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Namhafte Gäste auf der Burg

Schau im Haus fränkischer Geschichte gibt Einblick ins Leben der Familie Schott - 11.04.2012

„Das Gästebuch der Familie Schott auf Burg Abenberg“ ist eine einzigartige Ausstellung, auch für die drei Großnichten (vorne links) von Schlossherrin Laura Schott. Außerdem im Bild (von links): Werner Bäuerlein, Dr. Birgit Friedel, Marion Degenhardt-Ebersberger als Laura Schott, Kerstin Bienert als deren Schwester Ida, und Anna Steeger als Ida, das „Nesthäkchen“ der Familie Schott.

„Das Gästebuch der Familie Schott auf Burg Abenberg“ ist eine einzigartige Ausstellung, auch für die drei Großnichten (vorne links) von Schlossherrin Laura Schott. Außerdem im Bild (von links): Werner Bäuerlein, Dr. Birgit Friedel, Marion Degenhardt-Ebersberger als Laura Schott, Kerstin Bienert als deren Schwester Ida, und Anna Steeger als Ida, das „Nesthäkchen“ der Familie Schott. © Hiltl


Das Buch wurde 1882 angelegt, der letzte Eintrag erfolgte 1913. Es enthält 70 handbeschriebene Seiten, versehen mit Zeichnungen und Fotografien, und gibt interessante Einblicke in das Leben und das Selbstverständnis des damaligen Großbürgertums.

Zur Eröffnung der Ausstellung, die bis 10. Juni zu sehen ist, begrüßte Bürgermeister Werner Bäuerlein, zugleich Förderkreis- und stellvertretender Zweckverbandsvorsitzender, viele Ehrengäste, darunter Walter Schnell, stellvertretender Landrat und Beauftragter des Bezirks Mittelfranken sowie mit Ilse Bollacher-Paret, Holde Hammelbacher und Adelheid Paret aus Stuttgart und Ludwigsburg drei Großnichten der ehemaligen Burgherrin Laura Schott.

Abenteuerlicher Schriftwechsel

Bäuerlein erinnerte an den abenteuerlich anmutenden Schriftwechsel, den Manfred Probst, der damalige Kassier des Heimatvereins, geführt hatte, um das originale Gästebuch der Familie Schott nach 100 Jahren über einen deutschen Mittelsmann von Nachfahren der Familie Schott aus den USA wieder nach Abenberg zurückzuführen. Er dankte dabei ausdrücklich der Sparkassenstiftung Roth-Schwabach, die die Finanzierung übernommen habe. Beim anschließenden Rollenspiel traten in historisch-stilvoller Kleidermode und mit den dazugehörigen Accessoires, Museumsleiterin Kerstin Bienert als Ida Feldweg (Laura Schotts Schwester) und Märchenerzählerin Marion Degenhardt-Ebersberger als Laura Schott selbst auf und erinnerten sich an vergangene Zeiten.

Sie machten deutlich, dass die damals erst 32 Jahre alte Schlossbesitzerin in all den Jahren auf Burg Abenberg wehmütig an große Städte wie Berlin, Schwerin oder Hannover dachte. Als Anton, ihr Mann, die Kanone am Eingang der Burg gesehen habe, sei er so begeistert gewesen, dass er ihr die Burg spontan zum Geschenk gemacht habe, so Laura. Gehalten hätten sie da nur ihre beiden Kinder und das ein Jahr nach dem Einzug geborene Nesthäkchen Ida. Später aber auch die Gäste, die einzigartige Burg und die Erforschung ihrer traditionsreichen Geschichte, in den letzten Jahren (ab 1899) vor allem ihr Engagement für die Abenberger Festspiele zu Ehren der Burggräfin Stilla.

Die beiden ließen die zahlreichen namhaften Gäste der Burg wieder aufleben: Architekt Emil Hecht aus Nürnberg (1840-1910), der verantwortlich für zahlreiche, historisierende Umbauten und den Neubau von Burgkapelle und Schott(en)turm war; Panoramamaler Louis Braun (1836-1916), ein Burgnachbar aus Wernfels, der mit seiner Frau zeitgleich in seine Sommerresidenz einzog; Maler Wilhelm Beckmann (1852-1942), der 1886 mit schwerem Gepäck erschien, sein Atelier aufschlug und darauf hoffte, landschaftlich schöne Studien im Freien malen zu können. Stattdessen malte er die Burgkapelle aus. Was entstand, war ein wunderbares Gemälde mit einer Kreuzigung.

Danach die musikalische Umsetzung der Stilla-Ballade, die Lehrer Christian Schäfer aus Barthelmesaurach 1904, als Pianosatz mit Singstimme gedichtet und komponiert, „Frau Hauptmann Schott und dem freundlichen Städtchen Abenberg“ widmete.

„Ausstellungs-Macherin“ Dr. Birgit Friedel war die Begeisterung anzumerken, die das Gästebuch in ihr entfacht hatte. 246 Gäste seien es gewesen, die von 1882 bis 1913 auf der Burg waren. Zu den ersten zählte neben dem Theaterleiter Max Martersteig und Marie Braun, die Nachbarin vom Schloss Wernfels, eine Cousine von Laura Schott: Theodolinde von Proff. Laura habe eine weitläufige, adelige Verwandtschaft besessen. So sei ihre Großmutter eine Freiin von Berlichingen gewesen, verheiratet mit Wilhelm von Crailsheim. Dieser habe aus seiner ersten Ehe mit Freiin von Stetten mehrere Kinder gehabt. So verwundere es nicht, dass die Namen „von Crailsheim“ und „von Stetten“ häufig im Gästebuch zu finden sind.

Künstler und Schriftsteller

Der häufigste Gast aus Lauras Verwandtschaft aber sei ihr Cousin „Lieutnant von Schroeder“ gewesen, dessen Militärkarriere bis zum Oberst in den Einträgen gut nachvollziehbar sei. Unter den Gästen auf der Burg waren außerdem Künstler und Schriftsteller, Wissenschaftler und Forscher, unter anderem zweimal Wilhelm Busch, dessen Namen mit dem berühmten Karikaturisten von Max und Moritz in Verbindung gebracht wurde. Doch das, so die versierte Wissenschaftlerin, sei ein anderer Wilhelm Busch gewesen.

Präsentiert wurde auch das Ausstellungsbegleitbuch von Dr. Friedel, das der Förderkreis Historische Burg Abenberg herausgegeben hat und finanziell großzügig sponsert. Es kann am Museumseingang für 15 Euro erworben werden.

Ganz besonders willkommen sind dem museumspädagogischen Team auf Burg Abenberg Schulklassen, die sich in der Sonderausstellung gemeinsam auf diese historische Zeitreise begeben und mit der Schlossherrin Laura Schott und ihrer kleinen Tochter Ida erkunden können, wie die Familie vor über 100 Jahren auf der Burg gelebt hat. Im Anschluss an den Ausstellungsbesuch gestalten die Teilnehmer/innen ein eigenes Gästebuch zum Mitnehmen.

Lehrkräfte aller Schularten sind zu einer Fortbildung in der Sonderausstellung am Mittwoch, 18. April, 14.30 bis 16.30 Uhr, eingeladen. Dabei wird das museumspädagogische Angebot für Schulklassen vorgestellt, das auch als Führung für Erwachsene gebucht werden kann. Während der besonderen Gruppenführung erzählt Lauras Schwester, wie die Familie damals auf der Burg lebte, wie die Burg umgebaut wurde und vor allem, welche Gäste empfangen wurden.

Öffentliche Führungen durch die Ausstellung werden von der historischen Laura Schott und ihrer Schwester Ida von Schröder angeboten am 29. April, 14 Uhr; 3.Mai, 19 Uhr, 20.Mai, 15 Uhr, und 3.Juni, 15 Uhr.

Am „Tag der Geschichte(n)“ des Landkreises Roth liest der Erzähler Martin Ellrodt am Sonntag, 29. April, um 15 Uhr, in der Sonderausstellung aus dem Gästebuch der Familie Schott.

Am 10. Juni findet um 16.30 Uhr die Finissage unter dem Motto „Laura Schott lädt ein zu Kaffee und Kuchen mit Rosinen“. Auch hier gibt es neben einer Führung von Dr. Birgit Friedel eine Lesung aus dem Gästebuch (Martin Ellrodt).

Das Museum ist geöffnet dienstags bis sonntags, 11 bis 17 Uhr. Weitere Infos: Museen Burg Abenberg, Telefon (09178) 90618, E-Mail: info@museen-abenberg.de — Internet: www.museen-abenberg.de

  

hi

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