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Bei einer Feierstunde in der Residenz begrüßte Bürgermeister Markus Mahl Weggefährten und Freunde Helmut Reiters sowie Vertreter der Stadtratsfraktionen und der Verwaltung. Stiftungen gebe es in Deutschland ja reichlich viele, betonte Mahl, doch für Hilpoltstein seien sie etwas ganz besonderes. Vom Ende des 15. bis Mitte des 18. Jahrhunderts stammten die noch bekannten Stiftungen der Stadt, die Wohlfahrts-, die Herzog-Stephan-, sowie die Siechenhausstiftung. Durch die Geldentwertung wurden die Stiftungen zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts stark getroffen, und die beiden erstgenannten 1927 zusammengefasst. 1948 wurden beide dann aufgelöst und das Restguthaben in die Siechenhausstiftung übertragen. Heute weise die Stiftung noch ein Kapital von rund 44000 Euro auf.
Für das sogenannte Stiftungsgeschäft und die Erstellung der Satzung konnte die Hilpoltsteiner Notarin Margit Twehues gewonnen werden, die sich nicht zuletzt dadurch besonders eignete, da sie ihre Diplomarbeit über kommunale Stiftungen verfasst hatte. Nach Verfassung der beiden Dokumente im September erfolgte im Oktober die Anerkennung durch die Regierung von Mittelfranken. Mitte Oktober erkannte das Zentralfinanzamt Nürnberg die Gemeinnützigkeit der Stiftung an, sodass sie Ende 2012 vollständig gegründet und rechtsfähig war.
„Tue Gutes und rede darüber“, sei so gar nicht seine Stimme, erklärte Helmut Reiter bei der Feierstunde. Generell macht der ehemalige Geschäftsmann wenig Aufhebens um sich und sein Engagement.
Nach der Flucht aus Schlesien gelangte die Familie nach Nürnberg und lebte die ersten Jahre auf gerade einmal 20 Quadratmetern. In der Gravieranstalt Walther Wolf wurde er Graveur- und Werkzeugmachermeister, machte den Abschluss als Betriebstechniker für Maschinenbau und Metallverarbeitung. Zuletzt wurde er Kunststofftechniker. 1963 lernte Helmut Reiter seine Frau kennen und heiratete sie ein Jahr später. Wegen der Kinder, Richard und Christa, verlagerten sie ihren Wohnsitz aufs Land, in das ehemalige Schulhaus von Ohlangen. Die Firma entwickelte sich gut, und man zog nach Thalmässing. 1978 waren die Räumlichkeiten erneut zu klein, sodass ein weiterer Umzug anstand. Mit 15 Mitarbeitern wurden Räumlichkeiten in der Freystädter Straße in Hilpoltstein bezogen.
„Wir haben immer Dinge gemacht, die nicht jeder machen wollte“, erklärte Reiter den Erfolg seines Unternehmens. Stets habe er mit einer modernen Ausstattung und vor allem mit dem Wissen aus seinen verschiedenen Ausbildungen Projekte angehen können, die sonst keiner konnte. Kunden aus verschiedensten Wirtschaftsbereichen waren ihm damit sicher. Aus dem einst konventionellen Handwerksbetrieb wurde so ein hochtechnischer Zulieferungsbetrieb. Seine Geschäfte führten Helmut Reiter dann auch nach Shanghai und Hongkong. Und noch heute merkt man, wie er an seinem Betrieb hängt, der mittlerweile zur Unternehmensgruppe HG Geiger gehört.
Schon immer hatten sich Helmut Reiter und seine Frau Annegrid, die die Geschäfte des Unternehmens führte, auch sozial engagiert und sich für schwächer Gestellte eingesetzt. Seit seinem Ruhestand 2004 engagiert sich Helmut Reiter auch weiter. Im Hilpoltsteiner Bewerbungstreff unterstützt er Schülerinnen und Schüler auf dem Weg ins Berufsleben, bei der Hilpoltsteiner Tafel sorgt er für sozial schwächere.
Mit seiner Frau, die 2007 verstarb, war sich Helmut Reiter einig, sich nach dem Verkauf der Firma weiterhin sozial zu engagieren. Mit der Gründung der gemeinsamen Stiftungen wollen die beiden nun ihre Dankbarkeit und die Verbundenheit zur Stadt Hilpoltstein zum Ausdruck bringen. Eine Verbundenheit, die ab 2004, durch den Einsatz für den Erhalt des Amtsgerichts in Hilpoltstein und später für den Kauf der Residenz deutlich wurde. Helmut Reiter hatte sich persönlich und finanziell für die Residenz und ihre Gestaltung eingesetzt.
Als kommunale Stiftung wird das Vermögen künftig von der Stadt verwaltet, ein Beirat, bestehend aus Helmut Reiter als Vorsitzenden, Bürgermeister Markus Mahl und Dieter Popp vom Museums- und Heimatverein, soll Vorschläge für die Vergabe von Mitteln geben. Dabei sollen unter anderem Kunst und Kultur in der Stadt Hilpoltstein, Volks- und Berufsbildung unterstützt, die Pflege von alten und behinderten Menschen gefördert werden. Einen weiteren Schwerpunkt sollen die örtliche Heimatpflege und der Denkmalschutz darstellen. „Etwas Außergewöhnliches“ wie es Bürgermeister Markus Mahl nannte, das vielleicht auch den einen oder anderen Nachahmer finde.

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