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Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit

Quo vadis Gastronomie? Während viele Gastwirtschaften und Hotels in der Fränkischen zusperren, gibt es auch Hoffnungsträger - 18.05.2017 16:16 Uhr

Michael und Diana Regus vor dem Hotel-Neubau in Veilbronn. © Foto: Roland Huber


Azurblau strahlt der Himmel auf dem briefmarkengroßen Foto, Burg Egloffstein reckt keck seine Zinnen in den Himmel über dem Trubachtal, an den Zimmerfenstern des Hotel Post blühen die Geranien in schönsten Rottönen: "Im Herzen der Fränkischen Schweiz – Traditionslokal mit Hotelbetrieb, Nebengebäuden und Grundstücken", steht in einem Immobilienportal im weltweiten Netz zu lesen.

Für einen Kaufpreis von 895 000 Euro steht der Hotel-Gasthof Post in Egloffstein seit mehr als einem Jahr zum Verkauf, dazu hat sich die 35-jährige Eigentümerin Jessica Heid nach langem Ringen entschlossen. Neben dem Gasthof soll auch der Hotel-Neubau aus dem Jahr 1973 und ein denkmalgeschütztes Zweifamilienhaus aus dem Jahr 1907 veräußert werden.

Von früh bis spät gearbeitet

Seit 1730 ist der Gasthof Zur Post im Familienbesitz der Heids. 1974 heiratet Erika Heid, die aus Nordrhein-Westfalen stammt, in die Gastwirtsfamilie ein. Ihr Mann Fritz und sie haben drei Kinder: Melanie, Stefanie und Jessica. Anfang der 1980er Jahre stirbt Fritz Heid.

Ab diesem Zeitpunkt führt Erika Heid den Betrieb allein, Ende des vergangenen Jahres übergibt Erika Heid den Betrieb an die jüngste Tochter Jessica. "Sie hat jeden Tag von früh bis in die Nacht gearbeitet. Es war ein 30 Jahre andauernder Kampf", erinnert sich Jessica Heid rückblickend in einem Gespräch mit unserer Zeitung.

Vor allem die teuren Brandschutzauflagen haben sich für die junge Eigentümerin Jessica Heid als unüberwindbare Hindernisse erwiesen, weil nicht finanzierbar. Heids Schlussfolgerung: Ein gastronomisches Unternehmen in dieser Größe mit diesen Altlasten und in dieser Region – "um das fortzuführen, braucht man sehr viel Kraft und Geld", beides, Kraft und Geld, hat Jessica Heid nicht und entschließt sich zum Verkauf.

Einige Kilometer weiter im Trubachtal hat Georg Meister in Unterzaunsbach sein Traditionsgasthaus vor wenigen Wochen zugesperrt. Als "Betriebsurlaub" hat Georg Meister Anfang März das Aus umschrieben. Weil das Personal vor allem an den besucherstarken Wochenenden fehlt ("meine bisherigen Mitarbeiterinnen sind bereits etwas älter") hatte sich Meister zu diesem Schritt entschlossen; die Brauerei wird weitergeführt. Wie es mit der Gastwirtschaft weitergeht, das steht für Meister noch in den Sternen: Auch eine Verpachtung sei für ihn vorstellbar, aber der Pächter müsse sorgfältig ausgesucht werden, "denn die wissen oft gar nicht, was auf sie zukommt".

Einer, der genau weiß, was auf ihn zukommt, das ist Bernd Herzing. Erst seit März hat der 43-Jährige aus dem Forchheimer Stadtteil Burk das Hotel "Stern" mit 13 Fremdenzimmern und 210 Sitzplätzen in Wirtsstube, Saal und Biergarten in Gößweinstein gepachtet.

Herzing bringt dabei jede Menge Gastro-Erfahrung mit, ist gelernter Bäcker und Konditor und hat 20 Jahre als Kellner im Gasthaus "Zur guten Einkehr" in Morschreuth gearbeitet. Gut sei es im Wallfahrtsort angekommen, dass er den "Stern" übernahm, er sei auch angetreten, um dem Wirtshaussterben entgegenzutreten, betont er, die langen Arbeitstage, vor allem am Wochenende, "die schrecken mich nicht".

Familiärer Betrieb

Seit dem Jahr 1760 ist die Familie Sponsel-Regus aus Veilbronn im "Hotel-Business" tätig. In acht Generationen wurde aus dem Gasthaus mit Metzgerei seit 2007 ein Vier-Sterne-Hotel. Ein Geheimrezept, wie man über so lange Zeit ein Wirtshaus fortführt, das hat Michael Regus nicht parat, aber: "Es gibt nichts stärkeres als einen Familienverbund."

Alle Familienmitglieder seien vom Fach und haben ihr Handwerk von der Pike auf gelernt, er selbst ist Küchenmeister, der Bruder hat Hotel-Management studiert, die Partnerin ist Restaurantfachfrau, der Vater, Werner Regus ist gelernter Metzger, die Mama Hotelfachfrau.

Die Nase im Wind

Auch ganz wichtig für Regus: "Man muss die Nase immer in den Wind halten." Ein Neubau mit 21 Zimmern, Behandlungsräumen für Beauty und Massagen, Schwimmbad und Sauna-Landschaft entsteht in unmittelbarer Nähe zum Haupthaus.

"Wellness ist mittlerweile Standard", sagt Regus, er selbst sei zwar keine Wasserratte aber, "ein Vier-Sterne-Hotel ohne Hallenbad geht nicht". Zu den Kosten, die Regus dafür in die Hand nimmt, will er nicht zu viel verraten, "ein siebenstelliger Betrag" sei es.

Der Leitspruch der Familie: "Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit."  

BIRGIT HERRNLEBEN

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