|
Anmeldung
Diese Funktion steht nur registrierten Usern zur Verfügung.
Loggen Sie sich bitte hier ein oder registrieren Sie sich kostenlos! |
![]() |
Passwort vergessen
Wenn Sie Ihr Passwort vergessen haben können Sie hier ein neues Passwort anfordern. Geben Sie bitte hierzu Ihre E-Mail-Adresse ein!
|
Drei Zimmer, Küche, Bad, Balkon. Vor mehr als drei Jahren ist Stefan F. (Name geändert) mit seiner Lebensgefährtin und deren zwei Töchtern in die Allersberger Straße gezogen. Hier fühlt sich die Familie wohl. Die Wohnung hat zwar nur 77 Quadratmeter, trotzdem ist in den blitzblank geputzten en Räumen genug Platz für vier Personen, zwei Katzen und einen Hund. Das Verhältnis zum Hauseigentümer, der in Nürnberg wohnt, ist gut. Das Paar kümmert sich um das Gelände, mäht den Rasen auf dem kleinen Spielplatz und darf dafür den Garten nutzen. Doch damit ist jetzt Schluss. Anfang Januar erhielten der 43-Jährige und seine 31-jährige Lebensgefährtin telefonisch die Mitteilung, dass sie bis Ende April ihre Wohnung geräumt haben müssen. Inzwischen haben sie es schriftlich.
„Entmieten“ nannte Elmar Nothhelfer, Prokurist der Activ-Immobilien GmbH & Co. KG, diesen Vorgang in der jüngsten Sitzung des Rother Umweltausschusses. Wie berichtet, hatte das Immobilienunternehmen als einer der Gesellschafter der Rothmühl-Passagen in dieser Sitzung seinen Plan vorgestellt, auf dem Areal zwischen dem Einkaufszentrum, der Friedrich-Wambsganz-Straße und der Allersberger Straße einen Supermarkt zu bauen. Der Vertrag mit Kaufland, einem Vollsortimenter, ist bereits unterschrieben.
Für diesen Bau werden auch die Grundstücke direkt an der Allersberger Straße benötigt, auf denen die Häuser mit den Nummer 14, 14a, 16a und 16b stehen. Um diese Fläche soll der Bebauungsplan „Rothmühl-Passagen“ erweitert werden, lautet der Antrag der Activ-Immobilien, über den der Stadtrat in seiner nächsten Sitzung abstimmen wird. Die Grundstücke, auch das hatte Nothhelfer in der Sitzung des Umweltausschusses bereits gesagt, sind schon im Besitz des Investors.
Wird der Antrag genehmigt, werden die Häuser abgerissen. Bis dahin müssen die Mieter etwas Neues gefunden haben. Doch das gestaltet sich schwierig. Seit im vergangenen Juni das erste Mal davon die Rede war, dass ein Supermarkt auf dem noch freien Areal genau vor ihrem Balkon angesiedelt und die Baufläche dafür erweitert werden soll, ist StefanF. auf der Suche. Fast 30 Wohnungen haben er und seine Partnerin sich bereits angeschaut, allein eine neue Bleibe gefunden haben sie noch nicht.
Mal hätte der neue Vermieter abgelehnt, weil er keine Tiere in seinem Haus haben wolle. Mal habe es geheißen, die Haustiere seien kein Problem, aber die beiden Kinder. Manche Wohnungen hätten so kleine Zimmer gehabt, dass neben dem Bett kein Schrank mehr ins Kinderzimmer gepasst hätte. Und ab und an habe er sich auch die Frage anhören müssen, ob er sich die neue Wohnung überhaupt leisten könne, ärgert sich der Berufskraftfahrer. Einzig ihr bisheriger Vermieter habe ihnen eine Alternative angeboten, allerdings in Nürnberg. Dort will und kann die Familie aber nicht hinziehen, schließlich ist die 31-Jährige gebürtige Rotherin, kümmert sich hier um die Großeltern und arbeitet hier in einem Altenheim. Und für einen Arbeitsweg, der nur mit dem Auto zu bewältigen ist, fehlt ihr der Führerschein.
Auch an die Stadt Roth hat sich das Paar bereits gewandt. Dort gibt es eine Warteliste für Wohnungssuchende. Auf diese hat Bürgermeister Ralph Edelhäußer die Familie inzwischen aufgenommen. Große Hoffnungen, dass in den nächsten zwei Monaten eine städtische Wohnung zur Verfügung steht, macht das Stadtoberhaupt aber nicht.
Zwar verliere die Stadt jedes Jahr bis zu 80 Einwohner, die Nachfrage nach Wohnraum aber, weiß Edelhäuser, „wächst ständig“. Daher sei die Stadt so daran interessiert, Wohnflächen auszuweisen und Baulücken zu schließen. Ein bisschen Entspannung auf dem Wohnungsmarkt könnte es vielleicht auch geben, wenn wegen der Bundeswehrreform die Soldaten nach und nach aus Roth wegziehen und ihre Familien folgen.
Für die Familien in der Allersberger Straße ist dies zu spät. Einige Nachbarn haben etwas gefunden und sind bereits ausgezogen. Andere müssen weitersuchen. Die Stadt könne bei der Suche nicht als „Makler“ tätig werden, gibt Edelhäußer zu bedenken. Allerdings gäbe die Verwaltung bei Anfragen auch die Telefonnummern von Sozialwerken weiter, die günstigen Wohnraum anbieten.
Diese Nummer erhalten laut Edelhäußer auch StefanF. und seine Familie. Für diese wird inzwischen nach eigener Aussage „die Belastung immer größer“. Der gesamte Freundes- und Bekanntenkreis suche mittlerweile mit. Wenn sich aber bis April nichts findet, „dann stehen wir mit unseren Kindern auf der Straße“.BEATE WINDISCH

|