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Wo Ritter um die Gunst des Königs kämpfen

Trotz hochsommerlicher Hitze kamen zahlreiche Besucher, zum Teil mittelalterlich gekleidet, nach Waischenfeld - 27.08.2017 17:22 Uhr

Hoch zu Roß muss der Ritter allerlei Wettkämpfe ausfechten, damit er am Ende nicht nur die Gunst des Königs, sondern auch den heiligen Gral erhält. Im Bild die Mengersdorfer Reitschule El Montessa. © Thomas Weichert


Viele Besucher kamen mittelalterlich gewandet, manche in sehr phantasievollen Gewändern. Wie zum Beispiel ein Mann aus Mistelgau, der in seinem Wolfskostüm allerdings mächtig schwitzte. Höhepunkte an beiden Tagen war sicherlich wieder das Ritterturnier auf der Turnierwiese mit der Reitergruppe El Montessa aus Mengersdorf.

Zum ersten Mal in Waischenfeld dabei ist der Weltenbummler und Kreativkünstler Michael Kreiner aus Pettstadt bei Bamberg. Er kennt nicht nur Gott und die Welt, sondern auch viele Prominente aus Politik, Kirche und dem Showbusiness. Thomas Gottschalk, Roger Moore oder Bud Spencer hat er in seinen Rittercomics "Zimbus von Döllnitz" schon verewigt und auch die früheren bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber und Günter Beckstein und sogar Papst Benedikt XVI.

Sein Titelheld ist Ritter Zimbus von Döllnitz, ein mittelloser Ritter ohne Burg, der durch die Lande zieht und für das Gute kämpft. Ähnlich wie Robin Hood, nur eben auf fränkisch. "Zimbus" ist übrigens der Spitzname seines früheren Chefs, sagt Kreiner, der als Reportfotograf für die Druckindustrie gearbeitet hat. 90 Prozent der Leser seiner Rittercomics kaufen die Hefte wegen den Prominenten, die er dabei zu Helden macht. Sein ältester Kunde ist 85. "Zimbus" hat sich nach dem Vorbild einer Comicreihe aus den 1950er Jahren inzwischen zum Kult entwickelt.

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Eintauchen ins Mittelalter beim Ritterfest in Waischenfeld

Trotz hochsommerlicher Temperaturen kamen am Wochenende Tausende von Besuchern zum inzwischen elften Ritterfest auf und rund um die Burg Waischenfeld. Sie erlebten ein abwechslungsreiches Programm mit Schaukämpfen, Ritterturnieren, einem Festumzug der Lagergruppen und eine große Feuershow am Abend.


Auch Marcarius von Geldersdorf hat sein Zelt erstmals beim Ritterfest aufgeschlagen. "Wahrsagerey" steht auf dem Schild. Das macht neugierig, auch weil der Wahrsager angeblich weibliche Brüste nur durch Handauflegen vergrößern kann. Bürgerlich heißt Marcarius von Geldersdorf Holger Roth und kommt aus Bad Rodach, wo er mit seiner Frau ein "sozialpädagogisches Gesundheitszentrum" namens "Ars vi Vendi" betreibt.

"Wahrsagen funktioniert"

Eigentlich ist Roth Heilpraktiker. Die Wahrsagerei macht er seit 2009 im Sommer jedes Wochenende auf einem anderen Mittelaltermarkt. "Das mit dem Wahrsagen funktioniert", sagt Roth. Nicht nur durch Kartenlesen. Auch über die energetische Schiene mit dem Menschen, der ihm beim Wahrsagen gegenüber sitzt und den er an der Hand nimmt. Meistens wollen seine Kunden wissen, wie es mit der Liebe bestellt ist. Erst dann kämen allgemeine Lebensfragen. "Ich fühle mich in den Menschen hinein und es funktioniert, auch wenn jemand nicht daran glaubt." Die meisten Menschen machen aber den Fehler des Verleugnens. Die Brustvergrößerung durch Handauflagen sei allerdings ein Gag, schmunzelt Roth. Der Markt in Waischenfeld gefalle ihm sehr gut. "Ich bin von den Besuchern positiv überrascht. Die Leute sind gut drauf, sehr nett und angenehm."

Nicht zum erste Mal dabei sind Margit und Roland Ruhmann aus Ebermannstadt mit ihren Stand. Der Silberschmied und die Hutmacherin finden das Ritterfest wunderbar. "Es ist ein ganz anderes Publikum als beim Mittelaltermarkt auf Burg Rabenstein", sagt Roland Ruhmann. Auf Rabenstein sei es mehr international und dort gingen mittelalterliche Kopfbedeckungen meist besser als in Waischenfeld, wo Silberschmuck mehr Absatz findet. "Vor allem lernt man viele interessante, aber manchmal auch skurrile Menschen auf solchen Märkten kennen", meint Ruhmann.

Zum Beispiel den Ritter "Christian Silberhorn zu Cadolzburg" aus dem 14. Jahrhundert, der mit seinem Burgfräulein Maike Müller gekommen ist. In Wirklichkeit kommt Christian Silberhorn aus Nürnberg. Den Mittelaltermarkt in Waischenfeld finden die beiden im Großen und Ganzen sehr gelungen. Vor allem wegen der vielen Kunsthandwerker. "Die Atmosphäre ist toll", ergänzt Burgfräulein Maike, die zum ersten Mal dabei ist. "Ritter Christian" hingegen hat schon einige Bekannte in den Lagern vor der Burg. "Hier lässt es sich vom stressigen Büroalltag gut abschalten", sagt er.

Ursula und Thomas Blank aus Schwabach hingegen sind zum ersten mal auf einem Ritterfest. Zu ihrem zehnten Hochzeitstag gönnen sie sich ein romantisches Wochenende im Treppendorfer Hotel Bettina und haben dort vom Ritterfest in Waischenfeld erfahren. Die Musik sei cool und der Met und Pistazienlikör, den sie sich gekauft haben, sehr lecker.

Mit 26 Händlern sind es heuer etwas mehr als noch letztes Jahr. Dafür aber mit 24 Lagergruppen etwas weniger. Eine davon ist die Söldnertruppe "Ferm Franconia" aus Warmensteinach, die es seit 2013 gibt. Carsten Bordes ist einer der Söldner. Er liebt das Lagerleben, die Musik und vor allem die Gaudi. "Es ist wie eine große Familie und es ist sehr entschleunigend", sagt Bordes. Sein Söldnerkollege Michael Wehrl am Hähnchengrill kann besonders Letzteres bestätigen. Vier Stunden braucht er, bis seine Hähnchen über dem offenen Feuer knusprig sind.

Auf der Wiese gegenüber tobt inzwischen das Ritterturnier bei der Suche nach dem heiligen Gral. Um diesen zu erobern, kämpfen "Johanna von Hau mich um", "Christina von Kaltenstein" und "Eberhard von Wittgenau" vor dem König hoch zu Roß um dessen Gunst. Ganz so ernst muss man das Schauspiel aber nicht nehmen. "Trotz der Hitze muss man den Leuten Respekt zollen, dass sie auf so ein Fest gehen", sagt der als Mönch verkleidete Martin Vogler, der seit einigen Jahren mit seiner Frau Cornelia an einer der Kassen Eintritt kassiert: Sechs Taler für Erwachsene, Kinder bis Schwertlänge dürfen umsonst rein. 

THOMAS WEICHERT

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