Dienstag, 18.12.2018

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Gelebte Hoffnung: Das Blaue Kreuz feiert 90. Geburtstag

Selbsthilfegruppe begleitet Suchtkranke auf dem Weg zurück ins Leben - 05.10.2018 14:29 Uhr

Wirklich keine Ladehemmung bräuchten Suchtkranke zu haben, wenn sie beim Blauen Kreuz Hilfe suchen, versichern Ernst Endner und Robert Göß. © Foto: Regner


Die meisten Menschen, die den Weg zu den wöchentlichen Rother Gruppensitzungen in der Allersberger Straße 11 antreten, kommen wegen Problemen mit Alkohol, erklärt Ernst Endner, der sich seit Jahrzehnten ehrenamtlich für das Blaue Kreuz engagiert und seit zwei Jahren den zweiten Vorsitz des Trägervereins führt. In letzter Zeit, so Endner, trete die Alkoholsucht aber immer häufiger in Kombination mit Medikamentenabhängigkeit auf.

Menschen, die darüber nachdenken, ob sie den Weg zu den Gruppensitzungen antreten, will der 1. Vorsitzende Robert Göß Mut machen: "Der erste Schritt über die Schwelle ist der schwerste. Jeder stellt sich hundert Fragen: Werde ich von den anderen bewertet? Werde ich in eine Ecke gestellt? Und sind die anderen nicht schon viel weiter als ich?"

Diese Sorgen wollen Göß, Endner und ihre ehrenamtlichen Helfer den potenziellen Interessenten nehmen: "Hier gibt es keine Ratschläge, sondern gelebte Hoffnung." Viele Betroffene hätten schon den Weg zurück ins Leben geschafft und könnten neu dazu Gekommene dazu inspirieren, es ihnen gleichzutun: "Wenn etwa einer in der Gruppe davon erzählt, dass er wieder einen Job, eine Wohnung und eine Freundin gefunden hat, seit er nicht mehr trinkt, dann kann das der Impuls für einen anderen sein, selber mit dem Saufen aufzuhören."

Dafür, dass das gelingt, sorgen unter anderem die Gruppenregeln, die von allen Teilnehmern der Gesprächsrunden eingehalten werden müssen: "Jeder redet von sich in der Ich-Form. Es gibt bei uns kein ,man‘. Und was in der Gruppe gesagt wird, bleibt in der Gruppe", erklärt Endner. So entsteht eine Vertrauensbasis, damit die Leute sich öffnen können.

In den kleinen Gruppen, in denen sechs bis acht Betroffene mit einem Vertreter des Vereins zusammensitzen, der eine zweijährige Ausbildung zum ehrenamtlichen Suchtkrankenhelfer absolviert hat, kann jeder erzählen, was ihn gerade beschäftigt oder wie es ihm geht.

Zusätzlich zu der vom Blauen Kreuz organisierten Hilfe zur Selbsthilfe raten Göß und Endner dazu, dass sich Suchtkranke professionelle Hilfe holen sollten, etwa bei einer psychosozialen Beratungsstelle oder einer ambulanten beziehungsweise stationären Therapie.

Im Moment betreut das Blaue Kreuz rund 25 Menschen, die regelmäßig zu den Sitzungen kommen. Eine Statistik darüber, wie vielen Männern und Frauen in den vergangenen 90 Jahren geholfen werden konnte, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen, gibt es dagegen nicht: "Jede Zahl wäre geraten", sagt Endner.

Das Blaue Kreuz geht zurück auf die Initiative des schweizerischen Pfarrers Louis-Lucien Rochat im Jahre 1877. Der Rother Verein wurde anno 1928 gegründet.

Und was steht zur Feier des Jubiläums auf dem Programm? "Keine Grußworte", das schließt Göß aus: "Wir haben uns gesagt, wir machen entweder was Peppiges oder gar nix." Ergo geht die Jubiläumsfeier unter dem Motto "Hereinspaziert — Zirkus Blau" über die Bühne. Der Festnachmittag wird "in Zirkusform gestaltet — mehr wird aber noch nicht verraten."

Nur so viel: Landrat Herbert Eckstein sowie Roths Bürgermeister Ralph Edelhäußer sind eingeladen, und "die werden nicht so einfach mit einem Grußwort davonkommen".

Die Jubiläumsfeier des Blauen Kreuzes findet statt am Samstag,13. Oktober, um 13 Uhr, im evangelischen Gemeindehaus, Mühlgasse 6, in Roth.  

MARTIN REGNER

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