Sonntag, 24.03.2019

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Da sein in absoluter Ausnahmesituation

Ehrenamtliche Demenzbegleiter unterstützen Pflegepersonal in der Kreisklinik — Liebevolle Zuwendung - 14.03.2019 16:57 Uhr

Wie eine heimelige Oase im Klinikbetrieb: In der „Plauderstube“ treffen sich mittwochs Patienten, Demenzbetreuer und Pflegemitarbeiter, um ins Gespräch zu kommen. Helga Schauster (links) und Karin Kindermann (Zweite von links) sind regelmäßig hier, um die stellvertretende Pflegedienstleiterin Bettina Honeiser und den Pflegefachmann für Gerontopsychiatrie Mario Zuin zu unterstützen. © Foto: Graff


Der Umgang mit Menschen mit Demenz im Krankenhaus ist eine Herausforderung, der sich die Kreisklinik in Roth seit einigen Jahren mit verschiedenen Maßnahmen stellt. "Bei etwa 3000 Fällen im Jahr haben wir es mit Patienten zu tun, die kognitive Auffälligkeiten mitbringen oder in der Ausnahmesituation im Krankenhaus entwickeln", schätzt Bettina Honeiser, bei der als stellvertretende Pflegedienstleiterin die Fäden zusammenlaufen, wenn es darum geht, demenzkranke Patienten in der Kreisklinik möglichst gut zu versorgen.

Nicht immer liegt bereits eine entsprechende Diagnose vor. Oft werden erste Anzeichen gerade in der Kliniksituation sichtbar. Für die fachliche Beratung gibt es am Haus einen Spezialisten: Mario Zuin ist Pflegefachkraft für Gerontopsychiatrie und steht Patienten, Angehörigen und Einrichtungen beratend zur Seite.

"Wir haben im Vergleich zu Pflegeheimen einen riesigen Nachholbedarf, was den Umgang mit Demenzpatienten angeht", räumt die stellvertretende Pflegedienstleiterin ein. Dafür sieht die Krankenhausfinanzierung keine eigenen Mittel vor. Dank der Großzügigkeit des Freundeskreises darf sich die Kreisklinik hier in einer Vorreiterrolle fühlen. Ab April finanziert der Verein unter anderem auf zunächst ein Jahr zwei Teilzeitstellen für geschulte Betreuungskräfte wie sie in Pflegeheimen bereits üblich sind.

Wenn ein verwirrter alter Mensch ins Krankenhaus muss, kann er in der Kreisklinik von einem Familienangehörigen begleitet werden – auch über Nacht. Oft aber sind keine Angehörigen da, die das leisten können. Dann sitzen die alten Menschen manchmal stundenlang orientierungslos und traurig herum. Den Pflegekräften fehlt die Zeit, sich einfach mal dazu zu setzen.

Hier springen beherzte ehrenamtliche Helfer wie Karin Kindermann und Helga Schauster ein. Beide sind als ehrenamtliche Demenzbegleiterinnen im Krankenhaus aktiv und kümmern sich liebevoll um Patienten, die dringend Zuwendung brauchen, jemanden, der ihnen zuhört, ihnen die Zeit vertreibt, Ängste nimmt und Sicherheit vermittelt.

Besonders beliebt sind die regelmäßigen Besuche in der speziell eingerichteten "Plauderstube". Inmitten der Klinik, zwischen Stations- und Patientenzimmern gibt es eine heimelige kleine Oase, die wirkt wie eine begehbare Puppenstube. Zwischen Oma-Sessel, grüngemusterter Tapete, Bücherregal, historischem Radiogerät und einem gemütlichen Esstisch finden dort jeden Mittwoch die Plauderstunden als niederschwelliges Betreuungsangebot statt. Eine traute Umgebung, die alten Menschen eine kleine Pause vom sterilen Klinikbetrieb ermöglicht.

Handeln aus Überzeugung

"Was die freiwilligen Helferinnen – zurzeit sind es 14 Damen – hier leisten, ist einfach unbezahlbar", betont Bettina Honeiser. "Ganz wunderbar", nennt auch Mario Zuin die Stunden, die die Ehrenamtlichen den Patienten schenken. Karin Kindermann und Helga Schauster gehören zu denen, die seit vielen Jahren aus Überzeugung und unermüdlich da sind. Auch wenn sie selbst deutlich über 70 sind, investieren sie für den Liebesdienst an völlig unbekannten Menschen viel Zeit und Kraft.

"Wir freuen uns, wenn wir kommen dürfen." Zwei feste Vormittage in der Woche ist Helga Schauster im Haus, kommt jedesmal extra von ihrem Wohnort Heideck hergefahren. "Warum? Ich weiß, dass ich hier gebraucht werde und es macht mir viel Freude." Was Karin Kindermann leistet, kann man sich kaum vorstellen. "Sie können wir jederzeit anrufen, auch wenn jemand spätabends oder nachts Hilfe braucht", berichtet Bettina Honeiser. Wenn nötig, übernachtet die 72-jährige Rotherin sogar in der Klinik, wenn ein Patient sehr unruhig ist. "Ich bleibe so lange, wie ich gebraucht werde."

Für alles dankbar

Nicht alle Demenzbegleiter, die derzeit Teil des Besuchsdienstes an der Klinik sind, können und wollen so tief einsteigen. "Wir sind für jede einzelne Stunde dankbar, die jemand bereit ist, für andere da zu sein." Egal, ob regelmäßig oder als Rufbereitschaft an wenigen Stunden im Monat. In der letzten Zeit ist das ehrenamtliche Demenzbegleiter-Team altersbedingt etwas geschrumpft. Jetzt versucht die Kreisklinik, wieder neue Menschen für diese Aufgabe zu begeistern und die Aufgaben auf wieder mehr Schultern zu verteilen. Deshalb bietet sie eine Schulung für Interessierte an.

In 24 Unterrichtseinheiten werden an drei Schulungstagen (1., 4. und 12. April, jeweils von 9 bis 16 Uhr) medizinische, rechtliche und praktische Inhalte vermittelt, die eine sichere Basis für den kompetenten Umgang mit den zu betreuenden Patienten bieten. Die Schulung ist kostenlos. Informationen erteilt Bettina Honeiser unter Tel. (0 91 71) 802-307. 

STEFANIE GRAFF

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