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Klassische Weihnachtsmusik in der Kirche

Der Gesangverein Nürnberg-Doos, derKirchenchorGmündunddasCollegiummusicumNürnbergbegeisterten - 28.12.2009

Ganz nah dran an den Akteuren: In der vollbesetzten St.<ET>Georgskirche in Georgensgmünd konnten die Besucher ein großes Weihnachtskonzert erleben.

Ganz nah dran an den Akteuren: In der vollbesetzten St.<ET>Georgskirche in Georgensgmünd konnten die Besucher ein großes Weihnachtskonzert erleben. © Unterburger


Der Gesangverein Nürnberg-Doos und der Kirchenchor Georgensgmünd präsentierten zusammen mit dem Collegium musicum Nürnberg unter der Gesamtleitung von Florian Grieshammer zwei klassische Weihnachtsmusikstücke: das Konzert für zwei Violinen und Orchester d-Moll, BWV 1043 von Johann Sebastian Bach (1685-1750) und das Oratorio de Noel (Weihnachtsoratorium), Opus 12 des französischen Pianisten, Organisten, Musikwissenschaftlers, Musikpädagogen und Komponisten Camille Saint-Saens (1835-1921).

Das großartige Weihnachtskonzert war einer der großen kulturellen Höhepunkte in Georgensgmünd im zu Ende gehenden Jahr. Mit weit über 50 Sängerinnen und Sängern der beiden Chöre, des Streichorchesters und mit fünf Solisten war ein voluminöser Klangkörper vorhanden. Die Zuhörer kamen aufgrund der Raumnot in der Kirche in den Genuss, alle Akteure hautnah erleben zu können.

Eine homogene Leistung auf sehr hohem Niveau zeichnete sowohl den Gesangverein Nürnberg-Doos als auch den Kirchenchor Georgensgmünd und das Collegium musicum Nürnberg aus. Besonders hervorgehoben werden darf das überzeugende Auftreten der Solisten Stephanie Bogendörfer (Sopran), Heike Kohler (Mezzosopran), Christine Mittermair (Alt), Richard Resch (Tenor) und Roland Klappstein (Bariton). Florian Grieshammer dirigierte die Chöre und das Streichorchester mit leichter Hand, souverän, kompetent und immer mit einem gewinnenden Lächeln auf den Lippen.

Den feierlichen Auftakt machte der Choral «Vom Himmel hoch« aus dem Weihnachtsoratorium BWV 248 von Johann Sebastian Bach. Er leitete über zum Konzert für zwei Violinen und Orchester, d-Moll, BWV 1043 von Bach.

Der schwungvolle, bewegte erste Satz Vivace c d-Moll exponierte in Tutti eine Fuge und führte in den Soli in ein gegensätzliches Thema ein. Der ruhige, mehr nachdenkliche zweite Satz Largo ma non troppo F-Dur begann als Siciliano, entwickelte aber immer wieder dramatische Höhepunkte. Das Thema des dritten Satzes Allegro d-Moll bestand aus einem eng geführten Kanon der beiden Violinen (Tina Kollmann und Sigrid Schüßler) und erinnerte in seiner Dramatik an Vivaldis Unwetterdarstellungen. Nicht ohne Grund vermuten daher Musikwissenschaftler, dass Bach hier möglicherweise ein Werk Vivaldis als Modell verwendet hat.

Im zweiten Teil des Weihnachtskonzertes stand das Weihnachtsoratorium (Oratorio de Noel), Opus 12, von Camille Saint-Saens im Mittelpunkt. Camille Saint-Saens gilt neben Gounod als bedeutendster Vertreter des neoklassizistischen Stils in Frankreich. Der Komponist wurde vor allem durch seinen «Karneval der Tiere« und die Oper «Samson et Dalila« bekannt.

Das 1858 vollendete Oratorio de Noel erfreut sich seit einigen Jahren immer größerer Beliebtheit und nimmt immer häufiger als Alternative zu Bachs Weihnachtsoratorium seinen Platz in der weihnachtlichen Kirchenmusik ein. Das Publikum hatte die Gelegenheit, die gesungenen lateinischen Texte der Weihnachtsgeschichte mitzulesen.

Das Oratorio de Noel war ein wichtiges und bereicherndes Element des Bach’schen Weihnachtsoratoriums. Das zehnsätzige Werk zeigte eine sehr ungewöhnliche instrumentelle Besetzung: Zum Vokalpart sowie zum Streichorchester und der Orgel trat in drei Sätzen eine Harfe als besonderer Klangeffekt hinzu, was zur besonderen lyrischen Stimmung der Komposition beitrug. Diese Atmosphäre – hervorgerufen durch die weiche Harmonik, den schlicht gehaltenen Chorsatz und dem fast kammermusikalischen Einsatz des Orchesters – wurde nur an wenigen Stellen durch dramatische Elemente durchbrochen. Die daraus resultierende Spannung machte den eindrucksvollen Reiz des Werkes aus, was den großen Erfolg des Oratoriums auf der ganzen Welt erklärt.

Das Oratorio de Noel wurde in der Weihnachtsnacht 1858 uraufgeführt. Camille Saint-Saens hatte es in elf Tagen komponiert. Gewidmet hat er es seiner Schülerin Madame la Vicomtesse de Grandval. Sakrale Texte, die den Verheißungen des Alten Testaments entnommen sind, die sich aber auf das Weihnachtsgeschehen beziehen, wurden sorglos aneinandergereiht, ohne sich um die kirchliche Liturgie oder einen Handlungsfaden zu kümmern. So soll sich beispielsweise die Tochter Zions erheben und zum Gotteslob aufrufen.

Die vokalen Partien, vertreten durch den Kirchenchor Georgensgmünd und dem Gesangverein Nürnberg-Doos, waren voller Frische und hatten melodischen und rhythmischen Schwung. Die beiden Chöre hatten wesentlichen Anteil am Gesamtkonzept. Das Collegium musicum Nürnberg beeindruckte durch Können und Präzision. Insgesamt entstand ein faszinierendes Zusammenspiel von Sängerinnen und Sängern sowie den Streichern.

Als Zugabe des überzeugenden Konzerts gab es noch einmal den Psalm 96, der in deutscher Übersetzung lautet: «Bringet Geschenke und betet an den Herrn in seinen Vorhöfen! Der Himmel freue sich, und die Erde sei fröhlich vor dem Herrn; denn er kommt.«

ROBERT UNTERBURGER 

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