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Zum Telefonieren auf den Berg: Kein Netz in Tüchersfeld

Bemühungen um Anschluss: ohne Erfolg - Funklöcher in der Region selbst melden - 16.09.2017 08:58 Uhr

Das Foto ist schon drei Jahre alt, aber nach wie vor müssen die Tüchersfelder nach Rackersberg fahren, um mit dem Handy telefonieren zu können. So war es erst vor kurzem, als bei Bauarbeiten Leitungen beschädigt wurden und das Festnetz nicht mehr funktionierte. Auf dem Foto zu sehen ist SPD-Stadtrat Hans Gmelch. © Archivfoto: Kerstin Freiberger


Erst vor wenigen Wochen ist Hans Gmelch wieder nach Rackersberg gefahren. Beim Aufstellen von Leitplanken an der B 470 wurden Leitungen beschädigt, das Festnetztelefon fiel aus. Aufs Handy ausweichen konnte Gmelch nicht, weil es keinen Empfang gibt in Tüchersfeld. Also fuhr er die rund zwei Kilometer bis nach Rackersberg. Dort rief er die Telekom an, landete aber in der Warteschleife. Die Telekom meldete sich irgendwann postalisch bei ihm, das Unternehmen habe versucht ihn zurückzurufen. Natürlich ohne Erfolg.

"Wie im Urwald"

Der 67-jährige Gmelch hat kein Verständnis für die Situation. "Das ist wie mitten im Urwald." Er hat schon gehört, dass Leute nicht nach Tüchersfeld ziehen, weil es keinen Handyempfang gibt.

Auch Touristen wunderten sich über das Funkloch in dem schönen Ort. Richtig kritisch werde es, wenn an der B 470, die durch Tüchersfeld führt, ein Unfall passiere. Notrufsäule und öffentliche Telefonzelle wurden vor Jahren abgebaut, weil sich die Einrichtungen nicht rentiert hätten, so Gmelch.


Sie kennen das Problem? Melden Sie uns Ihr Funkloch!


Anwohner fühlen sich als "Menschen dritter Klasse"

Die 110 lässt sich von Tüchersfeld aus nicht anwählen, die 112 aber schon. Das hat Gmelchs Stadtrats-Kollege Erwin Sebald bereits ausprobiert. "Man fühlt sich als Mensch dritter Klasse", sagt Sebald. "Man wird immer wieder darauf angesprochen, aber was sollen wir machen? Wir sind da ganz kleine Lichter."

Deshalb hat sich der 69-Jährige im Juli an ein großes Licht gewandt, Innenminister Joachim Herrmann. In seiner E-Mail schrieb Sebald: "Bei einem Unfall, besonders in der Nacht, müssen die Ersthelfer Privatleute in Tüchersfeld aus den Betten holen, damit diese einen Notarzt verständigen."

Im Antwortschreiben heißt es, dass "die Nutzung von Notruftelefonen in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen hat, was mit einer starken Verbreitung von Mobiltelefonen in der Bevölkerung zusammenhängt". Es sei jedoch festgelegt worden, dass im Bereich von Unfallhäufungen und Funklöchern der Abbau von Notrufsäulen unterbleiben sollte.

"Zu unwirtschaftlich": Keine Hilfe für Tüchersfeld

Kein Netz: Damit wollen sich die Tüchersfelder nicht abfinden. Ihnen geht es genauso? Auf Nordbayern.de können Sie Funklöcher melden. © Moritz Bohner


"Aufgrund Ihrer Anfrage konnte ich für den Bereich der B 470 zwischen Tüchersfeld und Pottenstein in Erfahrung bringen, dass dies in einem Straßenabschnitt zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls hätte unterbleiben sollen." Herrmann bedauere den vollständigen Rückbau. Den Tüchersfeldern hilft das freilich wenig. Bürgermeister Stefan Frühbeißer hat das Thema schon lange auf der Agenda. Mehrfach wurden in der Vergangenheit verschiedene Mobilfunkbetreiber angeschrieben, zuletzt die Telekom am 3. August. "Mit dem Ergebnis, dass sie immer gesagt haben, es sei unwirtschaftlich", so Frühbeißer.

In dem Antwortschreiben der Telekom heißt es, dass der Wunsch nach einer zeitgemäßen Funkversorgung nachvollziehbar sei. "Tüchersfeld liegt, topografisch gesehen, sehr abgeschattet umgeben von Wald und Felsen. Die Versorgung durch einen Mobilfunkstandort stellt sich daher äußerst schwierig dar. Aktuell bestehen keine Ausbauplanungen für Tüchersfeld", so das Unternehmen. Die Telekom schreibt weiter: "Sollten uns zukünftig möglicherweise Techniken zur Verfügung stehen, die eine Versorgung auch unter wirtschaftlichen Aspekten zulassen, wäre ein Ausbau auch in Tüchersfeld denkbar, wobei es hierzu momentan noch keine konkreten zeitlichen Perspektiven gibt."

Rettungsdienste können nicht alarmiert werden

Vor kurzem besuchte Bundestagsabgeordnete Anette Kramme Pottenstein, auch da wurde die Situation angesprochen. "Auch beim Zweckverband Fränkische Schweiz-Museum hatten wir das Thema. Wir haben den Landrat gebeten, sich einzusetzen", sagt der Rathauschef.

Alle Bemühungen blieben bislang ohne Erfolg. "Es ist aus unserer Sicht eine Schande, dass wir auf der Bundesstraße nicht sicherstellen können, dass die Rettungsdienste rechtzeitig alarmiert werden können." Das sei untragbar, weil die Bundesstraße stark frequentiert sei.

Hans Gmelch, Erwin Sebald und Stefan Frühbeißer wollen sich mit dieser Situation nicht abfinden, auch wenn Sebald sich sicher ist: "Das wird nicht von heute auf morgen gehen."


Melden Sie jetzt Ihre Funklöcher in der Region unter  www.nordbayern.de/funklochmelder

Luisa Degenhardt Redaktion Nordbayerische Nachrichten Pegnitz und Auerbach E-Mail

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