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Erstaunlich, wie eins ins andere übergeht. Schon im Garten des idyllisch gelegenen Eckstein-Hauses sitzt und steht Kunst — aus dem Landkreis — in fast jedem der romantischen Winkel. Die Begrüßung erledigt der „Franke“, eine Skulptur von Holzbildhauer Hallmeyer, zwei Nanafiguren sitzen auf der Bank, Herbert Eckstein hat sie ebenfalls bei einer Künstlerin aus dem Landkreis in Auftrag gegeben. Drinnen in seinem Wohnzimmer setzt sich die Geschichte seiner Begegnungen mit Menschen fort: Hier eine Arbeit aus Zell, dort ein Erinnerungsstück an einen Basar. Und natürlich: Zeitungsartikel, stapelweise. „Weil mich alles interessiert“, lacht er, und seine Frau stöhnt leise.
Aber Herbert Eckstein kann gar nicht anders: „Für mich gibt es die Trennung zwischen beruflich und privat nicht.“ Es gibt fast kein Gesicht im Landkreis, das der 55-Jährige nicht kennt — und zuordnen kann. Das ist nicht antrainiert, sondern Interesse an den Menschen, sagt der seit 18 Jahren amtierende Landrat. Denn Witze kann er sich zum Beispiel überhaupt nicht merken. Das Interesse bedeutet zum Beispiel, dass er Jubilaren immer persönliche Glückwünsche schreibt. Und es bedeutet, dass er dem Bürger aus Sperberslohe genau zuhört, der sich über die Zu-Schnell-Fahrer ärgert, dass er sich selbst umschaut — „und dann müssen meine Mitarbeiter ran“, lacht er. Immer wieder kommt er mit Fragen, Beschwerden, Anregungen ins Amt — aus 16 Landkreisgemeinden, in denen er sieben Tage die Woche unterwegs ist. „Ich hör ja das Gras wachsen, das ist eine Herausforderung für meine Mitarbeiter“.
Schon deshalb hält der Jurist, der von 1990 bis zu seiner Wahl zum Landrat drei Jahre lang für die SPD im bayerischen Landtag saß, nicht allzu viel von Wahlkampf. „Ich mache meine Arbeit, aber keine spezielle Wahlwerbung“. Und diese Arbeit macht er selbstbewusst an etlichen Erfolgen fest. Federführend war der Landkreis bei Leader+, erinnert er sich, bei der EnergieAgentur oder bei der Unternehmerfabrik. „Das waren heiße Kämpfe“, sagt Eckstein im Rückblick. Heute sind die Einrichtungen fest etabliert, „und niemand will sie mehr missen.“
Auch das Wendelsteiner Gymnasium ist so ein Erfolg. „Eine Sache, von der ich überzeugt bin, nicht aufzugeben“ sei wichtig gewesen. 30 Jahre lang musste er, der gebürtige Wendelsteiner, sich in Geduld üben, bis es so weit war. Und dann: „Den Moment einschätzen können, in dem die Tür aufgeht.“
Beides ist wichtig, glaubt der Landrat. Das Gespür hat er nicht nur als Landrat entwickelt, sondern auch in seinen vielen Zusatzämtern. Vom Landkreistag bis zum bayerischen Sparkassenvorstand dienen die Positionen natürlich als Türöffner, aber bei vielen der angetragenen Ämter sagt er auch ab. „Ich bin immer zuerst Landrat und nicht Reisender in anderen Sachen.“
Trotzdem kennt er sich aus in fast allen Bereichen — von der Politik bis zum Wirtschaftsteil und den Sport liest er schon in aller Herrgottsfrühe sämtliche Zeitungen. Nicht alles schafft er, daraus bilden sich dann die Stapel, die irgendwann durchforstet werden. Auch — oder gerade — im Urlaub. Urlaub ist für Herbert Eckstein nicht die Askese von der Zeitungslektüre oder das Fernsein vom Amt — „es ist mir ja keine Last“. Er fährt höchstens mal später ins Büro, aber abends hat er trotzdem noch Lust, nach Belmbrach zu fahren, wo gerade die Belmbrach Kids auftreten. Die hat er gerade erst bei der Bewerbung um den Jugendkulturpreis des Landkreises gesehen — jetzt will er sie live und vor Ort erleben. Und wenn die Firma Leoni, einer der großen Arbeitgeber im Landkreis, wieder das Fußballturnier mit Mitarbeitern aus der ganzen Welt ausrichtet, „dann ist es selbstverständlich, dass der Landrat als Schiedsrichter auf dem Platz steht“.
Schon deshalb wird ihm die Entscheidung für Urlaub oft vom Terminkalender abgenommen — so viele wichtige, schöne, lustige, bewegende Veranstaltungen will er besuchen, dass er den Schreibtisch für seine Stellvertreter nur sehr selten räumt. Dass er ihn aufräumt, kommt sowieso nie vor — „wir haben so ein gutes Verhältnis untereinander“.
Und wenn er dann doch mal wegfährt, dann geht’s zur österlichen Schrothkur ins Allgäu. Der „Ölwechsel für Körper und Geist“ ist ihm wichtig, ansonsten bleiben die beiden Ecksteins am liebsten im Landkreis — gern auch zuhause in dem idyllischen 1989 selbst gebauten Haus mit der Kunst und den selbst gezogenen Tomaten im verträumten Garten. „Viel zu selten“ sei er im Garten, findet nicht nur er, sondern auch Elke Lades-Eckstein, die sich derweil um Radieschen und Tomaten kümmert, wenn er nicht vor zehn oder elf Uhr abends heimkommt. Und die Sonn- und Feiertage — bis auf Weihnachten und Karfreitag — ebenfalls regelmäßig belegt sind. Das war schon immer so, erinnert sie sich. „Wir waren beide schon immer ehrenamtlich engagiert, also sind wir daran gewöhnt“.
Eine Dauerkarte für seinen Club hat er zwar, aber es passiert schon öfter mal, dass sich etwas anderes dazwischenschiebt. Aber wenn Herbert Eckstein während des Club-Spiels gerade bei einer Narrensitzung der Gredonia weilt, gibt ihm garantiert jemand das Halbzeitergebnis durch. So gibt es eben keinen Trennstrich zwischen Beruf und Privatleben.
Außerdem gilt für ihn: „Der Landkreis von Euerwang bis Wildenbergen ist so vielfältig und so unterschiedlich — da ist das Amt des Landrats nicht einfach ein 40-Stunden-Job. Die Liebe dazu muss man schon haben“. Herbert Eckstein hat sie.

Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.