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Nach dem Pokal-Hit steht gleich der Kampf um die Tabellenspitze an

Den Bundesliga-Tischtennis-Cracks des TV Hilpoltstein steht ein heißes Wochenende bevor — Im Pokal gegen den Erstligisten Bad Königshofen - 28.09.2017 15:10 Uhr

Ob Kapitän Alexander Flemming heute Abend nach dem Pokal-Derby gegen Bad Königshofen auch so jubeln kann wie gegen Saarbrücken? © Foto: Tschapka


Das Los hätte es nicht besser meinen können mit den Hilpoltsteinern. Ausgerechnet der bayerische Rivale TSV Bad Königshofen wurde aus dem Topf gezogen, als es um die Begegnungen im Achtelfinale des DTTB-Pokals ging. Der Zweitligist hat Heimrecht, so lautet die Regel ab der ersten Hauptrunde. Mit drei teils sensationellen Siegen gegen stärkste Konkurrenz hatte Hilpoltstein Ende August die Weichen für dieses prickelnde bayerische Derby gestellt.

War es erneut ein großer Schritt ins Final Four, jenes Pokalfinale in Neu-Ulm, in dem der TV Hilpoltstein in der letzten Saison mit seiner "gelben Wand" aus gut 250 mitgereisten Fans für so viel Furore gesorgt hatte? Kann tatsächlich wie zuletzt gegen Werder Bremen der David gegen den Goliath gewinnen?

Krasser Außenseiter

Noch lebt der Traum der Fans. Man geht zwar als krasser Außenseiter an den Start, doch die unterfränkische Truppe um Jung-Nationalspieler Kilian Ort ist gewarnt: Im vergangenen Jahr hatte sie in der Vorrunde vor heimischer Kulisse mit 2:3 gegen die Hilpoltsteiner verloren. Jetzt, nach dem Aufstieg in die 1. Bundesliga, sinnen sie sicher auf Revanche, und haben sich entsprechend verstärkt.

Den starken Japaner Kazuhiro Yoshimura mussten sie zwar überraschend und ungewollt gehen lassen, aber das zweite Ass aus dem Land der aufgehenden Sonne ist ihnen geblieben: Der 20-jährige Mizuki Oikawa war eine Saison vorher nicht nur bester Zweitligaspieler, er ist auch prima in seine erste Saison in der TTBL gestartet. Zwei Siege zuletzt gegen die Saarbrückener Stars Patrick Franziska und Bojan Tokic zeigen das immense Potenzial der derzeitigen Nummer 88 der Weltrangliste.

Einen "Makel" hat der auch international erfolgreiche Asiate allerdings: Gegen Hilpoltsteins Kapitän Alexander Flemming konnte er noch nie gewinnen. Allein das Duell der beiden Spitzenleute dürfte den Eintritt in die Stadthalle wert sein.

Goldfisch geangelt

Für Yoshimura haben sich die Unterfranken einen wahren Goldfisch geangelt: Der 19-jährige Slowene Dargo Jorgic ist eines der größten Talente Europas, vor kurzem hat er in Luxemburg sogar die Nummer Vier der Welt, Dimitrij Ovtcharov (der allerdings nicht ganz fit war), geschlagen. Herzstück des Teams aus der 6500-Einwohner-Stadt im Kreis Rhön-Grabfeld ist jedoch der 21-jährige Kilian Ort. Allein wegen dem aus Königshofen stammenden Jung-Profi, der unter der Woche im Tischtenniszentrum in Düsseldorf lebt und trainiert, ist der Verein in die TTBL aufgestiegen. Ort ist der "local hero par exellence" – hochtalentiert, gebildet, vereinstreu, ein Edelstein des Tischtennissports.

Der TV Hilpoltstein geht als Tabellenführer der Zweiten Bundesliga in dieses Pokal-Match. "Wir sind heiß, haben nichts zu verlieren und können vor hoffentlich großer Kulisse zeigen, dass wir mit unserer Erfahrung ein gefährlicher Gegner für das jüngste Team der TTBL sind", formuliert der Kapitän Flemming die Aussichten seiner Mannschaft.

Wenn Petr David seine Pechsträhne beendet, Nico Christ seine derzeit bestechende Form erneut unter Beweis stellt und Dennis Dickhardt die seine aus der Pokal-Vorrunde und dem Punktspiel in Köln wiederfindet, haben die TV’ler zumindest eine kleine Chance auf ein neues Wunder, für das sich auch einige Fernsehsender angekündigt haben.

Am Sonntag um 14 Uhr steigt in Hilpoltstein der zweite Tischtennis-Knaller. Der Aufsteiger TTC GW Bad Hamm gibt zum ersten Mal seine Visitenkarte in der Stadthalle ab. Bad Hamm hat sich erheblich verstärkt, und wenn es nach der virtuellen Leistungstabelle nach Q-TTR-Werten ginge, wäre dem Neuling die Meisterschaft nicht zu nehmen. Dass dieses Los des Favoriten nicht nur beflügelt, hat man allerdings am vergangenen Wochenende erlebt: Bad Hamm musste gegen Borussia Dortmund nach einer 4:1-Führung noch eine ernüchternde 4:6-Schlappe hinnehmen. Da war der Charme des furiosen 6:0-Auftaktsieges gegen den Vorjahreszweiten TTC Jülich schon wieder verflogen.

Dennoch stellen die Westfalen eines der spannendsten Teams der Liga. Der eine Grund ist ein 48-jähriger Franzose. Damien Eloi, keine 1,70 Meter groß, war bis 2006, als er bei der Weltmeisterschaft noch im Halbfinale gegen Deutschland spielte, ein ganz Großer im europäischen Tischtennissport. Als die ehemalige Nummer 16 der Welt gilt Eloi, der jetzt in Dortmund lebt, als der große Star der Liga. 2495 Q-TTR-Leistungspunkte sprechen Bände – doch unschlagbar ist der Altmeister anscheinend nicht.

Das hat man schon in der Vorrunde des DTTB-Pokals gesehen, als er gleich zweimal gegen schnellere und jüngere Spieler verlor und am letzten Wochenende auch dem Dortmunder Bence Majoros zum Sieg gratulieren musste. Auch ehemalige Weltstars sind wohl verwundbar.

Zwei Jung-Profis

Zweiter und dritter Grund für die Favoriten-Rolle sind zwei Jugendliche: Gerrit Engemann ist 18 Jahre alt und erst vor wenigen Monaten mit der deutschen Nationalmannschaft Jugend-Europameister geworden. In der deutschen Jugendrangliste steht der Jung-Profi an Nummer 1. Er spielt ebenso im hinteren Paarkreuz wie sein jugendlicher Kollege Henning Zeptner, der ebenfalls aus der Region kommt und in Hamm den steinigen Weg zum Profi wagen will.

Dazwischen steht zwar mit dem Aufschlagskünstler Hermann Mühlbach ein erfahrener Zweitligaspieler, der gegen Hilpoltstein schon immer gut gespielt hat, doch als besonders stark gelten die drei jungen Japaner Yukiya Uda (16), Masaki Takami (18), und Koyo Kanamitsu (17). Es kann zwar immer nur einer der Drei spielen, aber im vorderen Paarkreuz ist jeder von ihnen ein echter Trumpf.

In diesem vorgezogenen Spitzenspiel geht es für den TV Hilpoltstein erneut um die Tabellenführung – aber auch darum, sich schon früh genug möglichst viele Punkte im Kampf um den Klassenerhalt zu sichern.

Denn wenn in dieser noch stärker gewordenen Liga jeder jeden schlagen kann, tut man gut daran, schon bald die wichtigen Punkte zu holen. Das haben Flemming und Co. vor und versprechen ihren Fans unabhängig vom Ausgang des Pokal-Hits einen großen Tischtennis-Nachmittag. 

bb

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