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Warum Neuhaus und nicht Pegnitz?

Höchst unterschiedliche Service-Angebote der Bahn stoßen auf Verwunderung - 01.04.2018 17:59 Uhr

Vorbildlich: Das Video-Reisecentrum der Bahn in Neuhaus/Pegnitz. © Deutsche Bahn


Wir vom "Räuberstübl"-Stammtisch sind kommunikativ: Wir schreiben viel, lesen viel und tauschen uns auch gern mit Fremden aus. Kürzlich aber war ich im Bahnhof von Neuhaus/Pegnitz ganz allein, als mir nach einer Wanderung der Zug vor der Nase weggefahren ist. Weil auch die nahe Kommune vom Reindl Paul geschlossen hatte, kaufte ich mir im Supermarkt eine Flasche Rotbier und begab mich in bester Penner-Manier wieder in die Bahnhof-Wartehalle.

Niemand sonst war da, und trotzdem wurde ich beim Auf- und Abgehen urplötzlich aus der Wand angesprochen: "Ein herzliches Grüß Gott an den Servicepunkt Neuhaus", tönte es von einem Bildschirm. Ich war so verdutzt, dass ich mich spornstreichs in die andere Ecke des trostlosen Raums verzog. Dass man aus Bahn-Lautsprechern ständig ermahnt wird, nicht zu rauchen und sein Gepäck nicht unbeaufsichtigt stehen zu lassen, hatte ich schon verinnerlicht, doch dass man neuerdings sogar beim Biertrinken überwacht wird, gab mir zu denken.

Glücklicherweise erinnerte ich mich rechtzeitig an einen NN-Bericht über den in diesem Provinzbahnhof vor nicht allzu langer Zeit eingerichteten Prototyp eines Video-Schalters. Denn plötzlich bekam ich "Besuch": Völlig aufgelöst fragte mich ein älterer Mann, ob ich mich mit dem Fahrplan auskenne.

Seine Frau sei in Nürnberg in einen falschen Zug eingestiegen und habe per Handy nur noch mitteilen können, dass sie irgendwann durch Rückersdorf gekommen sei. Nach einem gemeinsamen Studium des Fahrplanaushangs war ich nahezu sicher, dass sie in der Regionalbahn sitzen und in wenigen Minuten in Neuhaus ankommen müsste.

Als der Senior meine laienhafte Auskunft per Handy überprüfen wollte, um ganz sicher zu gehen, spielte ich mein ganzes Kurzzeitwissen aus: "Da werden sie nicht viel weiterkommen. Machen wir doch lieber eine Video-Konferenz!" Wie den "ungläubigen Thomas" führte ich ihn vor den Bildschirm in der Ecke.

Sanduhr rieselte nur kurz

Nur kurz rieselte die Sanduhr am Monitor, als sich schon ein freundlicher Bahnerer meldete: "Hallo Neuhaus, wie kann ich Ihnen helfen?" Der besorgte Ehemann schilderte sein Problem und bekam sogleich meine Auskunft von Amts wegen bestätigt. Er war baff: "Dass es so etwas gibt, habe ich nicht gewusst."

Kurz darauf konnte er die vermisste Frau wieder in seine Arme schließen. Mit einem freundlichen Winken bedankte er sich aus der Ferne für die Hilfestellung. Mich ließ er mit Fragen zurück: Warum macht die Bahn diesen tollen Service nicht mehr publik? Warum gibt es solche Video-Reisezentren nicht an viel mehr verwaisten Bahnhöfen? Warum gibt es diese Einrichtung ausgerechnet in Neuhaus/Pegnitz und nicht etwa am Pendolino-Flügelbahnhof in Pegnitz? Da fällt mir ein, dass es in Pegnitz zwar eine Wartehalle gibt, dass diese aber selbst bei minus 20 Grad geschlossen bleibt.

Ob sich daran in absehbarer Zeit grundlegend etwas ändert, nachdem Bahn und Stadt jetzt Umbaupläne für Pegnitz hegen? Kaum. Denn wenn in ein paar Jahren eine S-Bahn durchs Pegnitztal fährt, dann wieder nur bis Neuhaus und nicht bis Pegnitz. Warum nur, warum?

 

Z"Räuberstübl" im Internet unter www.nordbayern.de/pegnitz 

RICHARD REINL

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