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Im Umgang mit Dementen sind Ideen gefragt

Krankenschwester gab Tipps für besseres Verständnis und las aus Büchern über betroffene Familien - 20.09.2017 14:14 Uhr

Die Seniorenbeiratsvorsitzende Elisabeth Rößler (re.) bedankte sich bei Dagmar-Judith Kormannshaus-Mathiesen für die kurzweilige und informative Lesung zum Thema Demenz. © Foto: Irene Heckel


Die Krankenschwester und gerontopsychiatrische Fachkraft las auf Einladung des Seniorenbeirats aus Büchern über zwei an Demenz erkrankte Menschen: eine "Oma" und eine Frau um die 40, also mitten im Leben. Demenz tritt in vielen Erscheinungsformen besonders bei der älteren Generation auf. Tatsache aber ist, dass auch schon jüngere Menschen betroffen sein können. Leider gibt es kein Allgemeinrezept, wie man das Leben in der Familie, im Freundeskreis, an der Arbeitsstelle oder als Betreuer gestaltet. Aber die Fachfrau will Mut machen, gewohnte Perspektiven zu verlassen und Neugierde zu empfinden.

Das Buch "Liebe Oma" ist zu beziehen bei der Alzheimergesellschaft und lässt den zehnjährigen Enkel Lukas einer Betroffenen erzählen. Er suchte die Ursache zuerst bei sich und fragte sich: Habe ich die Oma zu sehr angestrengt bei Spaziergängen oder beim Radeln? Krischna, sein kleiner indischer Freund, fürchtete sich davor, sich anzustecken. Lukas beobachtete, dass sich die Oma beim Spazierengehen sogar in der eigenen Straße verirrte. Die Kinder klebten Zettel mit Inhaltsangabe auf Schubladen und ließen sich vieles einfallen, um Oma zu unterstützen. Er fand seinen Weg, das Unbegreifliche zu verarbeiten, dass es halt so ist und dass man auch gemeinsam lachen kann. Als zum Beispiel Opa einen "Kuckuck" kaufte, der Oma fortan an die Uhrzeit erinnern sollte. Die Krankheit in der Familie war das zentrale Thema, das schließlich auch die Eltern von Lukas überforderte, aber alle wussten auch, dass niemand schuld daran war.

Familienleben mit Alzheimer

Von der tüchtigen, berufstätigen jungen Frau und Mutter Yvonne, die an Alzheimer erkrankte, der Qual, der Ratlosigkeit und dem Leiden ihres Mannes Hans-Jürgen erzählt das Buch "Der lange Abschied." Es ist im Buchhandel erhältlich und kann auch in der Gmünder Gemeindebücherei ausgeliehen werden. Yvonne wurde vergesslich, hatte Ausfälle, und plötzlich war ihr Mann der alleinige Entscheider. Er erinnerte sich, dass er keine Senke, sondern plötzlich ein großes schwarzes Loch ohne Boden zu bewältigen hatte.

Er wusste aber auch, dass er und sein kleiner Sohn auch ein ganz normales Leben brauchten und hatte das Glück, dass er sich mit Sandra, einer Freundin der Familie und ihren Kindern, zusammentun konnte, denen die Kranke und die ganze Situation vertraut war. Eine Großfamilie war entstanden. Seine Frau war zu diesem Zeitpunkt längst auf einer anderen Ebene angelangt. Das WDR-Fernsehen wurde auf dieses besondere Konstrukt aufmerksam und schaute öfter zu Aufnahmen vorbei. Der Fortschritt der Krankheit erforderte schließlich eine Betreuung rund um die Uhr.

Alles vergessen, was früher "normal" war

Die rumänische Pflegekraft Alina kümmerte sich verständnisvoll um die Pflegebedürftige, konnte schließlich ihre Mutter und ihren Sohn zu sich holen und fand auf diese Weise ein neues Leben für sich und ihre kleine Familie. Als seine Frau nach 20-jähriger Ehe starb, wusste Hans-Jürgen: Wir mussten uns darauf einlassen und haben eine neue Perspektive erhalten, mussten alles vergessen, was früher "normal" war.

Ein Büchertisch zum Thema, den das Bücherei-Team vorbereitet hatte, fand großes Interesse bei den Besuchern. Die Seniorenbeiratsvorsitzende Elisabeth Rößler bestätigte der Fachfrau, Verständnis geweckt und sowohl die emotionale Seite als auch praktische Fragen wie Ernährungstipps angesprochen zu haben. Sie machte auf eine Veranstaltung der Allianz für Demenz im Landkreis Roth aufmerksam. Die Allianz vereint Menschen, die entweder ehrenamtlich oder beruflich mit dem Thema verbunden sind und deren Anliegen es ist, es zu enttabuisieren und mehr in die Öffentlichkeit zu bringen. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe lädt die Allianz am Mittwoch 11. Oktober, zu einem "Tag der Demenz" in die Kulturfabrik in Roth ein. 

IRENE HECKEL

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