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Der neue Bürgermeister Uwe Raab, erst seit Oktober im Amt, hütete sich vor einer Schuldzuweisung: „Es ist niemand im Raum, der das zu verantworten hätte“. Nicht zuletzt, weil er im Wahlkampf das Informationsdefizit erkannt habe, finde jetzt seine allererste Bürgerversammlung in Büchenbach statt, so Raab: „Besser spät, als nie. Miteinander ist besser als gegeneinander.“
Raab ließ die Geschichte des Windparks noch einmal Revue passieren. Die Firma Ostwind habe auf Privatinitiative im Vorfeld ein beträchtliches Risiko übernommen. Seit gut einem Jahr sei die Stadt Pegnitz mit im Boot mit einem Modell der Rekommunialisierung der Energieversorgung, das inzwischen landesweit viel Beachtung finde.
Vor rund 110 Zuhörern aus Büchenbach und Leups stellte der Geschäftsführer der Ostwind project GmbH, Dr. Rolf Bungart, sein Unternehmen und das Projekt näher vor. Im Dezember 2011 sei der Genehmigungsantrag gestellt worden, dem das Landratsamt nur acht Monate später „mit viel Herzblut“ zugestimmt habe.
Als der damalige Bürgermeister Manfred Thümmler beim gemeinsamen Kirchweihbesuch nach der Vertragsunterzeichnung den Festgästen zugerufen habe „Das ist jetzt euer Windpark“, sei das ein emotionaler Moment gewesen: „Das ist Bürgerbeteiligung par excellence“.Inzwischen stehe das erste Windrad und das Umspannwerk bei Arnoldsreuth sei in Kürze betriebsbereit.
Ralph Ott vom Beratungsbüro Rödl+Partner erläuterte, dass die Stadt mit dem Windpark in 20 Jahren zwischen 1,62 und sechs Millionen Euro erwirtschaften kann: „Selbst bei schlechtesten Bedingungen bleibt unter dem Strich etwas übrig, zumal die Finanzierungsbedingungen inzwischen noch günstiger sind, als angenommen“.
Alexander Schweyer von der Firma Ostwind gab technische Erläuterungen. Die Betriebs- und Kranstellflächen von rund 3000 Quadratmetern pro Rad müssten für den Reparaturfall 20 Jahre vorgehalten werden. Dann sei für einen kompletten Rückbau gesorgt.
Die Anlagen selbst laufen bei Windgeschwindigkeiten zwischen drei und 25 Metern pro Sekunde, eine Vollleistung werde ab zwölf Metern pro Sekunde erreicht. Um die Anwohner bestmöglich zu schützen, sei der maximal zulässige Schattenwurf auf 30 Minuten am Tag oder acht Stunden im Jahr beschränkt worden, obwohl ansonsten 30 Jahresstunden erlaubt seien. Danach wirke eine Abschaltautomatik.
Die Schallemission darf 106 Dezibel nicht überschreiten, bei der östlichsten Anlage muss bei 104,5 Dezibel auf einen schallreduzierten Betrieb umgeschaltet werden. Schließlich ist an einer Anlage im Sommerhalbjahr ein Fledermaus-Monitoring vorgeschrieben.
In der Fragestunde erneuerte Otto Spieler aus Leups, übrigens der einzige Bürger, der sich einst im Anhörungsverfahren geäußert hatte, seine Kritik an der Informationspolitik. Es gebe einige wenige Nutznießer aber viele unmittelbar Betroffene, für die eigentlich ein finanzielles Entgegenkommen angezeigt sei. Die Erwiderung von Dr. Bungert, dass eine Information erst dann sinnvoll sei, wenn Fakten gemeldet werden können, sorgte für schallendes Gelächter.
Johann Schmitt aus Büchenbach störte, dass der Gewinn aus der Anlage in das CabrioSol oder das Eisstadion fließen. Als er nach einer Zusatzfrage an den Wirtschaftsprüfer Ott hören wollte, dass solch defizitäre Einrichtungen eigentlich geschlossen werden sollten, tat ihm dieser den Gefallen nicht: „Man kann nicht alles schließen, aber man sollte versuchen, ihren Betrieb zu optimieren und das Defizit zu schmälern. Da ist der Windpark ein guter Ansatz.“ Bürgermeister Raab ergänzte: „Schwimmbäder und Eisstadien sind in der keiner Gemeinde profitabel“.
Die Frage von Lothar Lindner aus Leups, wo der nächste Windpark entstehe, beantwortete Raab klar: „Möglicherweise in Richtung Körbeldorf und Buchau, aber auf keinen Fall unter Federführung der Stadt“.
Karl-Heinz Herzing aus Büchenbach befürchtete angesichts von 106 Dezibel Lärm-Emission Gesundheitsschäden. „Das ist ja so laut wie eine Kreissäge“. Von Ostwind-Experten musste er sich allerdings sagen lassen, dass dies der Maximalwert an der Nabe in 140 Metern Höhe sei. In den 1000 Meter entfernten Siedlungen werde der für die Nacht geltende Richtwert von 40 Dezibel nicht überschritten. Fragen nach gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch nicht hörbaren Infraschall verwies Raab an die Genehmigungsbehörde im Landratsamt.
Im weiteren Lauf der ausgeprägten Diskussion erfuhren die Bürger, dass die Straßen und Wege vorher und nachher begutachtet und gegebenenfalls ausgebessert werden, dass die Firma Ostwind als Ausgleich für den Eingriff in die Natur einen vertraglich festgelegten Betrag an den bayerischen Naturschutzfonds überwiesen hat, dass Kabelverlegungen geduldet werden müssen und dass sich Leups über das bestehende Baugebiet nicht weiter in Richtung Westen ausdehnen kann. Der Hinweis, Straßensperrungen früher anzukündigen, soll beherzigt werden, um Umwege zu ersparen.
Schließlich wurde unverhohlen die Frage nach einem finanziellen Ausgleich für die betroffenen Ortschaften aufgeworfen: „Es kann doch nicht sein, dass wir die Leidtragenden sind, nur dass die Pegnitzer billiger baden gehen können“. Bürgermeister Raab wollte sich vor Ort zu keiner Aussage hinreißen lassen, sicherte aber augenzwinkernd zu, dass das Anliegen angekommen sei. Der Vorschlag aus dem Saal „Halber Eintritt im CabrioSol“ dürfte den meisten dabei allerdings nicht reichen.



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