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Dienstag, 18.09.2018

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Kreisklinik Roth: Messerscharfe Bilder für präzise Schnitte

Seit Kurzem hat die Kreisklinik für minimalinvasive Eingriffe ein topmodernes Arthroskopie-Gerät - 30.07.2018 17:23 Uhr

Dr. Thomas Strube, Chefarzt der Chirurgie, erklärt dem Vorsitzenden des Förderkreises, Anton Nagel, die Einsatzmöglichkeiten des Arthroskopie-Turms (li., mit Bildschirm). Das Gerät, das der Förderkreis mitfinanzierte, ist in der Region einmalig. Der nächste Standort ist München. © F.: Weinig


Mit 80 000 Euro war die Anschaffung ein Posten, den das aktuelle Kreisklinik-Budget nicht hergab. Der Förderkreis "Kreisklinik Roth" sprang mit 20 000 Euro mit ein, denn Strube, der zu den anerkannten Schulter- und Kniegelenks-Spezialisten in der Region gehört, war vom Nutzen des Arthroskopie-Turms nach Visiten in Berliner und Münchener Kliniken so überzeugt, dass er auch andere von der Sinnhaftigkeit dieser Investition schnell überzeugen konnte.

Weg vom Üblichen

"Wenn man mal diese neueste Technik gesehen hat und erfährt, was damit möglich ist; dann will man nicht mehr zurück zum üblichen Standard — in dem Wissen, dass es was Besseres gibt." Denn nicht nur der Operateur, sondern auch der Patient profitiert vom Einsatz dieses hochmodernen Arthroskopie-Turms, der aus mehreren Modulen besteht.

Eines davon ist ein 4 K-Bildschirm. Technik affine Fernsehzuschauer wissen: Das bedeutet gestochen scharfe Bilder, wie sie derzeit nicht schärfer sein könnten. Das gilt auch für den medizinischen Bereich. "Gerade bei Schulteroperationen, die auch über mehrere Stunden hinweg dauern können, ist die Orientierung im Gelenk schwierig", erklärt Stube, der ein überzeugter Verfechter der arthroskopischen Eingriffe ("Schlüssellochoperation") ist; also der minimalinvasiven Operationsmethode, bei welcher der Arzt mittels einer dünnen Sonde, an die eine Kamera angeschlossen ist, im Gelenk operieren kann.

"Das ist meiner Meinung nach weitaus schonender für den Patienten als ein langer Schnitt." Doch verlangt diese Methode viel Erfahrung, feinmotorisches Geschick und eben auch optimale technische Unterstützung.

"Mit einem so scharfen Bild, wie ich es jetzt als Operateur samt Team über diesen Turm geliefert bekomme, ermüden zum einen unsere Augen nicht so sehr. Zum anderen "können wir noch präziser, noch sicherer arbeiten. Umso wichtiger bei wirklich komplizierten Operationen", erläutert der versierte Chirurg.

Darüber hinaus kann über ein weiteres Modul des Turms das Gelenk während der OP so sauber gespült werden, dass der Anästhesist den Blutdruck des Patienten in der Narkose nicht mehr bis ultimo herab senken muss. Die Folge: Die Belastung, die naturgemäß jede Narkose für den Organismus bedeutet, kann minimiert werden.

Das kommt dem Patienten zugute. Für den es aber wiederum nicht allein mit einer erfolgreichen OP getan ist.

Auch hier spielt der Arthroskopie-Turm eine Rolle. Denn über ihn kann der Eingriff in Film und Bild festgehalten werden. "Wenn ein Patient will, dann kann er sich, sobald er aus der Narkose erwacht, seine OP auf dem Handy anschauen", so Strube, der diese Möglichkeit eher ins Reich der "netten Technik-Gadgets" schiebt.

Nicht aber die Tatsache, dass genau diese Bilder überzeugend wirken, wenn es darum geht, Patienten, die am Gelenk operiert wurden, von der Sinnhaftigkeit einer konsequenten Rehabilitation zu überzeugen. Strube: "Dank der Arthroskopie haben die Patienten ja von außen gesehen nur ein paar wenige Mini-Narben. Aber wenn sie sehen, was wirklich im Gelenk während der OP passiert ist, dann wächst auch die Einsicht, warum es beispielsweise notwendig ist, bei einer Schulter-Operation sechs Wochen lang den Arm zu fixieren. Das ist eine harte Zeit. Aber mithilfe von fundierter Information wird sie der Patient deutlich besser akzeptieren als ohne", ist der Chefchirurg der Rother Kreisklinik überzeugt.

Viel Ruhepausen werden weder Arthroskopie-Turm noch dessen Hauptbediener gegönnt. Allein durchschnittlich 400 Schultergelenks-Operationen und 150 arthroskopische Eingriffe am Knie (noch ohne Gelenkersatz-OP gerechnet) gehen pro Jahr auf das Konto von Strube.

Dahinter stehen 550 Menschen, denen dank medizinischem Können und unterstützt von neuester Technik, noch effektiver als bisher geholfen werden kann — in dieser Form im weiten Umkreis einmalig. 

CLAUDIA WEINIG

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