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In zahlreichen Gemeinden des Landkreises wie in Hilpoltstein, Thalmässing, Büchenbach und Kammerstein seien vor der Wahl Flyer aufgetaucht, auf denen die Bürgermeister mehr oder weniger direkt für eine Fortsetzung der Ära Eckstein geworben hätten.
Beispiel Thalmässing: „Unser Landrat. Der Landkreis Roth und die Marktgemeinde Thalmässing sind mit Landrat Herbert Eckstein auf einem guten Weg“, ist auf einem Flyer zu lesen, auf dem Eckstein zusammen mit Bürgermeister Georg Küttinger (Thalmässinger Liste) und dessen Stellvertreterin Ursula Klobe (SPD) abgebildet ist. Fairness schaut aus Sicht Bauers anders aus. „Wir mussten gegen eine Maschinerie antreten, die die CSU ignorierte“, so Bauer gestern gegenüber unserer Zeitung.
Enttäuscht sei Bauer vor allem von den Freien Wählern gewesen, die im Vorfeld erklärt hätten, keine Wahlempfehlung zu geben. Aber nachdem er als Kammersteiner die „politische Waffenschmiede von Walter Schnell“ aus eigener Erfahrung kenne, sei er davon auch nicht überrascht gewesen.
Auch Landratsstellvertreter und Kammersteiner Bürgermeister Walter Schnell ist zusammen mit Eckstein auf einem Flyer zu sehen und rührt eifrig die Werbetrommel für den Landkreis-Chef. Mit demselben Slogan wie in den anderen Kommunen. Allerdings: Weder Schnell noch Küttinger noch die anderen Bürgermeister unterzeichneten den Flyer mit ihrem Titel.
Dass Bauer am Sonntagabend während der Wahlparty nach Bekanntgabe des für den CSU-Kandidaten desaströsen Resultats (23,72 Prozent) derart vom Leder zog, sei darauf zurückzuführen, dass er gleichermaßen „sauer und enttäuscht“ gewesen sei.
Der gescheiterte Robert Frank hat durchaus Verständnis für die emotionale Empörung des Kreisvorsitzenden Bauer. „Man sollte endlich mal mit den Gefälligkeiten aufhören“, sagte er und betonte, dass er der Ansicht gewesen sei, einen guten Wahlkampf geführt zu haben.
Was ihn gewaltig wurmt, ist die Tatsache, dass er zwar jede Menge Termine wahrgenommen, dabei aber nie zu Wort gekommen sei. Selbst CSU-Bürgermeister hätten beteuert, dass sie bei Festen oder anderen Feierlichkeiten keinen Wahlkampf führen wollen, dass sie es sich nicht mit Landrat Eckstein verscherzen wollen. Erschwerend für Frank sei dazugekommen, dass dieser kein offizieller Mandatsträger sei und so natürlich keine Gelegenheit gehabt habe, sich bei Grußworten zu präsentieren.
Frank hat nach der Pleite schnell wieder zu seinem Humor zurückgefunden. „Das Los eines Nicht-Mandatsträgers ist es, barfuß hinter der Musik herzulaufen.“ Die Sache mit dem Mandat soll sich nach den Worten Franks schnell ändern, denn bei den nächsten Kreistagswahlen in drei Jahren werde er auf jeden Fall antreten.
Ansonsten will der 40-Jährige jetzt erst einmal in sich gehen, die Zeit nutzen, um sich selbst zu hinterfragen. Obwohl er der Meinung ist, „dass wir aus unserer Situation das Beste gemacht haben“. Dass er 2017 noch einmal antritt, daran habe er im Moment keine Zweifel.
Christine Rodarius hat wenig Verständnis für die Aufgeregtheit bei Bauer und Frank. Die SPD-Fraktionssprecherin im Kreistag: „Die Freien Wähler beispielsweise haben nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass sie den Landrat unterstützen, weil sie mit dessen Arbeit zufrieden sind. In dieser Hinsicht ist nie etwas hinter vorgehaltener Hand passiert.“ Sie findet es schade, dass Bauer nicht die „Größe gezeigt hat, dass der Großteil der Landkreisbürger überzeugt ist, dass der Landrat eine ordentliche Arbeit gemacht hat“.
Apropos Großteil: Dass Eckstein mit 76,28 Prozent ein dermaßen beeindruckendes Ergebnis einfährt und die Bilanz von 2005 noch toppen könnte, damit hat Christine Rodarius nicht gerechnet. Sie hofft jetzt, dass der Eckstein-Erfolg auch auf kommunaler Ebene eine Sogwirkung entwickelt.
Eckstein selbst schwebt im Moment noch auf Wolke sieben, hat diesen Triumph noch gar nicht verarbeitet, wie er bei einem Redaktionsgespräch betonte. „Ich muss das erst richtig begreifen“, sagte er. Was er auch nicht begreift, ist die Kritik des CSU-Kreisvorsitzenden Bauer. Seit Jahren schon kooperiere der Landrat in vorbildlicher Weise mit den FW, der FDP und den Grünen, aber auch mit Teilen der CSU. Was ihn richtig ärgert, ist die Tatsache, dass die Christsozialen mit Robert Frank einen Kandidaten ins Rennen geschickt haben, dem der Landkreis offensichtlich vollkommen fremd sei: „Ich habe noch nie einen Gegenkandidaten gehabt, bei dem Sein und Schein so weit auseinanderlagen.“
Obwohl der Wahlerfolg noch frisch ist, sei die Frage erlaubt: „Denkt Herbert Eckstein (55) an eine erneute Kandidatur 2017?“ Eckstein: „Das entscheide ich ein Jahr vorher und wenn die Gesundheit passt und ich nach wie vor gerne auf jedes Fest gehe — warum nicht?“Bilder von der Wahlparty in der Kulturfabrik Roth unter www.roth-hilpoltsteiner-volkszeitung.de oder hilpoltsteiner-zeitung.de

Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.