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Inklusive Wahlveranstaltung in Hilpoltstein: Floskeln nicht erwünscht

Bundestagskandidaten beantworteten im Residenz-Hof Fragen aus dem Publikum - 11.09.2017 16:26 Uhr

Gebärdendolmetscherin Kathleen Entrich hatte im Innenhof der Hilpoltsteiner Residenz buchstäblich alle Hände voll zu tun— - im Hintergrund die“"Straße der Demokratie" mit den Parteienständen.m © Fotos: Jürgen Leykam


Ausbilder Johannes Haeffner von der Rummelsberger Diakonie kam die Aufgabe des Moderators zu. Damit auch jeder alles verstehen konnte, übersetzten die beiden Gebärdendolmetscherinnen Kathleen Entrich und Tatjana Mehlhorn.

Zu Beginn gab es gleich eine Überraschung. Denn die erste Frage, die aus den Reihen des Auhofs gestellt wurde, hatte mit dem Behinderung gar nichts zu tun, war freilich aber von größter gesellschaftlicher Bedeutung. Je eine Minute Zeit gab es für die Politiker, darauf zu antworten, wie ihre Partei sich denn die Stromversorgung für die nächste Generation vorstellt.

Aus "Wind, Sonne und Abfall", erklärte die mittelfränkische FDP-Spitzenkandidatin für den Bundestag, Katja Hessel. Für ihre Antwort brauchte sie nur eine halbe Minute. CSU-Bundestagsabgeordnete Marlene Mortler formulierte ebenso kurz: "Sicher, sauber und bezahlbar" solle der Strom sein, weswegen es über eine kurze Zeit auch noch Atomstrom und Kohle als Energieträger brauche, hieß es nach 41 Sekunden.

Redezeit gut ausgeschöpft

Die nachfolgenden Herren nahmen sich mehr Zeit und schöpften die Minute recht gut aus. Für Grünen-Kreisrat Felix Erbe (der für die erkrankte Kandidatin Gabriele Drechsler einsprang) waren die erneuerbaren Energien natürlich ein Kernthema. Diese sollen die Gesellschaft möglichst schnell "zu 100 Prozent mit Strom versorgen". Die Energiewende sorge für Arbeitsplätze und könne Deutschland technisch international weit nach vorne bringen. Seine Partei möchte die "20 dreckigsten Kohlekraftwerke am liebsten sofort schließen."

Kandidat Wolfgang Hauber von den Freien Wählern sprach sich gegen das "Fracking" aus. Seine Partei setze auf "Sonne und Wasser". "Noch zehn Sekunden" deutete ihm Haeffner an, als Hauber sich anschickte, seine Aussagen genauer zu begründen. So lag der Ball nun bei Helmut Johach, der für "die Linke" in den Bundestag will. Er monierte, dass beim Strom die Groß- auf Kosten der Kleinverbraucher entlastet würden und man sich anschicke Braunkohlestrom von Norddeutschland nach Bayern zu leiten. Auch Alex Horlamus (SPD) will nach Berlin, er bewertete die Umstellung auf erneuerbare Energien als eine "Frage der Gerechtigkeit – eine dreckige Umwelt führt oft zu Krieg".

Nach dieser ersten Runde war es an den Zuhörern, die Verständlichkeit der Ausführungen zu beurteilen. Viele grüne Karten hielten die Gäste nach oben, rote gab es kaum zu sehen. Diesen Test hatten die Volksvertreter also bestanden. Einen anderen aber nicht: Es sei zu wenig erkennbar, wer zu welcher Partei gehört, hieß es in der Pause. Die SPD schaffte sofort Abhilfe und klebte ein kleines Plakat an ihren Bistrotisch.

Der zweite Teil behandelte die Frage aus den Reihen von Regens Wagner Zell, die sich um eine bessere Integration Behinderter auf dem Arbeitsmarkt drehte. Nun durfte Horlamus beginnen und forderte, mit der Inklusion möglichst in jungen Jahren zu beginnen, da dies die Hemmschwelle bei den Arbeitgebern senke, Menschen mit Behinderung einzustellen. Die Schwelle ist derzeit noch recht groß, weswegen Johach forderte, das "Freikaufen" von der Pflicht solcher Einstellungen für die Arbeitgeber zu erschweren. Erbe pochte auf verstärkte Qualifizierungsmaßnahmen für Behinderte sowie eine bessere Vertretung ihrer Interessen in der Gesellschaft. Wolfgang Hauber gab zu bedenken, dass die Integration in den ersten Arbeitsmarkt Zeit brauche, Experten sprächen von bis zu drei Jahren. Dies sollte auch ermöglicht werden, da sonst eine hohe Rückkehrquote in die Behindertenwerkstätten drohe.

Offen und ehrlich sprach Mortler an, dass sie selbst in jungen Jahren an Kinderlähmung erkrankt war und so das Thema Behinderung auch aus persönlicher Perspektive kenne. Ihrer Einschätzung nach sei es nicht sinnvoll, dass alle Betroffenen auf den ersten Arbeitsmarkt drängten, auf dem großer Leistungsdruck herrsche. Es gäbe ja auch sehr gute Integrationsfirmen wie die der AWO namens "Auf Draht". Wichtig sei die Durchlässigkeit der Arbeitsmärkte, ergänzte Katja Hessel.

Ganz direkt fragte hier Nicole Albrecht vom Auhof nach, wann sie eine Arbeit jenseits der Werkstatt bekomme, in der sie nun schon 21 Jahre tätig sei. Die Frage musste natürlich offen bleiben, doch bot Mortler (an die sie gerichtet war) das persönliche Gespräch an.

In der Schlussrunde beschäftigte man sich auf Wunsch der Lebenshilfe mit der Barrierefreiheit. Die solle selbstverständlich sein, wenn der Staat baue, so Erbe. Da gäbe es noch viel zu tun, etwa bei Ampelanlagen, ergänzte Johach. Und Katja Hessel gestand: "Da sind wir noch nicht wirklich vorwärts gekommen." Ein Förderprogramm auch für private Projekte sei angeraten, mahnte Wolfgang Hauber an. Es gelte kommunale Behindertenbeauftragte vor Ort zu hören (oder gegebenenfalls erst einmal zu ernennen), schlug Alex Holarmus vor. In Berlin habe man schon "ein Bundesprogramm aufgelegt", so Marlene Mortler.

Probleme in Bayern bereiteten die Bahnhöfe, "in Georgensgmünd kämpfen wir schon seit Jahren...". Auch nicht sichtbare Behinderungen sollten bei der Umsetzung von Maßnahmen berücksichtigt werden, monierte Ulrike Bacher von Regens Wagner Zell und Sebastian Brandl vom Auhof drängte auf dFristen. Dorothee Waibel (ebenfalls Regens Wagner) war dann die erste, die nach den Fragerunden im persönlichen Gespräch nachhakte und von Wolfgang Hauber noch Näheres wissen wollte. 

JÜRGEN LEYKAMM

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