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Herr Wolfram, fehlen einem bei diesem schweren Unfall nicht die Worte?
Wolfram: Da haben Sie schon recht. Die Autowracks sind es eigentlich nicht. Aber zu wissen, in jedem dieser Wracks ist noch ein Toter, zwei zum Teil schwer verletzte Kinder werden — wenn sie überleben — Waisen sein, das lässt einen traurig verstummen.
Schildern Sie doch bitte das Erlebte.
Wolfram: Um 21.44 Uhr kam die Erstmeldung: „Schwerer Unfall mit mindestens zwei Toten.“ Ich dachte: Ach du Schreck. Eigentlich hatte ich gar keine Zeit. Sie werden lachen, zu Hause ist bei uns zwei Minuten vorher ein Blumenkranz von der Decke gefallen. Wir hatten das Wohnzimmer voller Scherben. Ich sagte zu meiner Frau: „Ich lasse dich jetzt nicht gern allein. Ich muss zum Einsatz.“
Wie ging es vor Ort weiter?
Wolfram: Als ich dort angekommen bin, wurde ich bereits auf dem Weg zur Einsatzleitung von mehreren Personen um Hilfe gebeten. Ich hab’ gemerkt, dass ich das nicht alleine machen kann und sofort Kollegen zur Unterstützung gerufen, ein weiterer Kollege hat von Fürth aus den Telefondienst übernommen. Vor Ort führte ich viele Gespräche mit Ersthelfern, mit Angehörigen und auch mit Rettungskräften. Zum Schluss haben wir jeden der Toten ausgesegnet und eine kleine Andacht zusammen mit den Rettungskräften gehalten.
Wie ging es nach dem Unfall weiter?
Wolfram: Ich war bis um halb drei vor Ort. Danach saßen wir bis drei Uhr im Feuerwehrhaus Langenzenn und haben bei einer Schorle oder einem Bier über die Situation gesprochen. Es waren auch ein Arzt und THWler mit dabei.
Woher nimmt ein Pfarrer überhaupt die Kraft, in so einer furchtbaren Situation für andere da zu sein?
Wolfram: Die Kameradschaft und auch Erfahrungen mit Gott geben mir immer wieder die Kraft, weiterzumachen. Ich sehe meine Tätigkeit auch als Dankeschön für die Arbeit der Polizei, der Feuerwehr, der Rettungskräfte. Sie haben Hochachtung verdient. Kaum einer weiß, was die Einsatzkräfte vor Ort leisten. Meine Anfänge als Notfallseelsorger haben übrigens ihre Ursprünge in Pegnitz. Der ehemalige Dekan Christian Schmidt hat 1995 gefragt, wer die Notfallseelsorge im Dekanat aufbaut. Unterstützt von den Kollegen habe ich das dann gemacht.
Sie helfen anderen, doch braucht nach einem solchen Einsatz nicht auch ein Pfarrer Hilfe?
Wolfram: Es geht mir wie allen anderen. Vor Ort funktioniere ich, aber hinterher brauche ich Zeit für mich. Doch auch das Gespräch mit vertrauten Personen oder mit Kollegen hilft mir.
Kümmern Sie sich weiterhin um die Unfallopfer?
Wolfram: Nein, diese Arbeit übernehmen Kollegen. Die Opfer kommen alle von außerhalb, die Betreuung wird von den Pfarrern vor Ort übernommen. Ein Kollege aus Nürnberg hat mich bereits angerufen, und gesagt, er kümmert sich um die Mädchen, die ihre Eltern verloren haben und er übernimmt die Betreuung der Angehörigen. Das ist gut zu wissen.
Ist der Fall für Sie als Notfallseelsorger also beendet?
Wolfram: Nein, in den vergangenen Tagen haben sich immer wieder Zeugen und Ersthelfer bei mir gemeldet und das Gespräch gesucht, für solche Gespräche stehe ich natürlich weiterhin zur Verfügung.
Was war für Sie denn persönlich das Schlimmste an diesem Unfall?
Wolfram: Es waren nicht die Bilder, es war das ganze Leid, das vor Ort zu spüren war. Noch schlimmer als der Unfall ist es, wenn man nach so einer Situation das Leid der Angehörigen nicht mehr auffangen kann. Dann hilft wirklich nur das Gebet.



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