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Ngoc Phong Tran denkt nicht gern an den Herbst des Vorjahres zurück. Als das Kündigungsschreiben für das Mietobjekt zum 31. März 2012 kam, waren er und seine Frau geschockt. In der Valentin-Passage in Roth betreiben sie seit Jahren mit großem Elan und Fleiß einen kleinen Asia-Imbiss und haben zirka 50000 Euro in Betrieb und Ausstattung gesteckt. Geld, das verloren wäre, müsste das Ehepaar tatsächlich schließen. Immerhin ist der Imbiss, den sie zu zweit führen, ihre Existenz. Bislang konnten sie, und somit auch ihre drei Kinder, von den Einnahmen gut leben. Und es gibt jede Menge Stammkunden. Aber auf die Schnelle ein neues Objekt finden und noch einmal viel Geld in die Hand nehmen?
Seit Edeka angekündigt hat, dass der Marktkauf Roth zum 31. März 2012 schließt, sind die Kundenströme sichtlich geringer geworden. Und je näher die Schließung rückt, umso unattraktiver wird der Einkauf auch in der Passage. Dabei wollen die Trans ebenso wie die Betreiber weiterer Einzelhandelsgeschäfte in der Passage bleiben und hoffen auf einen Anschlussmietvertrag, der jedoch noch nicht vorliegt. „Wenn Marktkauf schließt, haben wir keine soziale Absicherung“, sagt ein Ladeninhaber.
Bereits seit Längerem geschlossen hat in der Passage die Filiale Roth des Mobilfunkbetreibers Vodafone. Der Friseur im Eingangsbereich der Passage will ebenfalls dicht machen. Und wenn nicht bald konkrete Fakten auf dem Tisch liegen und ein Ersatzmieter für Marktkauf gefunden ist, dann will auch die Filiale der Wiener Feinbäckerei weg. „Lotto im Marktkauf“ heißt zudem ab März 2012 „Lotto am Marktplatz“, denn Inhaberin Nicol Wiedner übernimmt dann die ehemaligen Ladenräume von Spielwaren Ensser und erweitert ihr Sortiment.
Recherchen der Roth-Hilpoltsteiner Volkszeitung haben ergeben, dass der Eigentümer, die Invista European RE Roth PropCo.Sàrl in Luxemburg, „mit verschiedenen potenziellen Mietern im Gespräch“ ist, „die ihr Interesse bekundet haben und zur Anmietung grundsätzlich in Frage kommen“. Diese Gespräche würden in den nächsten Wochen intensiv fortgeführt.
Unumwunden gibt Geschäftsführer Berthold Becker vom Asset-Management Internos im Namen des Eigentümers auch zu, dass die Entwicklungen in den vergangenen Jahren im mittel- und unmittelbaren Umfeld für die nachhaltige Entwicklung der Valentin-Passage nicht von Vorteil gewesen seien. Sprich: Unter anderem hat die Ansiedlung von immer neuen Märkten die Umsatzpotenziale des Vollsortimenters Marktkauf drastisch geschmälert. Die Folge: Auch die sonstigen Mieter in der Passage und in den Nachbarobjekten der Innenstadt sind von dieser Entwicklung betroffen.
„Es muss sehr fundiert und umfänglich darüber nachgedacht werden, wie das betreffende Objekt, und nicht zuletzt auch das Umfeld, wieder aufgewertet und für Mieter und potenzielle Kunden interessant gestaltet werden kann“, sagt Becker. Für ihn ist es nicht getan, einfach einen Ersatzmieter für Marktkauf zu finden. „Damit wäre weder dem Eigentümer der Valentin-Passage, noch den betreffenden Mietern und ebenso wenig der Stadt Roth geholfen.“
Klar ist, dass die Entwicklung eines „nachhaltig tragfähigen Konzeptes und auch dessen Umsetzung etwas Zeit in Anspruch nehmen wird“. Dies müsse, so Becker, um nachhaltig auf die Erfolgsspur zu kommen, gemeinschaftlich geschehen. Eigentümer, Fachleute, potenzielle Mietinteressenten, die derzeitigen Mieter und nicht zuletzt die Stadt Roth seien hierbei gefordert.
Da das Modehaus Wöhrl ein Wegerecht hinsichtlich des Zugangs vom Marktplatz und vom Parkdeck her besitzt, wird der Durchgang auf alle Fälle frei bleiben.
Aber ein Durchgang ohne Geschäfte? Seitens des Eigentümers wird versprochen, „alles Mögliche zu unternehmen, bestehende und zum Gesamtkonzept passende Mieter im Objekt zu behalten“. RHV-Recherchen zufolge will auch das Gros der derzeitigen Mieter in der Valentin-Passage bleiben, weil man „grundsätzlich an das Objekt und den Standort“ glaube.
Ein Argument, das den Eigentümer freut. „Wir sind bemüht, für die derzeitigen Untermieter von Marktkauf schnellstmöglich Planungssicherheit zu schaffen“, heißt es. Ein Zeitrahmen wird aber nicht genannt. Becker hält es kurz- und mittelfristig auch für denkbar, dass es im Bemühen, Mieter im Objekt zu behalten, auch zu Mietreduzierungen kommen könnte.
Viel Gesprächsbedarf also. Den hat derzeit auch die Belegschaft von Marktkauf Roth mit Edeka. Denn bislang ist noch keine Einigung hinsichtlich eines Sozialplans erfolgt. Deshalb wird nun in der kommenden Woche eine Einigungsstelle hinzugezogen. DETLEF GSÄNGER

Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.