Montag, 24.09.2018

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Die Hornisse hat es im Landkreis Roth immer schwerer

Der Büchenbacher Armin Jonik ist als ehrenamtlicher Hornissenberater gefragt - 15.07.2018 06:00 Uhr

Der Hornissenberater im Landkreis Roth, Armin Jonik, erklärt den Aufbau eines Hornissennests: „Hornissen waren die ersten Papiermacher auf der Erde“, sagt er. © Marco Frömter


„Meine Freunde sagen, ich sei nicht ganz sauber, da ich mit meinem Leben spiele“, erklärt der ehrenamtliche Hornissenberater der unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Roth. Doch ohne seinen Einsatz würden Tausende von Hornissen sterben, wenn er nicht eingreifen würde. Immerhin seien bereits gut 50 Prozent der Insekten ausgestorben.

In Norddeutschland seien überhaupt keine Hornissen mehr vorzufinden. „Das Problem der Hornisse ist, dass sie in der Natur keinen Spielraum mehr hat. Es bleibt ihr nichts anderes übrig, als in Rollokästen oder in Dachböden zu nisten“, weiß Jonik zu berichten. 

In unserer Region sei das Klima für die Hornissen recht gut, deshalb komme er mit seiner Arbeit gar nicht mehr nach. Dabei haben die Hornissen in der Allgemeinheit einen völlig „falschen Ruf“. Zwar seien Hornissen nicht ganz ungefährlich, doch wenn man sie in Ruhe lasse, seien die Insekten ganz friedlich. Man müsse sich nur ruhig verhalten und auf keinen Fall versuchen, eine Hornisse wegzublasen: „Da werden sie grantig und stechen.“

Lieber anrufen

Allerdings höre der Spaß auf, wenn ein Hornissennest beispielsweise in der Nähe eines Kinderzimmers oder bei kranken Menschen aufzufinden sei. Jonik rät eindringlich davor ab, dann selbst Hand anzulegen. Bei einer solchen Aktion bestehe nicht nur die Möglichkeit, sich eine Geldstrafe von bis zu 50.000 Euro einzuhandeln, sondern natürlich auch die Gefahr, ernsthaft verletzt zu werden. 

In solchen Situationen kommen dann Wissen und Können von Armin Jonik zum Einsatz. Im Vollschutzanzug und mit speziellen Kisten rückt er an und versetzt das ungewünschte Hornissennest. Dabei fängt er behutsam jede einzelne Hornisse mit einer Saugspritze ein. Ein solcher Einsatz könne bis zu acht Stunden dauern, da es nicht selten sei, dass ein Hornissenvolk aus bis zu 500 Tieren bestehe.

Eine Hornisse in Nahaufnahme. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa


Besondere Aufmerksamkeit schenkt er der Königin. Denn: „Ohne die geht im Nest gar nichts. Ist die Königin erst einmal tot, dann dauert es nicht lange und ihr ganzes Volk stirbt.“

Das will Jonik unbedingt vermeiden. Immerhin seien die Hornissen über 70 Millionen Jahre auf der Erde und somit eine der ältesten Tierarten, die es gebe. Ist ein Hornissennest erst einmal an einen neuen Ort umgesiedelt worden, ist Joniks Arbeit übrigens noch lange nicht getan. „Bis alles wieder in den gewohnten Ablauf kommt, füttere ich die Tiere und sehe nach, ob alles in Ordnung ist.“

Die Königin baue im neuen Domizil schnell wieder ihre Bindung zum Volk auf. „Es muss jedes Individuum gerettet werden“, sagt er weiter. Die Hornissen seien Teil der Kette im System. Sie ernähren sich von Larven, Bieneneiern, Mücken und Fliegen. „Das darf nicht zerstört werden.“

Zwei gefährliche Völker

Es gebe rund 1000 verschiedene Hornissenarten, von denen aber lediglich zwei Völker als gefährlich einzustufen seien. „Die Deutsche Hornisse und die die Gemeine Hornisse sind nicht ohne“, sagt Jonik. Er selbst habe am eigenen Leib schon ausprobiert, welche Auswirkungen ein Hornissenstich habe: „Ich bekam Herzklopfen, starke Speichelbildung, ich zitterte und meine Augen schwollen an. Doch nach zwei bis drei Stunden war ich wieder in Ordnung.“

Dennoch muss Jonik regelmäßig zum Arzt gehen, um sich hinsichtlich seiner Leidenschaft „checken zu lassen“. Meist trägt er bei seinen Einsätzen einen dicken Schutzanzug: „Auch wenn ich darin aussehe, wie eine Blutwurst.“ Besonders starke Tiere würden sogar durch die dicken Lederhandschuhe stechen können.

Ehrenamtliche Hornissenberater seien ebenso wie die Hornissen selbst eine „aussterbende Spezies“, beklagt er. „Es fehlt an Nachwuchs und an Praktikern. Auch die Gelder für Umsiedlungen seien nur schwer zu bekommen. „Ich muss ständig betteln gehen, dabei brauchen wir die Tiere.“

Die ehrenamtlichen Hornissenberater des Landkreises werden über die Untere Naturschutzbehörde kontaktiert. Telefonnummern: (09171) 81-1439 und -1433

  

Marco Frömter E-Mail

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