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Gleich und doch anders

Stimmungsbild vom Rededuell der Kandidaten Edelhäußer und Buckreus für Roth - 04.02.2017 06:00 Uhr

Andreas Buckreus (l.) und Ralph Edelhäußer (2.v.r.) stellen sich den Fragen von Carola Scherbel und Detlef Gsänger. © F.: giu


Die Roth-Hilpoltsteiner Volkszeitung/Hilpoltsteiner Zeitung hatte geladen – und die Rother kamen. Politisch knackige Aussagen, Überraschungen, innovative Ideen: Fehlanzeige. Ein Rededuell ohne griffige Inhalte. Dennoch könnte es die Wahl mitentscheiden. Weil es ein Gefühl vermittelte für die beiden Männer, die in den nächsten sechs Jahren im Chefzimmer des Rathauses sitzen wollen.

An dem Donnerstag, an dem es noch gut zwei Wochen bis zur Wahl sind, ist die Kulturfabrik bis auf den letzten Platz besetzt. Knapp zwei Stunden lang fühlen Redaktionsleiter Detlef Gsänger und die Rother Stadtpolitik-Redakteurin Carola Scherbel Edelhäußer und Buckreus auf den Zahn.

Edelhäußer, vor sechs Jahren erstmals gewählt, gibt den zupackenden, dynamischen Amtschef, der Prozesse am Laufen hält – immer mittendrin, voll dabei und im „Dauer-Gesprächsmodus“ mit „seinen“ Rothern „wie das die letzten 20 Jahre wohl nicht der Fall war“; der noch so viel vor hat, dass eine weitere Amtsperiode dafür nicht reichen würde; vielleicht ein Grund, warum der eloquente und oft schlagfertige Edelhäußer an dem Abend beim ohnehin hohen Redetempo noch eine Schippe drauf packt.

Buckreus will sich gar nicht erst der Gefahr ausliefern, auf den „politisch Unerfahrenen“ reduziert zu werden. Auch wenn er erst seit drei Jahren im Stadtrat sitzt. Er wählt die Offensiv-Strategie; nicht polternd – eine Tonart, die an dem Abend von beiden Seiten auf wohltuende Weise nicht angeschlagen wird. Buckreus stichelt; will aufzeigen, was seiner Ansicht nach zu wenig, zu langsam, zu lax vorangetrieben wurde; moniert die „wenig transparente Bürgermeister-Politik“ und spricht von Konzepten, die Edelhäußer gerne „wie das Kaninchen aus dem Zylinder“ zaubere.

Der Amtierende kann meist nachvollziehbar kontern; warum es wenig Sinn gibt, das Kasernengelände komplett als Gewerbestandort zu planen; wenn sämtliche Rechte beim Bund, lägen. Oder warum seine Hallenbad-Vorschläge aus den Wahlkämpfen 2005 („damals wurde ich ja nicht gewählt“) und 2011 („da machte das Wasserwirtschaftsamt einen Strich durch die Rechnung“) verpufften.

Einmal allerdings gelingt es Edelhäußer, alle zu überraschen: Als er bei der von den Moderatoren eingeforderten Kurz-Vorstellung zum Einstieg in die Diskussion flugs und unabgesprochen die Leinwand vom Kufa-Techniker herabfahren lässt: So an den Bühnenrand gedrängt, können Moderatoren und Mit-Diskutant so gut wie keinen Blick auf die folgende PowerPoint-Präsentation werfen; auch für die Zuhörer im Saal, die dem Folien- und Gesprächs-Stakkato von Edelhäußer kaum folgen können. Es ist nicht weniger als die komplette politische Agenda des CSU-Mannes für Roth. Edelhäußer jagt verbal und optisch durch (s)ein 56-seitiges Zukunftskonzept, um dann auf den Internetauftritt der Stadt zu verweisen, wo man es im Detail nach der Podiumsdiskussion nachlesen könne. „Warum nicht – das hat aufgerüttelt“, meinen seine Anhänger. „Das war gegen die Spielregeln des Abends“, sagen andere.

Für Buckreus ist es eine Steilvorlage. Der Beweis für den „Konzept-Zauberer“ Edelhäußer im Wahlkampf. „Warum gibt es das Konzept erst jetzt? Wir hätten darüber auch schon früher im Stadtrat diskutieren können“, stellt Buckreus fest. Doch der verbale, optische und inhaltliche Schnellschuss bleibt der einzige Querschläger. Beide Seiten respektieren sich; fallen sich nur dezent ins Wort, um zu widersprechen oder nachzuhaken. Handschlag und freundlicher Abschiedsgruß am Ende wirken ehrlich.

Zunächst scheinen die Rother für den Wahlsonntag keine allzu unterschiedlichen Protagonisten vor sich zu haben. Beide sind jung, gehen offen auf Menschen zu, sind mit Leib und Seele „Rother“. Beide wollen Jobs, Wohnungen, wenig Verschuldung, gute Infrastruktur, florierende Innenstadt, positive Entwicklung. Was sonst sollte (gute) Kommunalpolitik wollen? Doch die Runde lässt auch den Raum, um einen Eindruck zu vermitteln, was die Männer antreibt. Das ist das Interessante – das, was eine (Persönlichkeits-)Wahl entscheiden hilft. 

CLAUDIA WEINIG

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