Mittwoch, 12.12.2018

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Geschichte wiederholt sich

Bereits vor 40 Jahren gab es bei SPD-Nominierung Zoff - 01.10.2010 23:04 Uhr

Autor Ernst Rossmeissl erinnert sich: „1970 kam es ganz dick für die Rother SPD“.


Als SPD-Bürgermeister Heinrich Pürner ankündigte, im März 1970 nicht mehr anzutreten, war in Roth die Spannung groß, wer wohl seinen Anspruch auf das Amt anmelden würde.

Ernst Rossmeissl, ein verdienter SPD-Bezirks- und Stadtrat zu Roth, hat in seinem Buch „Roth im Wandel der Zeit 1945-2002“ die Geschehnisse von damals nachvollzogen und so ein geschichtliches Zeitdokument erstellt, das mit politischer Brisanz nur so gespickt ist.

Der SPD-Kreisvorstand gab da-mals sehr früh eine Wahlempfehlung für Fritz Knoll ab, was ungewöhnlich war, denn ein Kreisvorstand — so ein ungeschriebenes Gesetz — sollte sich in keiner Weise in die Politik eines Ortsvereins einmischen. Ambitionen auf das Bürgermeisteramt hatte bei der SPD neben Fritz Knoll auch der damalige 2.Bürgermeister Horst Leuthel, der in der Verwaltung des Landratsamtes Schwabach tätig war.

Die Nominierungsversammlung fand am 15. November 1969 statt, was ungewöhnlich spät war, denn die Bürger sollten schon im März 1970 zu den Wahlurnen schreiten. „Was vor und nach besagter Nominierungsversammlung ablief, lässt mich als Zeitzeuge mit Schaudern zurückblicken“, erinnert sich Rossmeissl in seinem Buch.

Unmittelbar vor der Nominierungsversammlung war zunächst eine Ausschusssitzung anberaumt worden. Hierbei tat Knoll seine Meinung kund, dass derjenige Kandidat werden sollte, der über die Partei hinaus Stimmen gewinnen kann. Und dieser müsse politisch und nicht verwaltungsmäßig ausgerichtet sein. Rossmeissl selbst war es dann, der als „braver Parteisoldat“ („der ich damals noch war“) den „Wirtschaftsfachmann“ Knoll als Bürgermeisterkandidat vorschlug. „Meine Be-wertung hatte ich auf die jahrelange politische Zusammenarbeit mit Knoll gestützt. Einen fachlichen Vergleich der beiden Kandidaten hatte ich nicht vorgenommen“, so der Buchautor.

Kurz darauf wurde die Sitzung turbulent. Kritisiert wurde zum einen das Eingreifen des Kreisvorstandes. Andere meinten, dass die Aussage Knolls, der Kandidat solle politisch sein, im Wahlkampf schaden könnte. Dann kam Horst Leuthel ins Spiel. Der zweite SPD-Kandidat versuchte eine gemeinsame Lösung zu finden und wollte Knoll ein Landtagsmandat schmackhaft machen, denn bei den ebenfalls 1970 anstehenden Landtagswahlen bestünde für den Ortsverein eine gute Chance, einen Bewerber zu stellen. Knoll lehnte ab. Ebenso das Angebot, für den Bezirkstag anzutreten. Knoll wollte „unbedingt Bürgermeister von Roth werden“. Das wollte Leuthel auch und beschwerte sich plötzlich darüber, von der Stadtratsfraktion nicht genügend Unterstützung erfahren zu haben.

Dann stimmte der Ausschuss ab. Knoll wurde mit 18 Stimmen zum Bürgermeisterkandidaten der SPD für die nachfolgende Mitgliederversammlung vorgeschlagen. Nur vier Genossen stimmten für Leuthel und fünf enthielten sich der Stimme. Auch die SPD-Mitglieder gaben am Ende ein deutliches Votum für Knoll ab.

„Wer aber dachte, damit wäre die Kandidatenkür zweier SPD-Mitglieder einvernehmlich aus der Welt geschafft, irrte gewaltig“, fährt Rossmeissl in seinen Erinnerungen fort. Am 11. Januar 1970 gründete sich eine Freie Wählergemeinschaft mit dem Ziel, sich an den Bürgermeisterwahlen zu beteiligen. Und als Kandidat wurde Horst Leuthel vorgeschlagen. Seine Befähigung: „Menschliche Erfahrung und umfangreiche Kenntnisse im Verwaltungswesen“. Zudem konnte er damit aufwarten, dass er „ein Jahr lang das Stadtoberhaupt als 2.Bürgermeister zu dessen Zufriedenheit“ vertreten habe. Bei der anschließenden internen Wahl entfielen von den 78 abgegebenen Stimmzetteln 75 für Leuthel. Anschließend gab es bekannt. dass er „ab sofort nicht mehr Mitglied der SPD “ sei.

CSU und FDP schickten einen gemeinsamen Kandidaten ins Rennen, einen, den kaum jemand auf der Rechnung stehen hatte: den parteilosen Richter Friedrich Wambsgans. Die Spitzen der CSU und der FDP argumentierten damals, dass es sich bei Wambsganz einerseits um einen Verwaltungsfachmann handle, andererseits um einen, der als Jurist die Gewähr biete, parteipolitisch unabhängige Entscheidungen zu treffen.

Auch die Wähler vertrauten Wambsgans, der am Wahlabend 44,4 Prozent aller Stimmen für sich verbuchte. Knoll kam auf 35,7 Prozent und Hans Leuthel schnitt mit 19,9 Prozent achtbar ab. Eine Stichwahl zwischen Wambsgans und Knoll musste die Entscheidung bringen.

„Der folgende Wahlkampf bis zum zweiten Urnengang stellte alles bisher Dagewesene in den Schatten. Es gab nur mehr ein Hauen und Stechen. Der Wahlkampf wurde zur Wahlschlacht. Besser gesagt zur Schlammschlacht“, weiß Rossmeissl zu berichten. Die Tageszeitung sei fast täglich voll mit Behauptungen und Gegendarstellungen der Kandidaten gewesen“, berichtet Rossmeissl. Am Ende gab es eine schwere Niederlage für die SPD. Wambsganz landete bei 61,78 Prozent aller Wählerstimmen, Knoll bei 38,22 Prozent.

Knoll trat daraufhin als Ortsvorsitzender zurück. Mit seinem Nachfolger Ernst Rossmeissl setzte damals auch ein Generationenwechsel ein.DETLEF GSÄNGER 

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