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Probleme bei der Sitzplatzreservierung in S-Bahnen

Das System krankt in der Praxis noch - 13.02.2018 11:00 Uhr

Viele Reisende hatten sich darauf gefreut, künftig auch in der S-Bahn einen Sitzplatz reservieren zu können. © Hans-Joachim Winckler


Um sieben Uhr morgens ist der Nürnberger Hauptbahnhof eine Pendler-Drehscheibe. Viele nutzen S-Bahnen, um zur Arbeit, zur Schule oder Uni zu kommen. Sitzplätze in den Zügen sind um diese Zeit Mangelware. Mit ihrem neuen Angebot der Sitzplatzreservierung in S-Bahnen wollte die Deutsche Bahn die Situation verbessern, vor allem für ihre Stammkunden. In den ersten Tagen klappte das aber nicht.

Einfach und schnell sollte der Service funktionieren, versprach die Bahn zum Start in der vergangenen Woche. Wer schon eine Fahrkarte besitzt, kann seine Sitzplatzreservierung im Internet buchen. Das gilt allerdings nur für Jahresverträge und geht mit Zusatzkosten von rund 40 Euro einher. Wer sich eine Einzelfahrkarte aus dem Automaten kauft, kann sich dort seinen Sitzplatz für einen Euro extra dazu reservieren.

Praxis klappt noch nicht

In den S-Bahnen gibt es für die Sitzplatzreservierungen ein bestimmtes Kontingent an reservierbaren Sitzen. Diese sind mit einer Banderole an den Scheiben gekennzeichnet. Sind diese Plätze vergeben, können Fahrgäste keine weiteren Reservierungen mehr tätigen. Sitzen Fahrgäste auf diesen Plätzen, die nicht reserviert haben, könnten sie höflich aufgefordert werden, den Platz für Fahrgäste mit der entsprechenden Reservierung frei zu machen. So die Theorie, denn in der Praxis klappt das alles noch nicht.

Das zeigt ein Test: Bei dem Versuch, um 6.58 Uhr in Nürnberg einen Platz in der S-Bahn für eine Fahrt nach Erlangen zu ergattern, zeigt der Bildschirm am Automaten die Information: "Für Verbindungen des Nahverkehrs sind momentan keine Platzreservierungen möglich." Die freundliche Dame am Info-Schalter der Deutschen Bahn verweist auf ihre Kollegen im Reisezentrum. Auch dort kann niemand weiterhelfen. "Das System ist neu, da gibt es Probleme", entschuldigt sich eine Bahn-Mitarbeiterin.

Banderole kaum erkennbar

Die Dame empfiehlt einen Regionalexpress, wo die Sitzplatz-Reservierung schon seit längerer Zeit möglich sei. Nach Erlangen wäre das eine Alternative, aber nicht in alle Richtungen fahren diese schnelleren Züge. Viele Fahrgäste sind nunmal auf S-Bahnen angewiesen. Die Banderolen an den Fenstern sind von außen auch nicht auf den ersten Blick erkennbar. Man muss schon genau hinsehen.

Eine Bahn-Sprecherin in München bedauert auf Nachfrage, dass das System noch nicht eingespielt ist. "Wir haben noch technische Probleme", erklärt sie, "wir arbeiten mit Hochdruck daran, sie zu beheben." Wann das sein wird, lässt sie offen. In einigen Tagen soll es funktionieren. Wenn die Platzreservierung in der S-Bahn dann wirklich klappt, könnte sie bei den Reisenden gut ankommen. "Für mich wäre das ein tolle Möglichkeit, bequemer unterwegs zu sein", meint ein Pendler aus Nürnberg, der täglich nach Erlangen fährt. Eine Schwabacherin sagt: "Für ältere Menschen wie meine Mutter ist das sinnvoll. Ich selbst kann gut darauf verzichten."

Andere Fahrgäste können mit dem neuen Service wenig anfangen. "Ich bin meist nur 20 Minuten in der S-Bahn unterwegs, da macht es mir nicht viel aus, wenn ich mal stehen muss", sagt ein Pendler. Ein älterer Herr schimpft über das neue Reservierungssystem: "So ein Blödsinn", sagt er. In vollen S-Bahnen werde es wegen der Reservierungen zu Streitereien kommen. Und das wiederum werde sich negativ auf die Atmosphäre in den Zügen auswirken.

Bilderstrecke zum Thema

Seit 1987 unterwegs: Die Geschichte der Nürnberger S-Bahn

Jeden Morgen nutzen tausende Pendler die Nürnberger S-Bahn. Vor mehr als 30 Jahren standen ihnen nur Regionalzüge – sie halten seltener als S-Bahnen – zur Verfügung. Als 1987 die erste Nürnberger S-Bahn-Linie in Betrieb ging, war das eine kleine Sensation, denn sie galt als Jahrhundertprojekt. Jahrelang war an den Plänen einer Schnellbahn für den Großraum Nürnberg gefeilt worden. Ein Rückblick.


 

FLORIAN ZIEGLER

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