„Warum es auf diesem weißen Fleck auf der Trachten-Landkarte einen solchen Trachtenboom gibt“, weiß auch Evelyn Gillmeister-Geisenhof nicht. Die Leiterin der Trachtenforschungs- und -beratungsstelle des Bezirks Mittelfranken hat die Kollektion „Pro Tracht“ entwickelt, in der es seit 2009 mittelfränkische Trachten aus regionaler Herstellung und nach historischen Vorbildern gibt. Ihre Entwürfe, die bei der Regens-Wagner-Stiftung und der Lebenshilfe Form annehmen, sind aber „nicht anachronistisch, sondern tragbar, bezahlbar und zeitgemäß“.
Für Gillmeister-Geisenhof ist die Tracht „ein Bekenntnis zur Heimat und Ankerpunkt in einer globalisierten Welt“. Dieses Gemeinschaftsgefühl erlebe in Mittelfranken gerade eine Rennaissance durch alle Generationen. Dennoch beschränkte sich das Angebot bisher auf Frauentrachten. „Dem männlichen Franken blieb nur die Krawatte, wenn er regional Flagge zeigen wollte“, so der Eindruck von Bezirkstagspräsident Bartsch.
In Greding präsentiert Gillmeister-Geisenhof nun die ersten Pro-Tracht-Kombinationen für mittelfränkische Herren. Als Amateur-Mannequins fungieren dabei Mitglieder des Bezirkstags mit ihrem Präsidenten an der Spitze. Schließlich weiß Bartsch aus erster Hand, dass es „vertrauensbildend wirkt, wenn Politiker Tracht tragen“. Statt konservativ, sozial oder liberal sind deren Modelle dann freilich unpolitisch und heißen „Gustav“, „Leonhard“ oder „Wunibald“.
Als Schwerpunkt wartet der Gredinger Trachtenmarkt heuer mit besonderen Stoffmustern auf. Neben den farbigen Ballen und fertigen Trachten füllen aber auch Garne, Knöpfe und Borten, Schnitte, Accessoires und Antiquitäten die Auslagen der 126 Stände. 108 Handwerker, Hersteller und Händler aus ganz Deutschland zeigen so die Vielfalt dieser „nachhaltigen Kleidungsweise der Vergangenheit“.
Fester Bestandteil des Markts sind seit jeher die Gastgruppen. Die diesjährige kommt aus dem brandenburgischen Fläming und präsentiert an beiden Tagen ab 15 Uhr vor dem Rathaus ihre „Dennewitzer Tracht“ samt Tänzen und Liedern. Davor und danach lernen die Besucher unterfränkische Kirchweihbräuche wie den „Hammeltanz“ oder den „Gänsdreckli“ kennen. „Tracht des Jahres“ ist diesmal die Österten-Tracht aus dem niedersächsischen Schaumburg.
Viel Fingerspitzengefühl erfordern das Goldhauben-Sticken, das Spitzen-Klöppeln und das Plissee-Legen im Rathausfoyer. An der Weißstickerei, dem Herstellen von Kränzen und Occhi-Spitzen oder dem Preisrätsel können sich die Gäste dagegen selbst versuchen. Auch die beliebte „Strickgabel“ gibt es wieder, und die Bortenwebstühle des Rother Fabrikmuseums erwachen zum Leben. Wissenswertes rund ums Brauchtum vermitteln die Trachtenverbände und -beratungsstellen, der Landesverein für Heimatpflege sowie die Forschungsstelle und die Arbeitsgemeinschaft für fränkische Volksmusik an ihren Ständen.
Musik liegt überdies beim traditionellen „Rumlumpen“ am Samstagabend in der Luft. Ab 19 Uhr ziehen dabei die „Tanngrindler Musikanten“ aus Hemau, das „BioTrio“ aus Straubing, die „Sameds“ aus Richelbach und die Dudelsack-Kapelle aus dem tschechischen Ledce durch die Wirtshäuser. „Moritaten, Balladen und gesungene Geschichten“ hat Ernst Schusser vom Volksmusikarchiv Oberbayern im Gepäck. Das Motto „Groß geblumt und klein kariert“ findet sich schließlich auch in der Vortragsreihe im Sparkassensaal wieder.
Internet: www.heimat-bayern.de; Landesverein für Heimatpflege: Telefon (089)2866290; Touristinfo Greding: (08643) 90420.

Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.