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Warum die Neurologie in Bayreuth geschlossen wird

Ärztlicher Direktor Manfred Wolfersdorf über Gründe und Folgen der Schließung der Abteilung im Bezirkskrankenhaus - 02.04.2016 09:55 Uhr

Manfred Wolfersdorf: „Die Schließung sorgt für ganz große Unruhe unter den Mitarbeitern.“ © Foto: Fuchs


Was bedeutet die Schließung der Neurologie für das Bezirkskrankenhaus?

Manfred Wolfersdorf: Erst einmal bedeutet sie, dass wir am Bezirkskrankenhaus eine Klinik weniger haben als bisher. Die Schließung sorgt für ganz große Unruhe unter den Mitarbeitern. Wir müssen die Diagnostik für unsere anderen Patienten, die bisher in der Neurologie stattfand, neu strukturieren. Wir verlieren eine Weiterbildungsmöglichkeit für unsere Assistenzärzte. Und wir können jetzt einige Patientengruppen nicht mehr am Bezirkskrankenhaus behandeln.

Warum gab es bisher zwei Krankenhäuser mit dem Schwerpunkt Neurologie in Bayreuth?

Wolfersdorf: Die Neurologie wurde Anfang der 50er Jahre gegründet, damals als Abteilung, später wurde eine eigene Klinik daraus. Mitte der 90er Jahre kam die Klinik für neurologische Rehabilitation hinzu. Beide waren von Anfang an eine Konkurrenz zur Neurologie an der Hohen Warte. Ich habe nie verstanden, warum es in Bayreuth zwei Angebote gibt, und beide auf so hohem Niveau. 2004 ist die Neurologische Rehabilitation geschlossen worden, wegen chronischer Unterbelegung.

Welche Rolle spielen die Finanzen bei der Schließung?

Wolfersdorf: Die Klinik für Neurologie am Bezirkskrankenhaus ist seit mehr als zehn Jahren unterfinanziert. Mit der Einführung der DRG (Diagnosis Related Groups, die Abrechnung nach Pauschalen und nicht nach tatsächlicher Behandlung, Anm. d. Red.) hat sich die Lage noch verschlechtert. Denn Schlaganfallpatienten bringen in diesem System das meiste Geld. Weil am BKH aber nicht die Möglichkeit zur Beatmung besteht, fuhren die Krankenwagen mit Schlaganfallpatienten immer an uns vorbei zur Hohen Warte. Sie ist die zweitgrößte Klinik in Süddeutschland für neurologische Patienten.

Schwächt die Schließung das Bezirkskrankenhaus?

Wolfersdorf: Auf diese Frage gibt es keine einfache Antwort. Unser Spektrum war mit einer eigenen Neurologie sehr breit aufgestellt. Das war für die Weiterbildung der Ärzte sehr bequem. Die Assistenzärzte müssen jetzt zur Weiterbildung in Neurologie in die Hohe Warte, nach Kulmbach, Hof oder Weiden. Unter diesen Aspekten ist es schon ein Nachteil. Auf der anderen Seite haben wir mit der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik seit Jahren die Neurologie mit einem siebenstelligen Betrag pro Jahr quersubventioniert. Das heißt, der Gewinn der PPP ist aufgefressen worden durch die Neurologie und früher durch die Neurologische Rehabilitation. Aus dieser Sicht ist die Rückbesinnung auf die Aufgabe, psychisch kranke Menschen zu behandeln, wiederum zu begrüßen.

Welche Patienten müssen sich nun in Zukunft eine andere Klinik suchen?

Wolfersdorf: Alle Patienten mit einer Schmerzthematik, mit organischen Schlafstörungen, mit Parkinson, mit Multipler Sklerose im diagnostischen Stadium, mit neurologischen Nervenerkrankungen wie zum Beispiel einem ausstrahlenden Ischias-Hexenschuss, Kopfschmerz- und Migränepatienten, Epilepsie-Patienten und solche mit Hirntumor oder Schlaganfällen, die zur Ergo- oder Physiotherapie bei uns waren.

Was ist mit Patienten, die sowohl neurologisch als auch psychisch krank sind?

Wolfersdorf: Sie nehmen wir weiterhin auf. Epilepsiepatienten mit Verhaltensstörungen, Schmerzpatienten, die Depressionen haben und deshalb suizidal sind, oder Parkinsonpatienten mit Psychosen werden in der Abteilung für Neuropsychiatrie behandelt, die jetzt entsteht. Dafür werden wir weiterhin einen Neurologen und einen Internisten haben. Außerdem behalten wir die neurologische Diagnostik für unsere Patienten in der Psychiatrie, die aber von einem Arzt aus dem Klinikum überwacht wird. Und wir hoffen, dass wir die komplexe Schmerztherapie halten können.

  

ANDREA PAULY

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