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Die Perlen eines besonderen Markts aufgefädelt

24. Gredinger Trachtenmarkt steht unter dem Motto "Altes Gwand, gut aufgehoben" — Das Altenburger Land lässt grüßen - 30.08.2017 13:52 Uhr

Gredings Bürgermeister Manfred Preischl, Fremdenverkehrsbeauftragte Samantha Thimm, Mittelfrankens Trachtenberaterin Katrin Weber sowie Petra Wilhelm und Michael Ritter vom Bayerischen Landesverein für Heimatpflege stellten bei einem Pressegespräch die Perlen des Trachtenmarkts vor. © Foto: Leykamm


Im vergangenen Jahr war es traditionelle Kleidung aus Andalusien, die die Besucher entzückte. Das dürfte auch dieses Mal der Fall sein, denn eine kleine, wenn auch wackelige, gedankliche Brücke lässt sich zu den diesjährigen Gewändern durchaus bauen. Denn es war die spanische Hofmode, die in früheren Zeiten erst das Kleidungsverhalten des deutschen Adels und dann auch des Bürgertums und des Bauernstandes inspirierte.

Einflüsse sind vor allem bei der "Altenburger Tracht" zu erkennen, die im Mittelpunkt der Präsentation der Gäste aus Thüringen steht. Bekannt ist der Ort eigentlich für seine dort hergestellten Spielkarten, aber "er ist auch kulturhistorisch sehr interessant", wie Michael Ritter, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege, im Pressegespräch erläutert. Fruchtbarer Boden habe hier für wohlhabende Landwirte mit großem Selbst- und Trachtenbewusstsein gesorgt. Das Folklore-Ensemble von dort wird in Greding "eine Bauernhochzeit nachstellen", weist der Experte auf den Höhepunkt hin.

Zu sehen "sind eigenwillige und bestechende Trachten". Der Rock etwa sei gefaltet und die sich prächtig türmende Kopfbedeckung der Damen namens "Hormt" allein schon ein Hingucker. Die Herren lieben es laut Ritter dagegen eher prosaisch, weshalb sie die ihrige schlicht "Deckel" nennen. Die "Tracht des Jahres 2017" darf im Programm nicht fehlen. Sie kommt aus dem Fläming (Brandenburg). Präsentiert wird sie vom Deutschen Trachtenverband.

"Kulturerbe Bayern"

Weitere historische Gewänder und Tänze steuern der Bayerische Trachtenverband und der unterfränkische Rhein-Main-Gauverband bei. Schon vor dem Silberjubiläum 2018 kann man heuer mit einer Premiere aufwarten. Zum ersten Mal wird sich im Rahmen des Marktes eine Organisation mit heimatpflegerischer Zielsetzung dem Publikum vorstellen. Zur Premiere präsentiert sich ein Verein, der selbst erst vor zwei Jahren gegründet wurde. Er nennt sich "Kulturerbe Bayern" und stellt eine Initiative dar, die langfristig eine Stiftung zur Erhaltung historischer Gebäude und einzigartiger Landschaftsteile anstrebt. Vom Vorsitzenden Johannes Haslauer gibt es bei zwei Vorträgen (jeweils um 15.30 Uhr) Näheres über das Projekt zu hören.

Im Vergleich zum Organisationsteam des ersten Trachtenmarktes hat sich heuer der Generationenwechsel vollendet. Gesorgt hat hierfür die neue Trachtenberaterin des Bezirks, Katrin Weber, die dieses Amt im November vergangenen Jahres antrat, nachdem es Evelyn Gillmeister-Geisenhof nach 30 Jahren abgegeben hatte. Mit der Neubesetzung war auch der Umzug des Trachtenarchivs verbunden. Was Weber auf die Idee brachte, den Transport und das Aufbewahren alter textiler Kostbarkeiten zum Thema des Marktes zu machen. Bei ihren Vorträgen (jeweils um 14.30 Uhr) erklärt die Beraterin, was es zu beachten gilt.

Im Archivfundus des Bezirks allein "befinden sich 300 Schürzen, da geht einem schnell das Geld für Schränke aus", so Weber, die sich aber zu helfen weiß. Vieles wird dort in chlor- und säurefreien sowie natürlich gepufferten Spezialkartons aufbewahrt. Das Tragen historischer Trachten sollte vermieden werden, "auch wenn das sehr verlockend ist. Auf gar keinen Fall Sprays einsetzen!", rät sie. Eine Restaurierung sei teuer und lohne nicht immer, aber Exemplare mit Mottenlöchern könnten auch gut als Anschauungsmaterial dienen.

Anzusehen gibt es überhaupt recht viel am Wochenende, für das sich um die 100 neue und bewährte Aussteller angekündigt haben. Allesamt "qualifizierte und regionale Fieranten", wie Ritter betont, "wir wollen hier auf gar keinen Fall Billigstoffimporte". Dass diese außen vor bleiben, dafür sorgen der Bayerische Landesverein für Heimatpflege und die Stadt Greding, die gemeinsam den Markt veranstalten. Die Hauptarbeit haben dabei zwei Damen: Petra Wilhelm seitens des Vereins sowie Fremdenverkehrsbeauftragte Samantha Thimm seitens der Stadt. Großes Lob gab es beim Pressegespräch für beide. Auch der Gredinger Bürgermeister Manfred Preischl spendete Applaus: "Die Zusammenarbeit verläuft absolut reibungslos!" Eine Veranstaltung dieser Größenordnung will erst einmal gestemmt sein. Immerhin werden bis zu bis zu 13 000 zahlende Besucher erwartet.

Kinder und Jugendliche brauchen keinen Eintritt zu bezahlen, der ansonsten drei Euro beträgt. Für Parkplätze ist großflächig gesorgt. Zudem steht wieder der regionale Rufbus von und nach Kinding zur Verfügung. Eine Anmeldung ist hier bis spätestens Donnerstag, 31. August, 18 Uhr, erforderlich. Ebenso wird heuer wieder eine (die nunmehr dritte) Trachtenbörse angeboten. Beim "Rumlumpen" am Samstag (siehe eigener Bericht) ist dieses Mal ergänzend die Stadtkapelle mit von der Partie, die bei schönem Wetter vor dem Rathaus aufspielt. Die "lebenden Werkstätten" und das "Forum Spitze" lauten weitere Zutaten des Trachtenmarktes, auf die auch dieses Mal nicht verzichtet werden will. Kurse und Stadtführungen runden das Programm ab. 

JÜRGEN LEYKAMM

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