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Mittwoch, 21.11.2018

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Hilfe für die Schnittlinger Eiche

Baum prägt seit fast 500 Jahren das Landschaftsbild - 03.04.2018 17:01 Uhr

Revierförster Karl Engelhardt, LPV-Experte Till Scholl und Praktikantin Sarah Robinson sowie Bürgermeister Udo Weingart und Rechtler Martin Straußberger (von links) sind begeistert von der Schnittlinger Eiche mit ihren über 100 Metern Kronenumfang. © Foto: Jürgen Leykamm


Denn der Baumriese, der es mit seinen 31 Metern Höhe auch mit so manchen Mai- oder Kirchweihbaum aufnehmen kann, ist Teil des vor knapp zwei Jahren ins Leben gerufenen Programms "Alte Eichen im Landkreis Roth". Inspiriert durch die bayerische Biodiversitätsstrategie und finanziert von der Regierung von Mittelfranken, ist es der dortige Landschaftspflegeverband (LPV), der sich um die Umsetzung verdient macht. Sehr zur Freude auch von Spalts Bürgermeister Udo Weingart: "Es ist toll, das dieses Prachtexemplar so ins rechte Licht gerückt wird." Über großen Zuspruch habe sich der Verband bei der Bestandsaufnahme für das Programm erfreuen können, zeigte sich beim Ortstermin Mitstreiter Till Scholl zufrieden.

Zu den vielen Meldungen seitens der Kommunen zählte auch die Schnittlinger Eiche – und dass die in das Eichenprogramm gehört, ist bei einem Alter von 450 Jahren nicht nur für die beiden Weingart und Scholl klar, sondern auch für den seitens des Rother Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten zuständigen Revierförster Karl Engelhardt, der auf die Kämpfe aufmerksam macht, welche besagtes Prachtexemplar von Baum durchzustehen hat.

Lange Zeit stand die Eiche alleine und sorgte mit ausladenden Ästen dafür, dass keine anderen Gehölze um sie herum nach oben wachsen konnten. Doch der Konkurrenzdruck in den vergangenen Jahrzehnten ist größer geworden. Nun bedarf es Freistellungsmaßnahmen, um die Eiche "als Einzelschöpfung zur Geltung zu bringen", so Engelhardt.

Zu viele Fußtritte

Entbuschungen sind immer wieder nötig, auch um dem Naturdenkmal mit seinen 6,10 Metern Stammumfang die nötige Wasserversorgung zu gewährleisten. Hier darf auf die Vertreter des Rechtlerwalds, in dem der Baum steht, gezählt werden. Wie etwa Martin Straußberger, der sich mit seinen Mitstreitern darum kümmert, dass es der Eiche gut geht. Zwischen Weihnachten und dem Heilig-Drei-Königstag gehen sie regelmäßig zu Werke, was sich auch für die Aussicht gut auswirkt.

Doch die Kombination aus Prachtbaum, Spielplatz und tollem Panorama lockt natürlich viele Besucher an, was freilich auch so sein soll. Die vielen Fußtritte aber lassen den Boden um die Eiche immer dichter und fester werden. Ein Zaun, der sich um ihn zieht, "bräuchte dringend eine Erneuerung", regt Straußberger die Verwendung von Fördermitteln an.

Scholl nickt, es gehe ja auch darum, den Bestand dauerhaft zu erhalten. Das ist schwer genug, denn Eichen an sich sind nicht geschützt und auch nicht im Fokus der Öffentlichkeit. Im Gegenteil: Unangenehme Eigenschaften wie etwa die Funktion als Wirt des Eichenprozessionsspinners werfen manchmal ein schlechtes Lied auf den Baum.

Der LPV will jener Baumart über das Programm und eine entsprechende Kartierung zu einem höheren Stellenwert und einer besserer Wertschätzung verhelfen – was bekannt ist, wird eben auch eher geschützt. Aus der Erfassung sollen Handlungsempfehlungen (wie eben jene Einzäunung) abgeleitet werden, das Verfahren "ist nicht nur für die Schublade", betont Scholl.

Der Eichenerhalt diene auch dem Artenschutz. Etwa für jene Käfer, die sich in Eichen wohlfühlen sowie für jene Vögel, die sich von diesen Insekten ernähren. Und nicht zuletzt erfreuen sich junge Familien sowie alle Spaziergänger solcher Prachtexemplare wie jenem bei Schnittling, das regelmäßig Ziel von Wandertagen und -wochen ist. 

JÜRGEN LEYKAMM

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