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Dem gesellschaftlichen Mikrokosmos ein wenig auf den Puls fühlen

Die Redaktionskollegen verstehen sich als eingeschworenes Team und haben allesamt die Neugier zu ihrem Beruf gemacht - 28.10.2016 17:39 Uhr

Ein Team, das sich bestens ergänzt: Carola Scherbel, Detlef Gsänger (vorne im Bild), dahinter Stefan Bergauer, Paul Götz, Claudia Weinig und Petra Bittner.

Ein Team, das sich bestens ergänzt: Carola Scherbel, Detlef Gsänger (vorne im Bild), dahinter Stefan Bergauer, Paul Götz, Claudia Weinig und Petra Bittner. © Hans Pühn


Augen auf, bei der Berufswahl: Überstunden, fast jedes zweite Wochenende Dienst, ständiger Zeitdruck, die Kunden auf allen Kanälen bedienen und . . . .

So ein Redakteur hat es schwör. Und ich würde diesen Beruf wieder ergreifen. Er ist abwechslungsreich, kein Tag ist wie der andere, man ist ganz nahe an Ereignissen und Entscheidungen.

Per Zufall bin ich 1982 zur Zeitung gestoßen. Ich stellte mich in Nürnberg beim Personalchef vor, sagte, dass ich Redakteur werden wolle, schon zahlreiche Konzertberichte verfasst hätte, die in den umliegenden Zeitungen auch veröffentlicht wurden. Seine Antwort am Ende: „Fragen Sie doch in Roth nach, da dürfte eine Volontärstelle frei werden." Gesagt, getan.

Mein erster Termin war die Kreisversammlung der FDP in Schwanstetten. Mann, hatte ich Bammel davor. Politik! Kreisversammlung! Mein erster Termin! Gut, ich war überpünktlich und allein. Das irritierte mich. Hatte ich mich im Termin verschaut? Nein! Aber mehr als zehn FDP-Mitglieder wurden es nicht an diesem Abend. Der Artikel mit Bild wurde dafür wohlwollend von der Redaktion beurteilt. Mein erster Einsatz als offizieller Mitarbeiter der RHV war so erfolgreich, dass ich im Herbst 1982 die Stelle als Volontär bekam.

Zwei Jahre später trat ich in Gunzenhausen meine erste Stelle als Redakteur an. Da 1985 in der Redaktion Roth ein Kollege schwer erkrankte, wollte mich der Rother Redaktionsleiter Hanspeter Grasser unbedingt wieder nach Roth holen. Doch wenn man frei hat, hat man frei. Grasser setzte aber alle Hebel in Bewegung, um mich ausfindig zu machen. So kam es, dass er mich in einem Schwabacher Baumarkt ausrufen ließ. Und ich sagte spontan zu. Mein Spezialgebiet war zunächst die Kultur, später war ich ständiger Gast in Rother Stadtrat und in den Ausschusssitzungen. 1998 wurde ich zum stellvertretenden Redaktionsleiter bestellt. Seit 2010 liegt die Entscheidungsbefugnis in meinen Händen. Und ich bin stolz, so ein starkes Team um mich zu haben. Ein Team, das freundschaftlich miteinander verbunden ist und nur ein Ziel hat, den Leser bestmöglichst zu informieren.DETLEF GSÄNGER (dg)

*Als ich vor 21 Jahren als „Freie“ und Urlaubsvertreterin das erste Mal die Rother Redaktion betrat, standen hier noch Schreibmaschinen, und auf den Tischen lagen Typometer und die Negativstreifen der Schwarz-Weiß-Filme. Diese Ausstattung kannte ich gut aus meiner Volontärs- und Jungredakteurinnenzeit ab 1984 bei der Augsburger Allgemeinen. Ab Januar 2001 kam ich dann nach der Kinderpause (zwei Söhne, die in den Jahren 1988 und 1990 geboren sind, mich also schon seit Jahren überragen) als Redakteurin (fast) täglich von Schwabach aus hierher, von den Schreibmaschinen war damals schon nichts mehr zu sehen. Filmrollen und Faxe verschwanden ebenfalls schnell. Die technischen Neuerungen machten — zumindest gefühlt — täglich Riesenschritte, und wir Redakteure rannten und rennen mit. Was sich aber nicht verändert, ist unsere journalistische Arbeit. Das heißt: Ohren spitzen beim Zuhören, neugierig fragen — und notfalls nochmal nachfragen. Bis sich das Fragen, Formulieren und Feilen an einzelnen Sätzen dann in fertig gefüllten Zeitungsseiten findet, vergeht immer ein hektischer Tag, oft dehnt er sich bei Abendterminen auch noch aus. Aber jeder Tag ist anders, und jeder Tag ist spannend. Ein toller Beruf!

*Ich gehöre gewissermaßen zum Inventar der Redaktion. Trotzdem fragen mich die Leute des Öfteren erstaunt: „Sind Sie neu bei der Zeitung?“ Liegt weniger an einem besonders jugendlichen Aussehen als vielmehr daran, dass man mich eher selten zu Gesicht bekommt. Ich bin nämlich die Freitagsfrau des Teams – die, die nur einen Tag die Woche den Redaktions-PC anschmeißt. Ansonsten arbeite ich von zu Hause aus, weil sich das besser mit der Familie (Mann, zwei Söhne – aber das wissen Sie ja bereits aus diversen „Sabberlodds“) vereinbaren lässt. Man trifft mich bei Bedarf also meistens im „Homeoffice“ an. War aber nicht immer so. 1990 hab´ ich unter der Ägide des legendären „hpg“ (Hanspeter Grasser) mein Volontariat in der RHV angetreten — als letzte Volontärin des Roth-Hilpoltsteiner Hauses übrigens. Nach zweijähriger Ausbildung entschied ich mich schließlich für ein geisteswissenschaftliches Studium, um sieben Jahre später in die Schreibstuben an der Allee zurückzukehren. Hier widme ich mich vor allem jenen Geschichten, in denen es recht ordentlich „menschelt“. Denn genau das ist es, was mir am Lokaljournalismus gefällt: Die unterschiedlichsten Leute zu treffen und dem gesellschaftlichen Mikrokosmos dabei ein bisschen auf den Puls fühlen zu dürfen. Ja, ich empfinde es als echtes Privileg, wenn mir ein Gesprächspartner bereitwillig Tür und Tor öffnet, um einen Teil der eigenen Privatheit preiszugeben. Egal zu welchem Thema. Sorgsam damit umzugehen, bedeutet Verantwortung. Eine Verantwortung, der ich mich mit Vorliebe stelle. Immer wieder freitags. PETRA BITTNER (pb)

Nach einem kurzen Ausflug ins Lehrerdasein entschied ich mich doch für die journalistische Laufbahn. Als freie Mitarbeiterin habe ich mir bei der Hersbrucker Zeitung schon während des Studiums ein Zubrot verdient. Es folgte ein Volontariat bei den Nürnberger Nachrichten, bei dem ich feststellte, dass ich mich in einer Lokalredaktion mit ihrer Themenvielfalt und der „Lesernähe“ am wohlsten fühle. So war es auch selbstverständlich, dass ich spontan zusagte, als mir im Juli 2000 eine Redakteursstelle in Roth angeboten wurde. Ich wurde so herzlich von den Kollegen aufgenommen, dass ich nie wieder weg wollte. Ich pendle nun zwischen den beiden Redaktionen in Roth und Hilpoltstein, je nachdem, wo gerade Not am Mann beziehungsweise der Frau ist. Selbiges gilt auch für den Sportteil, wo ich unter der Woche ab und zu die Vertretung übernehme. Am liebsten schreibe ich Landei jedoch über „weltbewegende“ Dinge und interessante Menschen draußen auf den Dörfern. (ebo)

Wenn man Neugier zum Beruf machen kann; mit der Legitimation zum Fragen-stellen. Samt der Option interessante, originelle, manchmal auch provokative, aber ganz selten dumme Antworten zu bekommen. Und der Chance, auf Menschen zu treffen, die tatsächlich etwas zu sagen haben. Die das vielleicht nicht immer wollen; es dann aber doch tun. Weil sie das Gefühl haben, sich später im geschriebenen Wort wiederzufinden. Und zwar so, dass es auch andere verstehen können. Oder mitfühlen. Oder Stellung beziehen.

Dann ist es das, was für mich diese Verbindung „Mensch-Wort“, genannt „Journalismus“, so spannend macht. Schon seit meiner Abiturzeit in Hilpoltstein. Nicht umsonst habe ich selbst als Kind von meiner Familie immer wieder ein leicht genervtes: „…was willst denn du schon wieder alles wissen…?!“ vorgehalten bekommen.

Das hat sich übrigens nicht geändert. Und ich bin mittlerweile 48, mit einem Lokal- und Sportredakteur verheiratet und habe eine 16-jährige Tochter. Mit vielen Fragen…CLAUDIA WEINIG (cl)

*Ein Telefongespräch mit Redaktionsleiter Detlef Gsänger über den Wiener Liedermacher Ernst Molden zeigte Wirkung: Gut drei Monate später machte ich mich als Feuerwehr für Lokales und Sport an meinem Schreibtisch an der Allee breit. Im Gepäck über 30 Jahre Lokaljournalismus (davon 27 im Sport), zwei Nikons und einige Erfahrung über IT und Russland. Das ist jetzt fast vier Jahre her, und von allem findet sich – sichtbar oder versteckt – regelmäßig etwas in der RHV wieder. Der Pioniergeneration von Snowboardern und Gleitschirmfliegern entwachsen, hat mich jetzt halt der Triathlon eingeholt. Als Zug-Pendler habe ich mich mittlerweile nicht nur mit den Gänsen im Stieberpark angefreundet, sondern auch mit den Pünktlichkeitsinterpretationen der Bahn. Nur damit lässt sich der Schnitt von zwei Büchern pro Woche halten.PAUL GÖTZ (pg)

*Ich bin der neue im Team und seit Juni wieder in der alten Heimat ansässig. Meine ersten Texte schrieb ich vor Jahren als freier Mitarbeiter für die Nordbayerischen Nachrichten in Forchheim, einem Schwesterblatt der Roth-Hilpoltsteiner Volkszeitung. Nach dem Volontariat in Nürnberg arbeitete ich gut drei Jahre als Redakteur in Forchheim und übernahm im Juni die Stelle von Marcel Staudt in Roth. Seit meinem Umzug zurück nach Hilpoltstein (der sich wegen eines Superduper-Küchenstudios ewig hinzieht), betreue ich bei der RHV zusammen mit meinem Kollegen Paul Götz den Sport, seltener schreibe ich für den Lokalteil. „Wirklich schön hier“, hat mir Kollege Hans Pühn als Widmung in meine Ausgabe seines Buches über die 160 Jahre der RHV geschrieben — verbunden mit dem Wunsch, dass dies für meine Zukunft hier zutreffen möge. Vielen Dank, Herr Pühn — das wird es sicher. 

CAROLA SCHERBEL (car) ELKE BODENDÖRFER STEFAN BERGAUER (bga)

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