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„Es folgt das Verfahren Bundesrepublik Deutschland gegen Rick Kavanian“ tönte eine Lautsprecherstimme durch das voll besetzte Haus, und schon stand der Angeklagte auf der Bühne, der gar nicht so recht wusste, wie ihm geschieht. Seine Parkscheibe soll er manipuliert haben, so der Vorwurf. Eigentlich nur eine Bagatelle, fand er.
Ganz anderer Ansicht war jedoch Richter „Benjamin Günter Franklin“, der das Verfahren schnell abschließen wollte, seine Verabredung zum Nachtgolfen ging schließlich vor. Und so ließ er munter eine Person nach der anderen zur Sache aussagen, vom „fest angestellten“ Belastungszeugen über den Staatsanwalt mit Obst- und Gemüse-Tourette-Syndrom bis hin zum Polizeipsychologen Jürgen Klinsmann, der mal schnell aus Florida eingeflogen wurde und dem Richter ein Pinoccio-Eis mitbrachte.
Für all diese Charaktere bediente sich Rick Kavanian munter aus seinen diversen altbewährten „Alter Egos“ – vom hohlwangigen „Jens Maul“, bekannt als „Darth Vader“ aus der Bullyparade, bis hin zum Austauschgriechen Dimitri, eine der Paraderollen von Rick Kavanian.
Zugegeben, ein bisschen schwindelig wurde einem schon, so schnell wie Kavanian seine Rollen wechselte. So schnell, dass er manchmal selber den Faden zu verlieren schien. „Herr Richter, auf welcher Seite stehen sie denn nun“, fragte der Comedian sich einmal selber, als er nicht mehr wusste, ob er nach links oder rechts sprechen musste.
Manchmal prustete er auch selber los und fiel dadurch aus der Rolle. Zugegeben, es war zu komisch, ihn zum Beispiel als näselnden Klinsmann-Schwaben zu erleben, der seinen Auftritt bei Gericht nutzte, Werbung für sein neuestes Motivationsbuch „Atmen im Abseits“, zu machen. Allerdings, so witzig wie Kavanian als schlagfertiger Entertainer auch war, so überfrachtet war sein Programm, so stark, dass man Schwierigkeiten bekam, den Plot überhaupt noch nachzuvollziehen. Irgendwann war von dem VHS(?)-Kurs „Ländlicher Terrorismus und Verstecke im Wald“ die Rede, dann wieder parodierte er die Saitenbachermüsli-Werbung, als nächstes trat „Gerichtskoch“ Alfons Schubeck auf und präsentierte die überraschend einfache Lösung für das Griechenlandproblem: „Mehr Ingwer!“, und dann tauchte auch noch Mama Kavanian im Zeugenstand auf und steckte dem Richter, „Mein Sohn war schon immer ein Kiffer, für Heroin ist er zu geizig“.
Vielleicht konnte man aber der aberwitzigen Gerichtsverhandlung auch deswegen kaum folgen, weil man die ganze Zeit aus dem Lachen nicht herauskam. Kavanian verstand es jedenfalls, mit seinem Publikum zu spielen. Einem herzhaften Nieser aus der hinteren Reihe bescheinigt er „Miles Davis-Qualitäten“, und bot ihm an, ihn auf seiner nächsten Tournee zu begleiten. Und auch kleinere technische Probleme überspielte er geschickt, indem er den Mann am Mischpult humorvoll mit einbezog.
Das größte Kompliment jedoch muss man Kavanian aber mit seinem Umgang eines nicht geplanten Ereignisses machen: Bei einem medizinischen Notfall im Publikum, bei dem die in der Kufa bereitstehenden Sanitäter sehr schnell zur Stelle waren, nahm man ihm seine Betroffenheit ab, und er schaffte gleichzeitig den Spagat zwischen der nötigen Ernsthaftigkeit und seiner Rolle als Künstler, der trotz der ernsten Umstände ein humorvolles Programm zu Ende bringen wollte.
Vielleicht zeigten diese dramatischen Minuten den größten „Egostrip“ des Rick Kavanian, denn auf einmal kam zwischen all den Kunstfiguren seine echte Persönlichkeit zum Vorschein, und die erwies sich als mindestens ebenso sympathisch wie alle seine Rollen zusammen.
Da rückte sogar das Urteil des Prozesses in den Hintergrund, dass Kavanian mit Zustimmung des Richters schließlich selber sprach. Das Strafmaß: Das Verbringen eines glücklicher Tages, denn der eigentlich Schuldige war laut Belastungszeuge der Gerichtskoch Schubeck, der eine große „Ingwer-Verschwörung“ plante. Das musste man dann auch nicht mehr verstehen, Rick Kavanian hatte schon längst gewonnen.

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