|
Anmeldung
Diese Funktion steht nur registrierten Usern zur Verfügung.
Loggen Sie sich bitte hier ein oder registrieren Sie sich kostenlos! |
![]() |
Passwort vergessen
Wenn Sie Ihr Passwort vergessen haben können Sie hier ein neues Passwort anfordern. Geben Sie bitte hierzu Ihre E-Mail-Adresse ein!
|
„Ich bin entsetzt! Ich nehme mir jetzt einen Anwalt und werde die Turnhalle gleich morgen sperren! Oder am besten die ganze Schule...“ Viel deutlicher konnte Rektor Friedmar Blechschmidt nicht werden, als er am Abend zuvor im Marktgemeinderat Stellung zur Liste der Gefahrenquellen in seinem Haus nahm. Der ehemalige Marktbaumeister Hartmut Hironimus hatte sie kurz vor seinem Ausscheiden zum Jahreswechsel vorgelegt. Sechs weitere Liegenschaften sind ebenfalls betroffen (wir berichteten).
Zwar machte der Schulleiter seine Drohung gestern nach Rücksprache mit dem Schulamt nicht vollends wahr. An der Sperrung der Turnhalle führte für ihn aber kein Weg vorbei, obwohl dies laut Rathaus-Geschäftsführer Michael Langner „von Landratsamt und Gutachtern nicht gefordert war“. Mehreren anderen Gebäuden wie etwa dem Salzlager des Bauhofs droht ebenfalls die vorübergehende Schließung.
Wer die Mängelliste liest, bekommt es tatsächlich mit der Angst zu tun. Ob für Mittelschule, Kindergarten St. Theresia, Torturm, Bücherei, Bauhof, Verkehrsamt samt Jugendbüro oder sogar das frisch renovierte Rathaus — überall sprechen die Ingenieure von „Gefahr für Leib und Leben“ und empfehlen „die sofortige Sperrung“. Kaum eine Liegenschaft, in der nicht Brandschutztüren, Rauchabzüge oder Rettungswege fehlen. Beim Salzlager steht die Standfestigkeit der gesamten Konstruktion in Frage.
Man kann den Bericht freilich auch anders lesen, wie Bürgermeister Bernhard Böckeler in der Sitzung zu erklären suchte. Zum einen handle es sich „nur“ um einen Bericht des Bauamts, nicht um ein Gutachten. Viele Hinweise seien nicht als Fakten, sondern als Fragen zu verstehen. Zum anderen seien etliche Mängel schnell behoben.
Deshalb, so der Rathauschef, habe er bereits mit einem Gutachter Kindergarten und Verkehrsamt besichtigt. Dort seien die Fehler tatsächlich leicht zu korrigieren. So seien die Fluchtwege im Kindergarten wegen der Eingeschossigkeit unproblematisch, und im Schlafraum im Keller reiche es als Ausstieg, die Mittelsprosse eines Fensters zu entfernen.
Mittelfristig müssten im Kindergarten laut Böckeler noch die Verglasungen überprüft und im Jugendraum „Panikbeschläge“ nachgerüstet werden. Eine Sperrung sei aber „nicht sachgerecht“. Viele der Häuser seien schlicht älteren Datums und zu ihrer Zeit adäquat gewesen (Ausnahme: das Rathaus, dessen Brandschutzkonzept laut Bauamtsleiter Benjamin Haußner wegen Planungsfehlern nach wie vor nicht abgenommen ist). „Wenn man das alles ernst nimmt, müsste man 95 Prozent aller Gebäude schließen“, verdeutlichte Siegfried Mücke (CSU).
Anders sieht es bei der Schulturnhalle aus. Dort fehlt nicht nur ein zweiter, sondern auch der primäre Rettungsweg. Zwar hatte Bürgermeister Böckeler bereits im Herbst mit der Schulleitung eine Nutzung mit höchstens 25 Schülern vereinbart. „Herr Blechschmidt wäre schön blöd, wenn er diese Verantwortung übernehmen würde“, kommentierte jedoch FW-Ratsmitglied Thomas Sturm.
Der Rektor selbst schwankte sichtlich zwischen Wut und Ratlosigkeit. Die Mittelschule habe sechs Ganztagsklassen, die ihre Mittagspause hauptsächlich in der Turnhalle verbrächten. Bei einer Sperrung wisse er nicht, wohin mit den rund 130 Schülern.
Scharf ging Walter Penkert (ABF) den Rathauschef an. Er wollte genau wissen, seit wann Böckeler von den Missständen wisse. „Manches war schon länger bekannt, aber nicht in diesem Maß“, entgegnete dieser. Schon 2011 seien für den Brandschutz 30000 Euro in den Haushalt eingestellt worden. Der Marktgemeinderat habe also gewusst, dass es Mängel gibt. Nachdem die Mittelschule im Oktober 2012 nochmals schriftlich auf die Probleme hingewiesen hatte, habe es Anfang November einen Ortstermin gegeben, auf dessen Ergebnissen der jetzige Bericht basiere.
Bewerten könne er die einzelnen Mängel „derzeit genauso wenig wie Sie“, betonte der Bürgermeister. „Wir sind ganz am Anfang und stecken alle personellen Ressourcen hinein, die wir haben. Wir nehmen die Sache sehr ernst, brauchen aber externe Hilfe. Die hätten wir vielleicht schon früher gebraucht...“
Unverständnis äußerte Holger Gmelch (CSU) darüber, dass die Gemeinde die Mängelliste gleich öffentlich gemacht habe. Das habe zu „viel Verunsicherung“ geführt. Ihre Turnhalle könne die Schule ruhig schließen, meinte er. „Wir haben ja die Rothseehalle. Die ist groß genug.“
Roger Bitsch (SPD) fand das Vorgehen dagegen richtig. „Sonst wäre wieder nichts passiert.“ Er sei „nicht allzu beunruhigt. Vieles hätte aber längst abgestellt sein müssen“. Dem stimmte Walter Allgeier (ABF) zu. Er erinnerte an den Einsturz der Eishalle in Bad Reichenhall und bescheinigte dem Rathauschef „Glück, dass bei uns bisher nichts passiert ist“. Böckeler selbst nahm die Bauverwaltung in Schutz, die „die Mängel immerhin zuerst erkannt hat“. Die Planer sieht Thomas Sturm in der Verantwortung.
Leichte Entwarnung gab Bauamtschef Haußner für das Salzlager. Es sei nicht akut einsturzgefährdet, sondern nur etwa bei einer Kollision mit einem Fahrzeug. „Es zu sperren wäre ein Schnellschuss, gerade jetzt, da das Salz gebraucht wird“, warnte Thomas Schröder (FW). Weitere Liegenschaften wie das Freibad, die Feuerwehrhäuser oder das in der Sitzung ebenfalls diskutierte Gilardihaus (Bericht folgt) sind laut Haußner wegen ihrer Bauweise „unkritisch“.
„Wir brauchen jetzt eine Beurteilung, was schnell zu lösen ist, und müssen das dann sofort umsetzen“, fasste Roger Bitsch die Debatte im bis auf den letzten Platz gefüllten Saal des Gilardihauses zusammen. Der Marktgemeinderat stellte es der Verwaltung deshalb einstimmig frei, sofort alle nötigen Aufträge zu vergeben.

|