Die Buchsbaum-Apokalypse und das große Schnippschnapp

21.9.2018, 16:23 Uhr
Die Buchsbaum-Apokalypse und das große Schnippschnapp

Frau Haberacker, es zünselt! Am alten Rother Friedhof zum Beispiel findet man fast keinen intakten Buchsbaum mehr. Ist die Lage hoffnungslos?

Renate Haberacker: Sagen wir so: Wenn der letzte Buchs zusammengefressen ist, gibt es auch keinen Zünsler mehr...

 

Kurze Rückblende: Wann ging die Plage im Landkreis los?

Haberacker: Gemerkt hat man´s vor zirka eineinhalb Jahren. Da kamen erste, verbrämte Meldungen aus Groß- und Kleinschwarzenlohe, also aus dem Landkreis-Norden. Danach konnte man verfolgen, wie der Zünsler sich nach Süden durchfrisst.

 

Welche Kommunen sind derzeit am stärksten betroffen?

Haberacker: Die Fresslinie verläuft aktuell bei Georgensgmünd. Dort ist der Zünsler jetzt fleißig am Knabbern. In Greding scheint er dagegen noch nicht angekommen zu sein...

 

Können sich die Gredinger denn präventiv rüsten?

Haberacker: Tief durchatmen, dann überlegen, welcher Buchs unbedingt erhalten werden soll und Algenkalk bereithalten.

 

Wie erkennt man die Tierchen möglichst frühzeitig?

Haberacker: Das erste Indiz sind fallende, gräulich verfärbte Blättchen. Danach folgt das Stadium, in dem die Raupen Gespinste bilden. Da müssen sie aber schon außen angekommen sein. Das Problem ist nämlich, dass sich der Zünsler vom Inneren des Buchsbaums nach außen frisst. Man sieht ihn also nicht sofort.

Die Buchsbaum-Apokalypse und das große Schnippschnapp

 

Wie viele Populationen bildet der Schädling übers Jahr?

Haberacker: Es stimmt leider: Einmal handeln reicht nicht! Denn sobald der Zünsler da ist, ist er da. Hartnäckig. Wenn man den Kampf gegen ihn also aufnehmen will, dann dauerhaft und mit voller Kraft. In so heißen Sommern wie diesem bildet er bis zu vier Populationen aus. Das bedeutet: Man hat gleich mehrere Stadien gleichzeitig – Eier, Raupen, Falter. Da wird’s dann schon unübersichtlich. Leider gibt es kein Mittel gegen alles, sondern immer nur gegen die Raupen. Und weil das Weibchen seine Eier am liebsten in unbefallenen Büschen ablegt, fliegt es weiter. Das ist ein Teufelskreis...

Algenkalk, Teebaumöl, Bakterienkultur oder Gift? Was hilft denn nun wirklich gegen den Kerl?

Haberacker: Ich würde es tatsächlich zuerst mit Algenkalk probieren. Der schmeckt den Raupen scheinbar gar nicht. Allerdings bringt es nix, wenn man ihn nur äußerlich aufträgt. Man braucht schon eine Hilfsperson, die den Buchs ordentlich auseinanderbiegt, damit man auch wirklich alles trifft.

Wer auf das "Bacillus thuringiensis" setzt, das ja angeblich so umweltfreundlich ist, muss wissen: Es killt leider alles! Wenn nebendran eine Schwalbenschwanzraupe sitzt, dann stirbt die gleich mit. Das Problem mit dem Bazillus ist außerdem, dass man den richtigen Zeitpunkt erwischen muss: Es funktioniert nur, wenn die Raupen noch klein sind. Mit dem Neemöl vom Teebaum verhält es sich ähnlich. Auch Pheromonfallen bringen wenig. Die locken in erster Linie Männchen, während die Weibchen mit der Eiablage beschäftigt sind.

Generell gilt: Wenn ich eine Bekämpfungsmaßnahme durchgezogen habe, dann ist das nur die Spitze des Eisbergs. Da sind vielleicht trotzdem noch etliche Eier und dann kommt wieder ein neuer Zünsler angeflogen. Das geht immer so weiter...

 

Natürliche Feinde?

Haberacker: Inzwischen gibt es Meldungen, dass Vögel die Raupen für sich entdeckt haben. Fragt sich nur, ob die Vögel das langfristig auch vertragen. Der Buchsbaumzünsler ist einer der wenigen Organismen, die sich am giftigen Buchs zu schaffen machen und so das Gift in sich aufnehmen. Damit muss ein Vogel erstmal zurecht kommen.

 

Sollten sich Hobbygärtner also von ihrem Buchsbaumgarten verabschieden und umdenken?

Haberacker: Man sollte jedenfalls genau überlegen: Was will ich? Was macht Sinn? Wahrscheinlich werden sich auf Dauer nur einige wenige Exemplare im Garten halten lassen – der Busch, den die Oma mal gepflanzt hat oder so. Und ja, man sollte umdenken und sich Alternativen überlegen. Die Eibe ist zum Beispiel sehr schnittverträglich. Sie hält aber sicher nicht das aus, was ein Buchs aushalten kann. Gleiches gilt für den Ilex.

 

Wenn am Ende gar nichts mehr zu machen ist: Schnippschnapp, weg mit dem Busch und … ?

Haberacker: … ab in den Müllsack, rein in den Restmüll! Bitte nicht auf den Kompost werfen! Auch große Mengen sollten in stabile Plastiksäcke gepackt und zum Wertstoffhof gebracht werden. Dort ist man angewiesen, Buchsbaumschnitt kostenlos in Empfang zu nehmen.

 

Sollten irgendwann keine Buchsbäume mehr da sein — was frisst der Zünsler dann?

Haberacker: Nichts mehr. Nach derzeitigen Erkenntnissen ist er auf den Buchs fixiert, dann ist es vorbei.

Mit Renate Haberacker sprach:

 

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