Sonntag, 18.11.2018

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Michl Müller, die Politik, die Liebe und Shakespeare

Wenn Eierlikör mehr Prozent hat als die SPD: Der "DREGG-SAGG" in Hilpoltstein - 05.11.2018 14:58 Uhr

„Nu hörn se aber uff“: Michl Müller denkt nach über die Politik, die Liebe und den Alltag und muss sich dabei auch so manchen Kommentar von Shakespeares Schädel gefallen lassen. © Foto: Manfred Klier


Unter Fanfarenklängen kommt Michl Müller auf die Bühne, angetan mit seinem obligatorischen schwarzen T-Shirt mit der Aufschrift "DREGG-SAGG", was angeblich der Fränkische Ausdruck für "Schelm" ist. Politik, Familie, Intimitäten, Alltagsgeschichten, Liebe, Glück, Unsterblichkeit: Nichts ist vor seinen zumeist witzig-kritischen Einlassungen sicher.

Zunächst kriegen die Politiker ihr Fett weg. Da verfinstert sich der Himmel, beziehungsweise die Bühne, und die Stimme von Franz Josef Strauß ertönt: "Ja, lacht‘s doch über die 37,5 Prozent!" Söder bleibt Ministerpräsident. Ein Franke! Applaus. Zurzeit ist er auf Kreuzzug. Sollte man nicht gleich einen Beichtstuhl mit aufstellen, zum Beispiel beim Finanzamt? Seehofer war wandern. Allein. "Ich bin ein Ein-Wanderer", behauptet er.

Dass er auch singen kann, beweist Michl Müller in mehreren Auftritten, in denen er die Songs von Ed Sheeran in Bayrische "rübergeholt" hat und die er schauspielerisch interpretiert, etwa dann, wenn er einen missglückten, einen Sche..-Tag besingt. Den gab es auch für Romeo und Julia, wobei wir endlich beim Thema sind. Die Geschichte der beiden könnte auch in einem Rosamunde-Pilcher-Film vorkommen, meint er. Da wird es unter der bisher zugedeckten Statue auf der Bühne laut: "Nu hörn se aber uff!" Es ist der Schädel von William Shakespeare, der da spricht.

Eierlikör habe mehr Prozent als die SPD und Andrea Nahles sei "ein Nebelhorn aus der Eifel". Die "Uschi" von der Leyen habe mehr Kinder als einsatzfähige Eurofighter. Nur Angela Merkel sei die "einzige Normale unter den vielen Idioten", womit Müller vor allem bestimmte ausländische Politiker meint.

Nun sind wir wieder in Verona bei Romeo und Julia, wohl eines der bekanntesten Werke Shakespeares. "Verona könnt ihr euch sparen!", verkündet Müller. "Das ist wie Christkindlesmarkt ohne Bratwurst und Glühwein." In einem Sketch will die einfach gestrickte Uschi aber trotzdem nach Verona fahren, weil sie einen spanischen Freund namens Carlos hat und deshalb einmal nach Spanien möchte.

Ein besonderes, Müller-typisches Liebeslied ist: "Du riechst so gut nach Frittenfett". Es gibt eine seltene Krankheit mit Namen BLI, das bedeutet "Bratwurst-Leberkäs-Allergie". Aber dagegen helfen Globuli. Ein Globuli sei es auch, die Bronzefigur der Julia in Verona zu streicheln. Die E-Zigarette ist eine rauchende Blockflöte, in der die althergebrachten Wunderbäume aufgeraucht werden. Die Wasserpfeifen erinnern an ein Röcheln, oder an das Absauggerät beim Zahnarzt.

Nun sind beinahe drei Stunden vergangen und Müller singt: "Des is mein Weg, den muss ich gehen." Da meldet sich der Schädel zu Wort: "Wenn ich ehrlich bin, genauso hätt ich‘s ooch gemacht!"

Natürlich will das Publikum Zugaben. Mit stehenden Ovationen begleitet es frenetisch klatschend ein Müller-Medley. Da dürfen natürlich Titel wie "Ingwerreibe", "Vollwärmeschutz", "Heringsdöschen" und "Fleischereifachverkäuferin" nicht fehlen. Selbst Shakespeares Totenschädel hat mit glühenden Augen mitgesungen. Und vielleicht könnte man mit des Meisters Worten sagen: "Well roared, lion! — Gut gebrüllt, Löwe!" 

MANFRED KLIER

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