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Freitag, 21.09.2018

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Hinter den Kulissen der Sommernachtsspiele Spalt

Theaterspieler der Bier- und Hopfenstadt öffneten für einen Tag Requisitenkammer - 19.06.2018 06:00 Uhr

Gerd Salomon ist einer der Gründer der Sommernachtsspiele. Hier auf unserem Foto präsentiert er ein Modell der Bühne samt Szene. © Foto: Jürgen Leykamm


Bei einer Führung in die Backstage-Bereiche des Vereins eröffneten sich für die Teilnehmer ungewohnte Perspektiven. Ihr Blick auf eine Vorführung der Gruppe wird nun wohl ein anderer sein.

Allein die Requisitenkammer ließ die Trödelmarktherzen einiger Gäste höher schlagen. Vom schnöden Koffer, für Reiseszenen schier unentbehrlich, bis zum Hirschgeweih als Wandschmuck findet sich hier alles, fein säuberlich geschlichtet, um jeden Zentimeter auszunutzen. Denn der Platz ist eng bemessen. "Eigentlich bräuchten wir schon wieder einen neuen Bahnhof", sagt Gerd Salomon während der Führung.

Brautkleid zurückgelassen

Der Mitgründer des Vereins spielt damit auf dessen Domizil an: das alte Bahnhofsgebäude, das seit dem Einzug der Sommernachtsspieler als Kulturbahnhof firmiert. 1995 wurde er als solcher in Betrieb genommen. Drei Jahre zuvor hatte es dort gebrannt, damals hielt aber schon lange kein Personenzug mehr.

Das Feuer stellte den Stadtrat vor die Generalfrage: Abreißen oder nicht? Knapp entschied sich das Gremium dagegen. In 31 Monaten mit 6000 freiwilligen Arbeitsstunden eroberte der Verein das Haus für sich. Fortan hatte hier die Kultur das Sagen. Die Geschichte des Vereins an sich geht bereits ins Jahr 1981 zurück. Er startete mit einer familiären Freilichtaufführung, damals als Theaterkreis der St.Georgs-Pfadfinder. Es folgten weitere Auftritte, immer mehr Zuschauer kamen und so konnte investiert werden.

Etwa in eine Scheinwerferanlage und einen Kostümfundus, den man vom Heimatverein erwarb. Beides war bei der Backstage-Führung zu besichtigen. Die Zahl der Kleider ist im Laufe der Jahre stark angewachsen: Wie im Kaufhaus Bügel an Bügel nacheinander aufgehangen messen sie insgesamt 75 Meter, wie es Kostümchefin Ilse Wechsler erklärt.

Oft gibt es auch unverhofften Zuwachs. Beispielsweise hat die Braut eines japanischen Hochzeitspaars ihr Kleid einfach da gelassen, weil es vom Regen nass geworden war. "Ob Kleider von der Oma oder ein alter Smoking – wir können alles gebrauchen", so Wechsler. Als die Ausstattung anfangs noch nicht so üppig war, wusste man auch zu improvisieren: "Wenn weiße Strümpfe für den Herrn fehlten, dann haben wir uns der Thrombosestrümpfe bedient."

1990 folgte die Gründung des Vereins "Sommernachtsspiele Spalt e.V." und damit die Trennung von der Pfadfinderschaft. Am neuen Domizil kam eine neue Kunstform dazu – das Schwarzlichttheater, genannt "Teatro Magico". Seit dieser Bereich vor einigen Jahren an den Start gehen durfte, ergaben sich schon über 200 Aufführungen mit über 50 verschiedenen Mitspielern. Verstärkung ist auch heute gesucht.

Das gilt zugleich für die Theatergruppe selbst: "Wir hoffen auf eine gute Mischung zwischen dem Tatendrang der Jungen und der Erfahrung der Alten", sagt Vorsitzender Robert Wechsler. Ein bisschen Geduld sollten die Neuen aber mitbringen. Wenn sich im Friseursalon dessen Chef Heinz Pfuff um die richtige Frisur oder Perücke kümmert und Gattin Christa für die perfekte Maske sorgt, können schon mal zwei bis drei Stunden ins Land gehen – allerdings mit Wurstsemmeln verkürzt. Treten externe Künstler im Kulturbahnhof auf, haben sie ihren eigenen Schminkraum.

Etwas bewegt in Spalt

Bistro, Aufführungsraum, die Ton- und Beleuchtungstechnik – alles galt es bei der Führung in Augenschein zu nehmen. Sie führte auch in die Nebengebäude, wo ein Blick auf das neue Bühnenbild erhascht werden konnte. Es wurde von Maria Hausmann präsentiert, die heuer erstmals dafür zuständig ist. Ein Zwischengang innerhalb der Kulisse erleichtert die Auf- und Abgänge der Schauspieler. Eine weitere Halle bietet Platz für Möbel und Großrequisiten.

Am Ende der Führung konnten die Sommernachtsspieler live bei einer Probe im Bürgergarten beobachtet werden. Im Juli starten die sieben Aufführungen des Stücks "Die blaue Maus". Am Ende konnte Salomon dann mit Blick auf die vergangenen Jahrzehnte konstatieren: "Wir haben etwas bewegt in Spalt!"  

ley

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