Montag, 24.09.2018

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Der Wille zum Titel

Simon Maurer aus Spalt Deutscher Downhill-Meister - 20.08.2018 16:30 Uhr

Auf staubtrockener Piste ging Simon Maurer als Vorletzter auf den Kurs und behauptete seine Position nicht einmal ein halbe Sekunde hinter dem Holländer Tristan Botteram. © Fotos: Sebastian Sternemann


Am Ziel. Im dritten Anlauf hat Simon Maurer seine Goldmedaille gewonnen.


Das Thema deutsche Meisterschaften ist für den 18-jährigen Downhill-Fahrer ein Wechselbad der Gefühle gewesen. 2016, in seiner ersten richtigen Wettkampfsaison, gelang dem jungen Spalter Mountainbike-Talent ein echter Paukenschlag. Aus dem Stand wurde er – ebenfalls auf der Strecke am Fuße des Inselsbergs bei Bad Tabarz – mit weniger als einer Sekunde Rückstand auf den späteren Sieger überraschend Deutscher Vizemeister.

Ganz anders verlief sein Auftritt im vergangenen Jahr: 2017 wurde der Wettbewerb in Ilmenau/Thüringen ausgetragen. Nachdem Simon Maurer kurz zuvor die ersten Weltcup-Punkte seiner noch jungen Karriere eingeheimst hatte, ging er damals mit ordentlich Rückenwind in der für ihn neuen Wettkampfklasse Pro U19 an den Start. Doch wegen eines Plattens stürzte der Spalter schwer und schied schon im Platzierungslauf aus. Statt Kampf um den Titel hieß es für ihn ab ins Krankenhaus zum Check Up und danach einige Wochen Zwangspause zur Erholung.

Endlich Gold

Nachdem in diesem Jahr die sportlichen Ergebnisse bislang überwiegend positiv ausgefallen sind (neben drei Top-Ten-Platzierungen im Weltcup gab es auf der zweiten Station des iXS Downhill Cups in Willingen zudem den ersten Sieg überhaupt zu feiern), wollte der 18-Jährige endlich wieder auch bei der Vergabe der Medaillen ein Wörtchen mitreden. "Der Titel war schon das Ziel", erzählte er während der Rückfahrt nach Franken im Interview. Der schnelle, und zumindest in dieser Hinsicht den Weltcups ähnelnde Kurs kam ihm prinzipiell entgegen. Wegen der Trockenheit der vergangenen Wochen war die Strecke allerdings "staubtrocken". Dementsprechend "ausgefahren und kaputt", ergo schwer zu fahren, waren einige Stellen. Simon Maurer kam nichtsdestotrotz gut mit den Verhältnissen und dem Kurs zurecht. Im Platzierungslauf am Samstag landete er mit knapp einer Sekunde Rückstand auf seinen Konkurrenten Tristan Botteram auf dem zweiten Platz. Genau das Resultat, das er sich erhofft hatte: "Das ist mir lieber, als Erster zu werden. Dann hat man nicht ganz so viel Druck."

Am Sonntagnachmittag stand der Finallauf an. Da in umgekehrter Reihenfolge gestartet wurde, ging Simon Maurer als Vorletzter ins Rennen. Als es langsam ernst wurde, wärmte er sich auf und bereitete sich mental auf seinen Start vor. Doch der Wettbewerb wurde wegen eines schweren Sturzes längere Zeit unterbrochen. Davon ließ sich der mittlerweile recht erfahrene Athlet nicht aus der Ruhe bringen: "Ich hab mich nochmal etwas aufgewärmt, Musik gehört und mich neu konzentriert." Als es dann zählte, gab er Gas. "Ich habe von oben bis unten versucht, schnell zu fahren." Anders als im Training versuchte er jedoch nun, die staubigen und ramponierten Kurven langsamer anzufahren, um weniger stark nach außen getragen zu werden und damit insgesamt mehr Speed mitzunehmen. Letztlich habe ihm diese Strategie wohl trotzdem einige Hundertstel gekostet. "Zwei, drei Kurven waren nicht optimal", bilanzierte er. Am Ende reicht es beim fünften Rennen der iXS Downhill Serie in der Kategorie Pro U19 "nur" zum zweiten Platz. Mit einem minimalen Abstand von 0,451 Sekunden landete er hinter Tristan Botteram. Seine Zeit hätte sogar für ein Top-Ten-Platzierung im Elitefeld der Herren gereicht.

Wobei das alles an diesem Tag kaum von Bedeutung war. Natürlich wäre es schön gewesen, das Rennen zu gewinnen, meinte Simon Maurer. Viel wichtiger ist dem Spalter aber etwas anderes: Weil der Tagessieger Tristan Botteram Niederländer ist, gewann Maurer als bester nationaler Starter bei den Pro U19 die deutsche Meisterschaft im Downhill.

Wenn man bei der Siegerehrung das Trikot des nationalen Meisters überstreifen darf und die Nationalhymne für einen gespielt wird, sei das "schon ein extrem spezielles Gefühl", erzählte er. "Extrem schön!" Auf diesen Moment, ganz oben zu stehen und einen wichtigen Titel zu gewinnen, darauf "habe ich hintrainiert. Ich war ja schon mal Zweiter. Aber jetzt, jetzt bin ich endlich Meister!" 

ANDREAS REGLER

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