kapazität den gesamten Ort beherbergen.

Freundlich empfiehlt uns ein Veilbronner den Wanderweg durch das Leidingshofer Tal. Wir durchqueren die schluchtartige Landschaft, genießen Stille und ungestörte Natur. Die steilen Hänge wurden nie ackerbaulich genutzt. Ihre Offenheit verdanken sie der Beweidung. Munter plätschert das Wasser aus der Stein- und der Mathelbach-Quelle. Nur wenige Meter weiter arbeitet ein hydraulischer Widder, eine historische Anlage die, vollkommen ohne Strom, die Ortschaften auf dem Plateau lange Zeit mit Frischwasser versorgte.

Vorbei an blühenden Almwiesen und mit einer Rast unter einer ausladenden Linde mit weitem Blick geht es hinauf auf die Höhe zum Kletterwald und zum Naturfreundehaus, dem hoch oben am Felsen vielleicht am schönsten gelegenen Gasthaus der Fränkischen Schweiz. Bei prächtiger Aussicht in das Leinleitertal schmecken Bier und Brotzeit nochmal so gut.

Über 150 gut gesicherte Stufen geht es auf der "Diretissima" wieder hinab in die Niederungen, wo uns der freundliche Herr von vorhin sogleich fragt, ob wir denn den Weg auch gefunden hätten und wie es uns gefallen hätte. "Alles bestens" bestätigen wir, "eine tolle Empfehlung".

Ein Spaziergang durch den Ort lässt uns Pegnitzer noch mehr staunen. Während unsere "Stadt im Grünen" seit langem auf einen Hotel-Investor wartet, nahm hier die Wirtsfamilie Sponsel-Regus eine siebenstellige Summe in die Hand, um fernab vom Schuss eine mit vier Sternen dekorierte Wohlfühloase samt Schwimmbad und Sauna zu schaffen. Durch den ganzen Ort zieht sich inzwischen der Betrieb mit seinen fünf Gebäuden, nur unterbrochen vom Landgasthaus Lahner.

Der Urlaubsgast hat im Gasthaus die Wahl zwischen fränkischen Speisen sowie leckeren mediterran oder asiatisch angehauchten Alternativen. Selbst Vegetarier und Veganer kommen zu ihrem Recht. Der Ausflügler ist aber auch gerne eingeladen, am Vier- und Fünf-Gänge-Menü im Hotel teilzunehmen.

Wem das alles zu viel des Guten ist, der brutzelt sich unter schattigen Bäumen an der zum Radweg mutierten, ehemaligen Bahnstrecke am Gaskocher seinen Eintopf, wie zwei dänische Kletterer. Wir fragen uns: "Wie haben die nur diese Idylle gefunden?" 

ISI REINL

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