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Freitag, 21.09.2018

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Freiwillig auf Streife: Hilfe für die Polizei im Hintergrund

Mit der Rother Sicherheitswacht unterwegs — "Müssen nicht die Helden spielen" — Große Anerkennung — "Werden nicht angepöbelt" - 30.08.2018 14:56 Uhr

Daniel Banse (l.) und Peter Birngruber gehen als Sicherheitswachtler in Roth auf Streife. Die Ehrenamtler haben keine Polizeigewalt, arbeiten aber mit der Polizei-Dienststelle eng zusammen. © Foto: Marco Frömter


Für die Polizeiinspektion Roth sind die Unterstützungskräfte eine große Hilfe. "Die Sicherheitswacht sind Augen und Ohren für uns, und das ist in allen Ecken wichtig. Die Sicherheitswacht ist eine gute Ergänzung", sagt Simone Wiesenberg, stellvertretende Dienststellenleiterin der Polizei in Roth.

Die Aufgaben der Rother Sicherheitswacht sind sehr vielfältig. Die Roth-Hilpoltsteiner Volkszeitung hat zwei leidenschaftliche "Sicherheitswachtler" bei einer ihrer Schichten begleitet und bekam so einen tieferen Einblick hinter die Kulissen geboten.

Während sich viele Rother auf den Feierabend vorbereiten oder bei der brütenden Hitze im Freibad die eine oder andere Bahn schwimmen, beginnt für Daniel Banse (24) und Peter Birngruber (50) eine von vielen Schichten, die ehrenamtlich abgeleistet werden.

Am frühen Freitagabend treffen beide "auf der Wache" an der Hilpoltsteiner Straße ein. Im Dienstgebäude merkt man schnell, dass sich das Duo auskennt. Nach kurzen Begrüßungen mit den Kollegen in Uniform — jeder kennt jeden — geht es los: Als erstes werden die Funkgeräte auf Funktionalität überprüft und ob die richtige Frequenz eingestellt ist: "Wir stehen immer mit der Polizei in Kontakt", erklärt Banse.

An Ausrüstung haben die beiden sonst nicht viel dabei: "Ein Tierabwehrspray und in der Nacht eine Taschenlampe — das ist alles, was wir brauchen." In naher Zukunft soll die Sicherheitswacht noch mit einem medizinischen Paket ausgestattet werden, um auch bei Notfällen unterstützen zu können.

Besonders wichtig war allerdings, dass sämtliche Mitglieder der Sicherheitswacht ordentliche Kleidung erhalten haben. Jacken, Armbinden und andere Bekleidungsstücke wurden unlängst ausgegeben. Ein sauberes und einheitliches Erscheinungsbild ist mitunter sehr wichtig, wenn auf Streife gegangen wird.

Nach einer kurzen "Einsatzbesprechung" beginnt der Streifengang. Einsatzort: Das Rother Stadtgebiet. Banse und Birngruber sind an keine festen Wege gebunden. Dies mache auch keinen Sinn, immer denselben Weg zu gehen. Es bestünde die Gefahr, dass Kriminelle schnell wüssten, "wann und wo die Luft rein ist".

Eine Schicht dauert in der Regel bis zu drei Stunden — nach eigenem Ermessen. Für die heutige Route haben sich die beiden die Innenstadt und den Rother Bahnhof vorgenommen: "Wir schauen mal, was auf dem Marktplatz los ist und laufen dann zu den Fahrradabstellplätzen am Bahnhof. Auf dem Rückweg sollten wir noch bei der Stieber-Brücke nach dem Rechten sehen", erklärt Peter Birngruber aus Georgensgmünd.

Auf ihrem Weg durch die Stadt merkt man schnell, dass beide wissen "wo es lang geht". Prüfende Blicke an "Problemstellen", erhöhtes Präsenzzeigen an so manchem Platz oder einfach nur "parat sein" gehört zur Routine. "Ich bin in Roth groß geworden, man kennt die Leute. Ich mache mir deshalb keine Sorgen um meine Sicherheit im Dienst, denn in Roth läuft es relativ harmonisch ab", sagt Banse.

Sollte es allerdings doch einmal zu einer gefährlichen Situation kommen, ist Rückzug die bessere Lösung: "Keiner muss bei uns den Helden spielen. Der Eigenschutz steht bei jedem Einsatz im Vordergrund", sagt Simone Wiesenberg. Jedes Mitglied der Sicherheitswacht habe eine gute Ausbildung durchlaufen, und jeder weiß, was man dürfe und vor allem, wie weit man gehen sollte.

"Die Sicherheitswacht ist eine Hilfe für die Polizei im Hintergrund." Wird es bei einem Einsatz "einmal eng", dann muss über Funk die Dienststelle angerufen werden; die Polizei übernimmt dann. "Bei Besonderheiten herrscht dann schon einmal reger Austausch."

Ruhestörung oder Alkohol

Für Daniel Banse sehen viele Ereignisse im Aufgabenbereich meist schlimmer aus, als sie tatsächlich sind. Meist ginge es um Ruhestörung oder Alkoholkonsum auf Spielplätzen: "Das beängstigt die Leute, wenn dort Bier getrunken wird." Dies sei ein Problem in allen Städten — vor allem in den Sommermonaten.

"Wir stellen fest, ob Personen alkoholisiert sind und sprechen dann mit ihnen. Das hilft in der Tat, und die meisten zeigen sich schnell verständnisvoll.

Wir bieten Alternativen und bitten solche Menschen, ihr Bier woanders zu trinken." Wichtig sei dabei nur, dass man bei solchen Vorfällen "permanent dahinter bleibt".

Was allerdings überhaupt nicht toleriert werde, sei Alkoholkonsum von Jugendlichen: "Das unterstützen wir auf gar keinen Fall, wenn sich in der Öffentlichkeit betrunken wird." Dann werde auch entsprechend eingegriffen.

Nicht immer ist die Sicherheitswacht zu Fuß unterwegs. Hin und wieder wird auch in den Stadtbus zugestiegen. "Wir fahren regelmäßig mit." Nicht nur, um schnell an eine andere Örtlichkeit zu gelangen, sondern auch, um den Fahrgästen eine gewisse Sicherheit zu vermitteln.

Mit dem Einsatz auf der Straße ist es nicht getan. Auch für die Sicherheitswacht steht "Papierkram" auf dem Dienstplan. "Bei bestimmten Vorfällen muss in der Dienststelle ein Einsatzbericht vorgelegt werden", erklärt Wiesenberg. Dies sei zwar die Ausnahme, käme aber schon einmal vor. Beispielsweise, als die Identität eines Graffiti-Sprayers festgestellt werden musste. Die Sicherheitswacht fungierte dabei als Zeuge und der Täter konnte dadurch schnell überführt werden: "Das sind schöne Erfolge, wenn alles zusammenspielt."

Von einem Punkt distanziert sich Daniel Banse aber sehr stark: "Wir sind keine Parkplatzüberwachung." Es gehöre beinahe schon zum Tagesgeschäft, dass Falschparker versuchen würden, mit der Sicherheitswacht über Strafzettel zu feilschen. Auch "Raser" kämen auf Banse zu, um herauszufinden, ob sie in der Münchener Straße zu schnell gewesen wären und mit einem Knöllchen rechnen müssten. Hierüber könne er aber nur schmunzeln: "Das sind schon Highlights."

Schlechte Erfahrungen mit den Rothern haben weder Banse noch Birngruber gemacht: "Wir werden nicht angepöbelt." Beide berichten eher vom Gegenteil. Es gebe insbesondere von Senioren große Anerkennung: "Wir werden auf der Straße angesprochen und erhalten Dank, wenn wir am Stadtpark oder entlang der Gredl-Eisenbahnlinie Streife laufen."

Ein "Schlüsselerlebnis" passierte für Banse erst kürzlich: "Einer älteren Dame wurde eine Grabkerze auf dem Friedhof gestohlen. Als wir zufällig dort ankamen, meinte sie nur, dass unsere Tätigkeit sehr wichtig sei." Dies habe seinen Entschluss nur gestärkt, weiter in der Sicherheitswacht bleiben zu wollen. "Ich finde es wichtig, dass jeder etwas dazu beiträgt, ein wenig für die Allgemeinheit zu tun", sagt Banse. Auch für seinen Kollegen Peter Birngruber stand von Anfang an fest: "Ich will unbedingt etwas Ehrenamtliches machen."

Derzeit umfasst die Stärke der Rother Sicherheitswacht elf Frauen und Männer. Bayernweit soll die Ist-Stärke deutlich erhöht werden und viele weitere Städte mit den Unterstützungskräften ausgestattet werden. "Wir wollen nicht mehr auf die Sicherheitswacht verzichten müssen", erklärt Simone Wiesenberg.

Sie sehe die Wacht als den "verlängerten Arm der Polizei in Bayern". Oftmals werde die Sicherheitswacht dorthin geschickt, wo die Polizei nicht unbedingt die Möglichkeit hat, vor Ort zu sein. Auch hätten die "Kollegen" die Zeit, mit den Bürgern auf der Straße zu sprechen und Auskünfte zu erteilen. Nöte und Probleme könnten somit erkannt werden und es bestehe die Möglichkeit in Situationen schnell entgegenzuwirken.

"Bei Hinweisen schicken wir oft die Sicherheitswacht, um nach dem Rechten zu sehen, um frühzeitig reagieren zu können." Auch bei Großveranstaltungen, wie beim Challenge-Triathlon, sei die Sicherheitswacht im Dienst.

In Mittelfranken verfügen derzeit acht Städte über eine Sicherheitswacht. Drei weitere Gemeinden sollen in Kürze ebenfalls in den Genuss kommen dürfen. Insgesamt soll nicht nur mittelfrankenweit personell stark aufgebaut werden. "Wir sind mit der Sicherheitswacht noch lange an keiner Endstation angekommen. Es handelt sich keinesfalls um eine Eintagsfliege", erklärt der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Mittelfranken, Michael Konrad.  

MARCO FRÖMTER

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