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Samstag, 22.09.2018

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Freibad Allersberg: Es geht um mehr

Marktgemeinde bewirbt sich um Zuschuss für Sportpark - 22.08.2018 06:00 Uhr

Da kann es im Allersberger Freibad noch so voll sein, im Springerbecken ist es auf Anweisung des Landratsamtes leer. Doch wann wird das Bad endlich saniert? Und wer soll das alles bezahlen? In der jüngsten Sitzung des Marktgemeinderates wurde über einen neuen Bundes-Fördertopf diskutiert. Bis Ende August muss sich Allersberg um die Mittel bewerben. © F.: Windisch


Da hatte Bürgermeister Daniel Horndasch die Mitglieder des Marktgemeinderates ganz schön überrollt. Von einem Förderprogramm für das Freibad war in der Einladung zur kurzfristig einberaumten Sondersitzung des Gremiums die Rede gewesen. Was dann bei den Markträten auf dem Tisch lag, war allerdings die Skizze für einen kompletten Sport- und Landschaftspark entlang der Nürnberger Straße samt Sport- und Tennisplätzen, Vereinsheim, Umkleideräumen, renaturierter Roth und natürlich dem Freibad. Der Förderantrag für den staatlichen Zuschuss zum Projekt war bereits ausgefüllt. Die Markträte hätten eigentlich nur noch zustimmen müssen.

Der Grund für die Eile: Anfang August ging ein Brief des Bayerischen Gemeindetages im Rathaus ein, in dem es um ein neues Förderprogramm ging. In den Jahren 2019 bis 2022 will der Bund 100 Millionen Euro für die "Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur" zur Verfügung stellen. Der Fördersatz liegt bei 45 Prozent, bei Kommunen mit einer Haushaltsnotlage erhöht er sich auf 90 Prozent.

Wer tatsächlich zum Zuge kommt, kann mit Mitteln zwischen einer und maximal vier Millionen Euro rechnen. Das Problem ist allerdings: Bis zum 24. August muss die Kommune der Regierung mitgeteilt haben, ob und mit welchem Projekt sie sich bewerben will; bis zum 31. August muss der Antrag dann vorliegen. Nicht viel Zeit also, um lange zu überlegen.

Schaut man auf die Kriterien für die Zuschussvergaben, ist außerdem unter anderem von einer besonderen regionalen und überregionalen Wahrnehmbarkeit die Rede; von einem hohen Innovationspotenzial und einem Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt und zur sozialen Integration. "Nur mit einer Freibad-Sanierung werden wir da nicht groß auffallen", erklärte der Bürgermeister.

Idee ist nicht neu

In der Kürze der Zeit hatte die Verwaltung daher in die Schublade gegriffen und alte Pläne wieder herausgeholt. Bereits vor 40 Jahren war im gemeindlichen Flächennutzungsplan Platz für einen Sportpark vorgesehen gewesen. 2002 wurde ein Konzept für die Schaffung eines "Sport- und Landschaftsplanes im Norden Allersberg mit Einbindung des Freibades und angrenzender Sportanlagen" erstellt.

Was die Verwaltung nun in ihrer Planungsskizze vorlegte, sei also der alte Plan, "nur ein bis zwei Nummern kleiner". In den Plan einbezogen sind neben dem Freibad auch die Sportplätze der DJK und die Turnhalle; der Tennisverein würde mit seinen Plätzen ebenfalls mit raus ziehen. Auch die Eintracht könnte ins Gelände integriert werden. Die Pyrbaumer Straße würde zur Sackgasse (am Ende wären dann die Tennisplätze). Für alle gäbe es ein gemeinsames Vereinsheim. Der Jugendtreff könnte ebenfalls dort untergebracht werden.

Die betroffenen Vereine hätten bereits alle Gesprächsbereitschaft signalisiert, versicherte Horndasch.

Die eigentliche Sanierung des Freibades geriet angesichts dieser Ideen fast zur Nebensache. Inzwischen — auch darüber informierte Horndasch — liegt das Gutachten des Statikers vor. Und die Hauptaussage ist folgende: Das Becken kann saniert werden, "wir müssen also nicht neu bauen", so der Bürgermeister. Daher schlug die Verwaltung vor, das bestehende Becken zu sanieren, zur Abdichtung keine Folie, sondern Edelstahl zu nehmen und das Springerbecken abzutrennen. Das Schwimmbecken könnte einen barrierefreien Zugang erhalten Und für die Kinder gäbe es einen Wasserspielplatz.

Erste Schätzungen, was das Ganze kosten könnte, liegen ebenfalls vor. Bei der Sanierung des Freibades geht man (wie berichtet) von vier Millionen Euro an Kosten aus. Nimmt man die Sanierung der Turnhalle dazu, den Neubau von Jugendtreff und Tennisplätzen sowie die Renaturierung der Roth, kommen Gesamtkosten von rund 5,5 Millionen Euro zusammen. Selbst bei einer Förderung von "nur" 45 Prozent sei das immer noch weniger als die vier Millionen Euro für die Freibadsanierung, die die Marktgemeinde vielleicht alleine stemmen müsste. "Ich sehe die Chance für uns", warb Horndasch um Unterstützung. Zumal ja noch gar nichts beschlossene Sache sei. Soll heißen: "Wenn wir den Zuschlag erhalten, dann geht es erst an die genaue Planung Und dann sind auch noch Änderungen möglich".

Ein Bärendienst?

Vielleicht aber "binden wir uns auch nur ein großes Projekt ans Bein", gab SPD-Fraktionssprecher Roger Bitsch zu bedenken und verwies auf all die Kosten, die nicht in der Aufstellung für den Förderantrag drin stehen. Der Bau des neuen Vereinsheim zum Beispiel sei nicht drin. Auch der Kauf der DJK-Grundstücke stehe im Raum, der Preis dafür aber nicht. Die SPD plädiere daher laut Bitsch ausdrücklich dafür, sich auf das Freibad zu konzentrieren. "Sonst erweisen wir uns vielleicht einen Bärendienst." Auch andere Markträte fanden deutliche Worte. Norbert Schöll (CSU) zum Beispiel bezeichnete die Vorschläge, die Tennisplätze zu verlegen und dafür die Pyrbaumer Straße zu sperren, als "Schnapsidee". Walter Allgeier (ABF) erinnerte daran, dass die Pläne für den großen Sportplatz zwar schon Jahrzehnte alt seien; "es bislang aber noch nicht einmal eine Murmelbahn gibt, weil die Vereine nicht umziehen wollten". Und Holger Gmelch (CSU) erinnerte daran, dass man eigentlich angetreten sei, ein Freibad zu sanieren. Nun aber gehe es auch noch um drei Sportplätze und einen Tennisplatz. "Was ist da noch von unserem Spar-Gedanken übrig?"

Am Ende waren es vor allem die Freien Wähler und das Allersberger Bürgerforum, aber auch einige CSU-Markträte, die das Projekt unterstützten. Mit elf zu acht Stimmen beschloss der Marktgemeinderat, sich um die Fördermittel für einen neuen Sportpark zu bewerben. Die SPD war geschlossen dagegen.

Im Oktober wird entschieden, wer am Ende im Förderprogramm drin ist. 

BEATE WINDISCH

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