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Planen Rechte aus dem NSU-Umfeld weitere Taten?

Anwalt fordert: Der Spur der Waffen folgen! - 01.11.2018 06:00 Uhr

Die Spurensicherung der Kriminalpolizei in der Scharrerstraße, in der 2005 der türkische Imbissbudenbesitzer Ismail Yazar getötet worden ist. © Stefan Hippel


Der Berliner Rechtsanwalt Scharmer (41) fordert, die Bundesanwaltschaft müsse nun "alle Akten auf den Tisch legen". So sei es nun nötig, die Spur der Waffen zu verfolgen. "Wir haben sehr viele Ermittlungen zur Tatwaffe Ceska 83, aber wir haben weitere Tatwaffen, zu denen bisher keine Ermittlungen angestellt wurden. Und wir haben fast 20 Waffen aus dem Arsenal des NSU, von denen wir auch nicht wissen, wo sie herkommen", sagte Scharmer dem gemeinsamen Rechercheteam von Nürnberger Nachrichten und Bayerischem Rundfunk.

Der seit über sechs Jahren mit dem NSU befasste Rechtsanwalt hält es für unwahrscheinlich, dass die Verfassungsschutzbehörden nichts über den Verbleib und die Aktivitäten des NSU-Kerntrios Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe erfahren haben. Die Drei aus Jena waren vor und während der Mordserie insgesamt 13 Jahre untergetaucht. Zahlreiche Experten gehen davon aus, dass der NSU mehrere Helfer hatte, die zum Beispiel die Tatorte ausspähten oder Waffen lieferten.

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Jahrelang hielten die Rechtsterroristen Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt das Land in Atem. Nach bisherigen Erkenntnissen sollen auf das Konto der beiden männlichen Täter etliche Bankraube, Attentate und zehn Morde gehen. Wir erinnern an die Opfer und Verletzten.


In Nürnberg haben die Terroristen des selbst ernannten Nationalsozialistischen Untergrunds NSU drei Menschen ermordet und einen Bombenanschlag verübt - so viele Taten wie in keiner anderen Stadt in Deutschland. Eine Ursache sieht Scharmer darin, dass die fränkische und die thüringische Neonazi-Szene bereits seit den 1990er Jahren gut vernetzt gewesen sei.

Möglicherweise liefen auch hier noch Mitglieder, Helfer oder Helfershelfer frei herum und planten die nächsten Taten, warnte Scharmer. Die Urteile für die weiteren Mitangeklagten von Beate Zschäpe seien nach fünfjährigem Prozess teilweise sehr milde ausgefallen, dies könne Unterstützer motivieren.

Scharmer beklagt, alle Verfahren, die bei der Bundesanwaltschaft zum NSU-Umfeld seit Jahren anhängig sind, seien "schlicht im Sande verlaufen". Der Berliner Jurist weiter: "Die dümpeln vor sich hin. Es gibt keine Anklage. Es gibt keine Ermittlungen, die diesen Namen verdienen würden. Es ist ganz offensichtlich, dass der Generalbundesanwalt - auch wenn er anderes betonen will - die Sache eigentlich mit diesem Urteil abschließen will."

Generalbundesanwalt Peter Frank hatte nach dem Ende des NSU-Prozesses im Juli beteuert, dass die Ermittlungen zu möglichen Unterstützern fortgesetzt werden. Die NSU-Akten würden nicht geschlossen. 


"Der NSU in Franken - viele offene Fragen" heißt das NN-Forum am Mittwoch, 7. November, um 19.30 Uhr im Fabersaal des Bildungszentrums Nürnberg, Gewerbemuseumsplatz 2, in Nürnberg. Neben Rechtsanwalt Sebastian Scharmer sitzen auch Mitglieder des Rechercheteams von Nürnberger Nachrichten und Bayerischem Rundfunk auf dem Podium. Der Eintritt kostet 10 Euro, für Zeitungsabonnenten mit ZAC-Karte 6 Euro. Karten gibt es in den Geschäftsstellen der Nürnberger Nachrichten und seiner Lokalausgaben, an der Abendkasse und auch hier online. 

Elke Graßer-Reitzner, Sabine Stoll, Stanislaus Kossakowski E-Mail

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