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Breites Kreuz und großes Herz

Triathlon-Kampfrichter Hermann Knoll kennt bei Regelverstößen kein Pardon - 28.04.2012

Auch bei der Helmkontrolle in der Wechselzone nimmt es Hermann Knoll ganz genau. Ein Kopfschutz, der defekt ist oder  nicht den Regeln entspricht, könnte  im Falle eines Unfalles ein unkalkulierbares Risiko für seinen Träger werden. Deshalb lässt der 57-jährige Kampfrichter da auch nicht mit sich verhandeln.

Auch bei der Helmkontrolle in der Wechselzone nimmt es Hermann Knoll ganz genau. Ein Kopfschutz, der defekt ist oder nicht den Regeln entspricht, könnte im Falle eines Unfalles ein unkalkulierbares Risiko für seinen Träger werden. Deshalb lässt der 57-jährige Kampfrichter da auch nicht mit sich verhandeln. © oh


Endlich. Endlich geht die Triathlon-Saison wieder los. Auch für Hermann Knoll, der am kommenden Dienstag beim Hilpoltsteiner Duathlon wieder seinen Mann stehen wird. Endlich auch deshalb, weil der Rother Triathlon-Funktionär krankheitsbedingt mehrere Monate kürzer treten musste. Sein Einsatz als Kampfrichter ist deshalb auch eine Rückkehr in ruhigere Fahrwasser und zur Normalität.

Obwohl: Als „normal“ kann man das Engagement des 57-Jährigen wohl nicht bezeichnen. Seit über 20 Jahren engagiert sich Knoll für den Ausdauerdreikampf, treibt die Jugendarbeit voran, bringt Kindern das Schwimmen bei und ist als Kampfrichter und Funktionär unterwegs.

Der 57-Jährige hat dabei schon einiges erlebt – und auch einiges einstecken müssen. Aber nicht nur physisch hat er ein breites Kreuz. Hermann Knoll steht für seine Überzeugungen, aber auch für seine Entscheidungen als Kampfrichter ein. Was ihm schon das ein oder andere Mal ordentlichen Gegenwind beschert hat. „Wenn sich ein Athlet nicht an die Regeln hält, ahnde ich das konsequent“, sagt Knoll.

Anfeindungen prallen an ihm ab

Eine Konsequenz, die nicht immer alle verstehen, etwa wenn er Rother Sportler aus dem eigenen Verein aus dem Rennen nahm. „Da gab es schon Anfeindungen“, meint er zurückblickend. Im Grunde aber pralle das an ihm ab.

Irgendwann in den 90er Jahren nahm der Triathlon Hermann Knoll, der mal Fußball spielte, es aber im Gewichtheben bis in die deutsche Nationalmannschaft schaffte, in Beschlag. Damals begann nämlich seine Tochter mit dem Ausdauerdreikampf, und der damalige TSV Roth war froh, dass sich der lizensierte Schwimm-Übungsleiter einspannen ließ. Vom Trainer stieg Knoll schnell zum Jugendleiter auf und verhalf dem Verein zu einem Höhenflug — 1999 gab er dieses Amt mit rund 45 Kindern und Jugendlichen ab. Dass diese Entwicklung in der Zeit nach ihm jäh endete, tut ihm heute noch weh.

Allerdings tröstet da das schönste Erlebnis, das er in Sachen Triathlon hatte: Bei einem Wettkampf in Gemünden am Main schafften es 17 von 19 seiner Nachwuchssportler aufs Treppchen — was mit einer „Sause“ in einer Pizzeria entsprechend gefeiert wurde. Für sein persönliches Highlight sorgte Tochter Marion mit einem dritten Platz bei einer deutschen Jugendmeisterschaft.

Weite Fahrten zu Wettkämpfen waren mit schuld, dass Knoll Kampfrichter wurde — denn dadurch war die Zeit noch sinnvoller genutzt und auch ein Teil der Kosten abgedeckt. Der Weg zum Obmann im Bezirk hingegen war nicht so klar, weil sich Knoll als stiller Arbeiter im Hintergrund eigentlich sehr wohl gefühlt hatte. Nach dem Rücktritt des damaligen Obmanns übernahm Hermann Knoll im Jahr 2000 das Amt — und ist nicht nur „Chef“ über 30 Kampfrichter und Einteiler für zwischen 14 und 21 Veranstaltungen, sondern auch Ansprechpartner für 1000 Fragen. Denn neben den Genehmigungsverfahren, der Organisation der Kampfrichtereinsätze und Fortbildungen ist immer wieder das Wissen und der Rat des Rothers gefragt.

„In Sachen Triathlon macht mir so schnell keiner was vor“, ist der 57-Jährige überzeugt. Deshalb holt ihn auch Challenge-Renndirektor Felix Walchshöfer — der als Triathlonkind auch durch die „Knoll-Schule“ gegangen war — immer wieder als Rat- und Ideengeber mit ins Boot.

Dass der Challenge Roth fester Bestandteil von Knolls Leben ist, versteht sich von selbst. „Der längste Tag des Jahres“, sagt er. Wenn er aber erzählt, was er von Donnerstag bis Montag — Urlaubstage übrigens — so treibt, darf man wohl vom längsten Wochenende sprechen. Da stapeln sich 500 T-Shirts im Wohnzimmer, 130 Motorradfahrer wollen Rückmeldungen und Informationen, früher stand die Startpass-Kontrolle an— die Liste ist lang.

Um 3.30 Uhr aus dem Bett

Knoll hält mit viel Energie und Ehrgeiz dagegen. Beim legendären Regenrennen 2008 trieb es ihn eine Stunde früher als sonst aus dem Bett (3.30 statt 4.30 Uhr), um die Strecke abzufahren. Aus Sorge um die Athleten. Ein gewisses Maß an Entspannung setzt üblicherweise erst ein, wenn das erste Motorrad losrollt: „Dann kannst du nichts mehr beeinflussen.“

Höchstens noch nette Erlebnisse sammeln wie die Begegnung mit einem Radfahrer, der sich bedankte, als ihn Knoll in die Strafbox schickte. „Endlich kann ich mich ausruhen“, kommentierte der zur Zwangspause verdonnerte Starter die Rote Karte. Ans Aufhören wollte er trotz Zureden von Hermann Knoll nicht denken, schon eher an eine weitere Auszeit in der zweiten Radrunde — der Starter war der Chef der eigenen Firmenstaffel...

Wegschauen ist nicht drin

„Der Kampfrichter ist wie der Elektriker, der das Licht an- und dann wieder ausmacht“, vergleicht Hermann Knoll und ärgert sich folglich über das Auftreten mancher Sportler oder Betreuer, die den Einsatz der Kampfrichter — die im Jugendbereich in Mittelfranken auf Zutun von Hermann Knoll unbezahlt im Einsatz sind — nicht würdigen würden.

Noch etwas ärgert den Rother, der „fast nie“ daran gedacht hat, alles hinzuschmeißen: Die Ellenbogen-Mentalität, gepaart mit der Einstellung, „dass immer die anderen schuld sind“. Doch auch, wenn Knoll an bestimmte Szenen denkt, stellen sich ihm die Haare zu Berge. Er erlebe immer wieder, wie Eltern ihren Kindern Asthma-Spray für bessere Laufzeiten verabreichen würden. Was er sich da schon habe anhören dürfen, als er die Betroffenen zur Rede gestellt habe, möchte er gar nicht wiedergeben.

Wegschauen wird Knoll jedoch auch in Zukunft nicht. Das passt nicht zu seinem breiten Kreuz. Wenn er dann zu Wettkampfbeginn Sätze hört wie „Der Knoll ist da, das läuft“, weiß er, dass seine Einstellung die richtige ist. 

PETRA SCHOPLOCHER

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