Samstag, 17.11.2018

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"Notschlachtungen in dem Sinn wird es wohl nicht geben"

Interview: Der trockene Sommer brachte für die Landwirte einige Probleme mit sich - 01.09.2018 17:29 Uhr

Die Felder sehen in diesem Jahr ziemlich kahl aus, an manchen Orten ist es braun wie im Herbst. Die Unterschiede sind allerdings von Dorf zu Dorf sehr beträchtlich. Insgesamt fiel die Getreideernte um bis zu 50 Prozent schlechter aus als im Durchschnitt. Dieses Bild zeigt einen Acker bei Unterrödel. © Foto: Manfred Klier


Herr Schmidt, die Felder sind kahl, vielerorts ist es braun wie im Herbst. Wann hat es denn bei Ihnen das letzte Mal richtig geregnet?

Thomas Schmidt: Bei uns in Kraftsbuch hat es vergangene Woche am Donnerstag und Freitag insgesamt 30 Liter geregnet, dieser Regen war aber nicht flächendeckend. Hier gab es seit Ostern bis Ende Juli etwa 120 Liter, üblich sind eigentlich 300 Liter. Danach dann noch die extreme Hitzephase im August ohne Niederschläge. Nicht einmal für die Rapssaat oder Zwischenfrüchte reichten Bodenfeuchte oder Regen bis dahin aus.

Sind Ihnen weitere Regionen im Landkreis Roth bekannt, wo es so trocken oder gar noch schlimmer ist?

Schmidt: Die Unterschiede sind sehr beträchtlich, von Regionen kann man eigentlich gar nicht sprechen, so groß sind die Unterschiede von Dorf zu Dorf. In der Tendenz ist es je nördlicher und östlicher schlechter, je südlicher und vor allem westlicher im Landkreis etwas besser.

Dass die Getreideernte bis zu 50 Prozent schlechter ausfiel als im Durchschnitt, haben Sie bereits Ende Juli festgestellt. Damals stand der Mais noch auf den Feldern und bildete gerade seine Kolben aus. Mittlerweile ist auch der schon weg, vier Wochen früher als sonst. Warum?

Schmidt: Das Problem in diesem Jahr waren nicht nur die fehlenden Niederschläge, vor allem die extreme Hitze mit wochenlang über 30 Grad ließ die Pflanzen leiden. Leider konnte der Mais daher die Verluste der anderen Pflanzen, vor allem in der Qualität, nicht mehr ausgleichen obwohl Mitte Juli dazu das Potential noch bestand.

Haben die Landwirte denn genug Futter für ihre Tiere ernten können? Es soll ja Bauern, vor allem mit Weidetieren, geben, die schon die Vorräte für den Winter verfüttern oder aus regenreicheren Teilen Oberbayerns Heu holen oder gar ihre Tiere vorzeitig schlachten lassen ...

Thomas Schmidt vom Bauernverband. © J. Leykamm


Schmidt: Das Futter sollte für die meisten Betriebe halbwegs ausreichen, viele konnten auch von anderen Bauern zukaufen, vor allem Mais, der für Biogasanlagen oder als Körnermais gedacht war. Allerdings wird es bei Grassilage und Heu knapp. Hier werden Rationen umgestellt und zum Beispiel mehr Stroh eingesetzt, auch wenn das die Milchleistung reduziert. Notschlachtungen in dem Sinn wird es wohl nicht geben. Viele Bauern werden es aber machen wie ich. Eine Kuh, die bei mir wegen geringer Leistung für den Schlachthof vorgesehen ist, wird nun nicht mehr noch acht Wochen lang gefüttert, um mehr Fleisch anzulegen und bessere Preise zu erzielen, sondern wird gleich geschlachtet. Das spüren dann bei den Preisen aber letztlich sogar die Schweinehalter.

Die Preise für Schlachtrinder gingen bereits deutlich nach unten, sodass zu den höheren Futterkosten und geringeren Leistungen noch niedrigere Preise für Kühe, Bullen und Kälber, ja letztlich sogar vor allem für Schweine zu erzielen sind. Hier trifft es alle gleich.

Was ist mit den Soforthilfen, die sowohl die Landes- als auch Bundesregierung versprochen haben? Wie kommen die Bauern zu diesem Geld?

Schmidt: Das ist noch nicht wirklich klar, wir gehen aber davon aus, dass die Hilfen aus Bayern schnell und unbürokratisch fließen werden. Hier fordere ich allerdings, die Situation aller Betriebe, zum Beispiel auch der Schweinehalter und Ackerbauern, mit zu berücksichtigen. Hilfen der Bundesregierung werden in Bayern wohl nur wenige Betriebe erhalten. Hier sind andere Bundesländer weit stärker betroffen als selbst wir im trockenen Franken.

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Welches Wetter würden Sie sich aus landwirtschaftlicher Sicht für die nächste Zeit wünschen? Würde Regen jetzt überhaupt noch was bringen?

Schmidt: Wünschen würde ich mir natürlich einen ausgiebigen Regen über einige Tage, der hundert Liter bringt. Kurzfristig würde der beim Aufgang der Zwischenfrüchte oder der Herbstsaaten helfen und mancherorts die Bodenbearbeitung überhaupt erst möglich machen. Ein Problem, das uns Bauern in dem Dürresommer zusätzlich zu schaffen macht, ist die Bürokratie, die verhindert, dass wir flexibel auf veränderte Wetterbedingungen reagieren können. Dazu kommen noch superschlaue Politiker ohne landwirtschaftliche Ahnung, die von uns Dinge fordern, die sie gerade erst per Verordnung verboten haben.

Was meinen Sie damit konkret?

Schmidt: Wenn zum Beispiel Anton Hofreiter von den Grünen fordert, mehr Humus im Boden zu schaffen, dann vergisst er, dass ich die Gülle oder das Stroh für den Humusaufbau in die Düngebilanz einrechnen muss und mir das gar nicht mehr möglich ist. Er fordert Anpassungen, die uns die von ihm mitverursachte Bürokratie verwehrt. Wenn dann noch die Falschaussage über Bauern kommt, die mit ihren Monokulturen selbst am Klimawandel schuld seien, dann geht bei mir der Hut hoch. Monokulturen, gibt es bei uns überhaupt nicht. Sicher müssen wir besser werden und uns an Klimaveränderungen anpassen.

Mit einem deutlichen Rückgang bei Düngung, Pflanzenschutz und Treibstoffverbrauch in den vergangenen drei Jahrzehnten bei dennoch steigenden Erträgen ist die Landwirtschaft ein Vorreiter. Wir arbeiten in diese Richtung weiter, aber andere, größere Klimaemittenten sollten dem Beispiel erst einmal folgen. Wie viel Prozent weniger Emissionen haben denn Verkehr, Industrie oder der Flugverkehr schon erreicht? Liegen die nicht deutlich höher als 1990 – im Gegensatz zur Landwirtschaft? 

Interview: ELKE BODENDÖRFER E-Mail

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