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Bundestagswahl

Wolfgang Karl (Die Partei): "Wir sind ein politischer Rockerclub"

29-Jähriger vertritt Satirepartei "Die Partei" und kann mit Programmen der etablierten Parteien wenig anfangen - 19.09.2017 08:56 Uhr

Wolfgang Karl in der „Parteiuniform“: "billige rote Krawatte und ein grauer Anzug aus miserablem Material". © Udo Meixner


Es ist unmöglich, ein seriöses Porträt über Wolfgang Karl zu schreiben. Denn dieser Mensch ist vieles, nur nicht ernst. "Ich leide tatsächlich ein wenig unter Witzlsucht", sagt er. Zum Gespräch lädt er in seine Wohnung nach Bayreuth ein. Er trägt Teile der "Parteiuniform". Über einem blauen Hemd sitzt die Parteibinde am rechten Oberarm. Was fehlt ist die rote Krawatte, "die muss möglichst billig sein", und ein grauer Anzug. "Der muss aus einem miserablen Material wie Viskose sein", sagt der 29-Jährige mit der Ray-Ban-Brille. Man müsse schon erkenntlich zur Partei gehören, sagt er und lächelt, wie er es fast ständig macht. "Wir sind ein politischer Rockerclub."

Seine Frau, die nimmt er ernst. Vor kurzem hat er sie geheiratet. Die beiden bekommen bald ein Baby, deshalb will Karl mit dem Rauchen aufhören. Das erzählt der BWL-Student, der in einer Werbeagentur arbeitet, bei Kaffee und Kippen auf der Terrasse. Auch wenn es anfangs nicht den Anschein macht, Politik nimmt er ebenfalls ernst. Zumindest ein Stück weit. "Ich bin immer schon ein politischer Mensch gewesen", erzählt der gebürtige Regensburger. Der Vater Lokalpolitiker und seit jeher bei der CSU. Mit den Zielen dieser Partei war Wolfgang Karl aber nicht einverstanden. Die Parteien seien austauschbar geworden. "Extremismen werden verstärkt, je austauschbarer die großen Volksparteien sind", meint er. Mit dem politischen Mainstream kann er nichts anfangen. Und landete deshalb 2016 bei Der Partei, die Satire zum Programm gemacht hat. Sympathisiert hat er mit der Spaßpartei seit ihrer Gründung 2004. Er ist stellvertretender Vorsitzender des Kreisverbands Bayreuth. "Die Partei macht sich zur Aufgabe, Leuten, die sich nicht mehr im Parteienspektrum wiederfinden, über Humor Kontakt zur politischen Leitdebatte finden zu lassen. Wir möchten in die Debatte eingreifen." Humor in die Politik zu bringen, das schafft Die Partei auch mit ihren Wahlplakaten. Sie erscheinen manchmal auf den ersten Blick platt, auf den zweiten vermitteln sie dann doch eine Botschaft. Wenn die Satiriker zum Beispiel eine Bierpreisbremse fordern, dann meinen sie die Mietpreisbremse. Wenn Wolfgang Karl auf seinem Wahlplakat mit dem Spruch ". . . trägt auf diesem Foto keine Hose" für sich wirbt, spielt er auf die seiner Meinung nach inhaltslosen Aussagen der etablierten Parteien an.

Eine von Karls Kernforderungen ist, dass Sponsoren offen gelegt werden. "Wenn VW der CDU Millionen für den Wahlkampf spendet, fände ich es gut, wenn Merkel ein großes VW-Logo auf der Brust hätte", so Karl. Sich selbst versucht er nicht ernst zu nehmen. Auch wenn das nicht immer klappt.

Illusionen macht er sich keine: Die Partei werde nicht in diesen Bundestag einziehen. Doch wenn sie mehr als 0,5 Prozent der Wählerstimmen erringe, rutsche sie in die Parteienfinanzierung rein, bekomme also finanzielle Mittel vom Staat. "Dann haben wir die Möglichkeit, mehr Öffentlichkeit zu generieren."

In einer der großen Parteien stünden seine Chancen vielleicht besser. Aktuell sieht er sich aber in keiner von ihnen. SPD? "Die einzige Partei, die es geschafft hat, notwendige Reformen durchzuziehen. Unbeeindruckt davon, dass sie sich dadurch selbst abschafft. Diese Art von Selbstaufopferung hat schon messianische Züge." Linke? "Stellt durchaus vernünftige Forderungen. Begeht dieselben Fehler, die schon die SPD begangen hat. Der Abstieg einer politischen Partei beginnt dann, wenn man anfängt, Putin den Hintern zu küssen." CDU? "Der Mario Gomez der Politik. Schaut ganz gut aus, bewegt sich nicht übermäßig viel, trifft aber am Wahltag trotzdem irgendwie das Tor und keiner weiß, wie es passiert." CSU? "Vielleicht der Ribery, wahnsinnig wendig, wechselt in einem Sprint fünfmal die Richtung, spielt oft genial, ist nicht immer durchschaubar, aber es ist immer ein gewisser Geruch dran von außerehelichem Geschlechtsverkehr." FDP? "Nachdem die FDP versucht, uns nachzumachen und nur noch zur Spaßpartei zu werden, bleib‘ ich doch lieber beim Original." Grüne? "Zu den Grünen kann ich nicht. Ich hab nicht genug Geld, mir einen großen SUV zu leisten." AfD? "Da wäre ich maximal völkischer Beobachter. Die sollte man fußballerisch eher mit dem Stürmer vergleichen."

Bleibt quasi nur Die Partei. Ihr will Wolfgang Karl treu bleiben. "Ich hab ganz offiziell meine Seele an Die Partei verpfändet."







Zweitstimmenergebnisse 2017 im Wahlkreis Bayreuth

Die Ergebnisse im oberen Diagramm zeigen die Zweitstimmenergebnisse im Wahlkreis Bayreuth. Das untere Diagramm zeigt die Gewinne und Verluste im Wahlkreis im Vergleich zur Bundestagswahl 2013.

41,94%

CDU/CSU

18,33%

SPD

10,72%

AfD

8,99%

FDP

7,90%

Die Grünen

5,55%

Die Linke

7,56%

4,87%

6,82%

4,19%

1,10%

2,25%

 

Luisa Degenhardt Redaktion Nordbayerische Nachrichten Pegnitz und Auerbach E-Mail

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