Donnerstag, 15.11.2018

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Mr. Rothsee wird in Ägypten Doppel-Weltmeister

Der TSG-Triathlet Marcus Schattner gewinnt WM-Gold im Biathle und Triathle sowie zwei Mannschaftstitel bei den Männern 50+ - 31.10.2018 16:59 Uhr

Marcus Schattner mit Laser-Knarre: Der letzte Schuss brachte ihn auf Titelkurs im Triathle. © Foto: Schattner


Der Triathlet von der TSG 08 Roth hatte erst bei der EM in Weiden zu dieser Sportart gefunden (wir berichteten) und dort trotz einer durchwachsenen Schießleistung im Triathle Silber und im Biathle sogar Gold gewonnen. Da war es dann auch nicht mehr schwer ihn zu überreden, auch bei der WM in Ägypten anzutreten. Damit konnte Deutschland in der Altersklasse 50+ sogar eine Mannschaft stellen, denn der erfahrene Enno Schönung aus Brühl und der in Südafrika lebende, laufstarke Andreas Harms hatten sich ebenfalls angemeldet.

In der AK 50+ sind im Biathle die Distanzen auf 1200 Meter laufen – 100 Meter schwimmen – 1200 Meter laufen festgelegt und im Triathle müssen viermal nach dem Schießen 50 Meter geschwommen und 600 Meter gelaufen werden. Marcus Schattner musste seit Weiden daher nicht nur an seiner Sprintfähigkeit arbeiten, sondern sich auch besonders intensiv um seine Schießpräzision kümmern. Unterstützt wurde er dabei von Thomas Hierl vom Post SV Nürnberg, mit dem er viele sogenannte "Laser-Runs", ein ständiger Wechsel zwischen Laufen und Schießen, abgehalten hat.

In Hurghada wurde es am Samstag für den gebürtigen Rother ernst, denn da standen die Triathle-Wettkämpfe auf dem Programm. Außer der Konkurrenz aus dem eigenen Land galt es, sich vor allem der schnellen Spanier zu erwehren. Aber Schattner erwischte einen guten Start und leistete sich trotz anfänglicher Nervosität und böigem Wind nur vier Fehlschüsse. Nach 35 Sekunden verließ er den Schießstand schon wieder und hatte nur zwei Spanier und einen Ungarn vor sich. Schönung und Harms leisteten sich dagegen zu viele Fehlschüsse und mussten die Maximalzeit von 50 Sekunden absitzen. Das heißt, sie waren erst nach knapp einer Minute wieder aus dem Schießstand draußen, da war der Zug an der Spitze natürlich schon abgefahren.

Vorne lag die Konkurrenz ganz dicht zusammen, jetzt spielte Marcus Schattner seine Fähigkeiten aus dem Triathlon aus. Nach einem schnellen Wechsel hatte er den Ungarn schon auf den ersten Schwimmmetern im Roten Meer überholt, den zweitplatzierten Spanier holte er sich in der Wechselzone vom Schwimmen zum Laufen. Jetzt machten sich auch die vielen schnellen Laufkilometer aus dem Training bezahlt: Immer näher kam er an den führenden Spanier heran. Schattner verzichtete aber noch vorbeizugehen, um beim zweiten Schießen weiter eine ruhige Hand zu haben. Denn auch hier schoss der Spanier wieder schneller, setzte sich aber nicht uneinholbar ab, da auch Schattner sich wieder nur vier Fehlschüsse leistete und ihm somit auf den Fersen blieb.

Jetzt aber übernahm der gelernte Triathlet beim Laufen die Führung. Allerdings musste er diese beim Schießen wieder sofort wieder abgeben. Ebenso beim dritten und vierten Durchgang. Zwar konnte Schattner nie so schnell wie der Spanier schießen, der jedes Mal vor ihm den Schießstand verließ, aber er schaffte es, sich dadurch nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Ganz im Gegenteil: Bei den letzten beiden Durchgängen kam der Nürnberger sogar mit nur drei Schießfehlern aus und das bedeutete die Entscheidung. Im vierten und letzten Durchgang übernahm Schattner schon vor der Schwimmwende die Führung und gab sie bis ins Ziel nicht mehr ab.

Andreas Harms arbeitete sich dank einer starken Laufleistung noch nach vorne und erkämpfte sich mit einem Rückstand von 1:24 Minuten auf den Sieger noch den dritten Platz. Dahinter kamen aber schon die anderen beiden schnellen Spanier, die sich somit das Mannschaftsgold sicherten und Deutschland auf den zweiten Platz verdrängten.

Am Sonntag endete die WM am Roten Meer mit den Biathle-Wettkämpfen. Hier kam es in der AK 50+ zu dem erwarteten Zweikampf zwischen Spanien und Deutschland. Gestartet wurde zusammen mit den jüngeren Biathleten aus der AK40+. Auf dieser Klasse legten drei Südafrikaner ein höllisches Lauftempo vor. Harms, der sein Heil in der Flucht nach vorne suchte, gelang es diese Pace mitzugehen, aber auch Schattner kämpfte auf den ersten 1200 Metern, um den Abstand nicht zu groß werden zu lassen. Er musste sich also auf seine Schwimm- und Wechselfähigkeiten verlassen — und diese Taktik ging tatsächlich auf.

Auf den letzten 30 Schwimmmetern hatte er Harms überholt und nach dem Schwimm-Lauf-Wechsel sogar zu einem der jungen Südafrikaner aufgeschlossen. Diesen benutzte er als Schrittmacher und hielt so den knappen Vorsprung über die ganze abschließende Laufstrecke konstant. Harms, der wenige Sekunden nach ihm ins Ziel lief, komplettierte den deutschen Doppelerfolg in der AK 50+.

Dahinter kamen aber auf Platz drei bis fünf schon die Spanier und so lag alles an Enno Schönung, den Zeitabstand nicht zu groß werden zu lassen. Angefeuert von den deutschen Zuschauern und Athleten kämpfte er sich auf Rang zehn vor und sicherte seinem Team damit das Mannschaftsgold. Bronze ging mit einigem Abstand an das heimische Team Ägypten.

Für Schattner kam nach dem Triathle- und Biathle-Einzeltitel dadurch sogar noch der WM-Titel in der Biathle-Mannschaft hinzu. Mit vier Medaillen im Gepäck dürfte er mehr als zufrieden sein nach seiner ersten WM. 

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