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Zwei Kliniken kämpfen ums Überleben

„Herzoghöhe“ in Bayreuth gegen Höhenklinik in Bischofsgrün — Eine muss schließen — Zahlen erwartet - 07.08.2015 23:17 Uhr

Bleibt die Klinik der Deutschen Rentenversicherung an der Herzoghöhe? Die Stadt Bayreuth kämpft dafür. Ein Neubau für 55 Millionen Euro sollte entstehen, doch jetzt mischt der Bundesrechnungshof mit. © Foto: Andreas Harbach


Der Bundesrechnungshof hat der DRV Nordbayern aufgetragen, dass eine Klinik in Oberfranken weg muss. Entweder die in Bayreuth oder die in Bischofsgrün. „Zurzeit laufen Prüfungen an beiden Standorten“, sagt Krempl.

Was kostet der Neubau einer Klinik an der Herzoghöhe, welche die bisherige ersetzen würde? Und was kostet der Umbau der Höhenklinik in Bischofsgrün? Beide Kommunen liefern sich hinter den Kulissen ein Rennen um die besten Rahmenbedingungen. Um die Gunst der Entscheider bei der DRV Nordbayern.

1. Es geht um viel, um Arbeitsplätze und Geld: Bis der Bundesrechnungshof dazwischenfunkte, wollte die DRV Nordbayern eine 300-Betten-Klinik an der Herzoghöhe bauen. Eine Investition von 55 Millionen Euro. In dem neuen Gebäude, das 2020 fertig sein sollte, würde die ambulante Versorgung ausgebaut werden. Aktuell hat die Klinik 210 stationäre und 30 ambulante Plätze. Letztere würden verdoppelt.

182 Mitarbeiter

2. In der Klinik Herzoghöhe arbeiten 182 Mitarbeiter. Die Stadt Bayreuth will die Klinik am Standort Herzoghöhe retten und macht der DRV Nordbayern deshalb vier Angebote:

1. Wenn die DRV eine neue Klinik auf ihrem Gelände an der Herzoghöhe baut, steht die Verwaltung stramm. Genehmigungen und Bauabwicklung — das wird flutschen, verspricht die Stadt.

2. Seit 2009 arbeitet die Klinik Herzoghöhe mit dem Klinikum Bayreuth zusammen. Im Klinikum sind die Patienten zur Behandlung, an der Herzoghöhe zur Rehabilitation. Bislang arbeiten die beiden Kliniken vor allem in der Krebsbehandlung zusammen. Weitere Bereiche könnten hinzukommen.

3. Die Lohengrin-Therme ist ein Reha- und Kurzentrum. Die Therme kann also Patienten der Klinik an der Herzoghöhe guttun. Rund um die Therme befinden sich weitere Reha-Einrichtungen in einem Ärztehaus. Stadt und Stadtwerke sind für die Entwicklung weiterer Angebote offen.

4. Die Stadt bietet der DRV an, andere Standorte zu prüfen, wenn die Herzoghöhe nicht der richtige Ort für einen Klinikneubau sein sollte. Vorstellbar sei ein Neubau im Umfeld von Gesundheitseinrichtungen. Die Therme könnte ein solcher Ort sein. Die Stadtwerke suchen derzeit nach Möglichkeiten, das voll erschlossene, aber seit Jahren brachliegende Umfeld der Therme zu beleben.

So steht es in einem Kooperationsangebot, das der Ferienausschuss in der kommenden Woche beschließen soll. Und darin stellt die Stadt Bayreuth ihre Vorteile gegenüber Bischofsgrün heraus.

1. Bayreuth ist besser erreichbar. Das sei vor allem für Patienten der ambulanten Rehabilitation wichtig.

2. Bayreuth hat genügend Platz. Der Standort an der Herzoghöhe ist 80 000 Quadratmeter groß. Genug, um auch für die Zukunft gewappnet zu sein.

3. Bayreuth hat Kompetenz. Wenn nur noch eine Klinik überlebt, werde dort zusätzliches Fachpersonal gebraucht. Bayreuth habe diese Kompetenz schon: das Klinikum Bayreuth als Krankenhaus der maximalen Versorgungsstufe und viele Allgemein- und Fachärzte, zehn medizinische Ausbildungsbetriebe und zahlreiche ambulante Versorger.

4. Bayreuth stellt sich an die Seite der DRV. In der Resolution, die der Ferienausschuss verabschieden soll, wendet sich die Stadt „mit allem Nachdruck“ gegen Aussagen des Bundesrechnungshofes, die DRV Nordbayern dürfe ihre Kliniken nur mit eigenen Versicherten belegen. Dadurch würden Vereinbarungen mit anderen Versicherungsträgern ignoriert, sagt die Stadt.

Und die beiden Kliniken Herzoghöhe und Bischofsgrün, die jeweils mit mehr als 95 Prozent ausgelastet sind, würden „in einen nicht hinnehmbaren Standortwettbewerb“ gedrängt. Ähnlich hatte sich der Vorstandsvorsitzende der DRV Nordbayern, Michael Bischof, bei der Vertreterversammlung des Rentenversicherungsträgers geäußert.

DRV-Nordbayern-Chef Werner Krempl begrüßt das Angebot zur Zusammenarbeit. Überrascht hat es ihn nicht. „Wir hatten vor kurzem ein Treffen mit Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe und haben diese Punkte vorbesprochen.“ 

FRANK SCHMÄLZLE

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