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"Wir verlegen Strom-Autobahn unter der Erde"

Tennet: Keine Einschränkungen beim Ackerbau — Netzbetreiber informiert auf der Landesgartenschau - 26.05.2016 11:19 Uhr

Julia Semmelmann, Referentin für Projektkommunikation, und Pressesprecher Markus Lieberknecht zeigen auf der Landesgartenschau, wie Erdkabel für die Gleichstrompassage aussehen. © Foto: Stephan-Herbert Fuchs


Tennet ist seit Januar offiziell Träger des Vorhabens. Seit Januar steht auch fest, dass die Trasse zumindest in Bayern zum weitaus größten Teil unterirdisch und nicht als Freileitung verlaufen soll. Möglich macht dies die Novellierung des entsprechenden Gesetzes, zu der es hauptsächlich wegen der zahlreichen Bürgerproteste im ersten Anlauf gekommen war. Mit einem Baubeginn rechnet Pressesprecher Markus Lieberknecht nicht vor dem Jahr 2022, mit der Fertigstellung nicht vor 2025.

„Fangen von vorne an“

„Wir fangen also ganz klassisch von vorne an“, erläutert Lieberknecht den Stand der Dinge. Als Unternehmen, das in Bayreuth seinen Sitz hat, habe es sich angeboten, nach dem Motto „Erdkabeltechnik zum Anfassen“, den Einsatz von Erdkabeln auf der Landesgartenschau zu präsentieren. Gleich im Eingangsbereich gibt es dort zahlreiche technische Exponate, Modelle sämtlicher Kabelhersteller sowie Bild- und Videomaterial zum Thema Erdverkabelung zu sehen, Tennet-Mitarbeiter stehen in einem mobilen Bürgerbüro für Fragen rund um das Thema zur Verfügung. Die Resonanz sei in den ersten Tagen bereits riesig gewesen, berichtete Lieberknecht. Die Besucher sollen ein Gefühl für das Thema Erdverkabelung bekommen. Neben jeder Menge „Laufkundschaft“, also Gartenschaubesuchern, die zufällig zum Tennet-Stand kommen, hätten auch gezielt Mitglieder von Bürgerinitiativen aus Creußen und Speichersdorf das Gespräch gesucht.

Doch so einfach, wie sich die unterirdische Verlegung anhört, ist sie nicht. Was sich für den Anwohner gut anhört, stellt sich für den Grundstückseigentümer erst einmal durchaus kritisch dar. Pressesprecher Lieberknecht schätzt, das im Schnitt für 30 Kilometer Trasse mit 300 Grundstückseigentümern verhandelt werden muss. Die Verkabelung wird 1,50 bis zwei Meter tief verlaufen, so dass eine normale Bewirtschaftung auch aus landwirtschaftlicher Sicht durchaus möglich ist. „Forstwirtschaft geht natürlich nicht“, sagt Lieberknecht. Allenfalls Christbaumkulturen seien noch möglich.

Für den Ackerbau sieht er keine Einschränkungen, auch nicht durch die zu erwartende Erwärmung des Erdbodens um ein bis zwei Grad Celsius an den entsprechenden Stellen. Tennet rechnet bei den unterirdischen Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungskabeln (HGÜ-Kabeln) mit einer Laufzeit von rund 50 Jahren. Soll heißen, ist das Kabel erst einmal im Boden muss mindestens 50 Jahre lang nichts mehr daran gemacht werden.

Achtmal teuerer

Natürlich hat das Ganze auch seinen Preis. Während die unterirdische Verkabelung in der norddeutschen Tiefebene bis zu dreimal so teuer wie eine Freileitung kommt, wird es aufgrund der Bodenbeschaffenheit, der Topographie und der kleinteiligen Infrastruktur in Bayern bis zu achtmal zu teuer. Dabei ist es nicht die „Hardware“, die den Preis ausmacht, sondern die Baulogistik. „Wir verlegen kein Abwasserrohr, sondern eine ganze Autobahn unter der Erde“, so der Tennet-Sprecher.

Der Bayreuther Übertragungsnetzbetreiber Tennet ist der führende Netzbetreiber beim Einsatz von Erdkabeln im Höchstspannungsnetz. In Deutschland hat Tennet die Kabeltechnik für die Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung bereits zum Standard entwickelt. Die Offshore-Windparks werden von dem Bayreuther Unternehmen vorwiegend per HGÜ über See- und Erdkabel angebunden. Und auch im Wechselstromnetz kann Tennet auf wichtige Erfahrungen des niederländischen Mutterunternehmens aufbauen: Beim Projekt Randstad im Ballungsraum Amsterdam sind seit 2013 rund zehn Kilometer auf der Spannungsebene 380 Kilovolt in Betrieb. Weitere zehn Kilometer werden in 2016 gebaut. 

STEPHAN HERBERT FUCHS

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