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Nur Oberfranken hat kaum mehr etwas zu verlieren

Die Standortreform der Bundeswehr wird auch Nordbayern treffen — Drohen der strukturschwachen Oberpfalz die größten Verluste? - 22.10.11

NÜRNBERG  - Kein Bundesland verfügt über so viele Bundeswehrstandorte wie Bayern. An 68 Orten sind Soldaten und Zivilangestellte stationiert. Insgesamt rund 49.000 Personen arbeiten in den Kasernen und Dienststellen. Wie viele es künftig sein werden, verrät Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière nächsten Mittwoch bei der Vorstellung seines Standortkonzepts. Auf eine Leistung kann der Guttenberg-Nachfolger schon jetzt stolz sein: Außer frei gegriffenen Spekulationen drang vorab nichts nach draußen.

Die Bundeswehrstandorte im Norden Bayerns
Die Bundeswehrstandorte im Norden Bayerns

Ein weißer Fleck auf der Stationierungskarte der Bundeswehr wäre künftig Mittelfranken, wenn de Maizières neues Konzept tatsächlich die Schließung der Otto-Lilienthal-Kaserne in Roth vorsehen würde. Dort sind bisher das Kampfhubschrauberregiment26 „Franken“ und ein Luftwaffenausbildungsregiment untergebracht.

Mit momentan 2400 Soldaten und 233 Zivilbeschäftigten ist Roth neben München der größte bayerische Bundeswehrstandort. Eine Existenzgarantie kann man daraus leider nicht ableiten. Alles hängt wohl davon ab, welchen Standort für den neuen deutsch-französischen Kampfhubschrauber „Tiger“ die Bundeswehrführung am Ende präferiert. Ursprünglich hatte man 80 Exemplare beim Hersteller Eurocopter bestellt. 40 für Roth, 40 für das zweite Kampfhubschrauberregiment der Bundeswehr in Fritzlar. Weil gespart werden muss, wird es immer wahrscheinlicher, dass nur 40 „Tiger“ angeschafft werden. Das würde wohl aber auch bedeuten, dass nur noch ein Standort für Kampfhubschrauber bestehen bleibt. Roth oder Fritzlar.

Attraktive Lage



Ein Pluspunkt Roths könnte die Nähe zur Großstadt Nürnberg sowie die attraktive Lage im Fränkischen Seenland sein. Denn mit der Umstellung der Bundeswehr von einer Wehrpflicht- zu einer Berufsarmee ändern sich auch die Kriterien, denen ein Standort genügen muss. Qualifizierte Bewerber wird man nur mit zugkräftigen Standorten finden. Früher dagegen wurden Kasernen quasi als kleine Fördermaßnahme gern in strukturschwache Gegenden gelegt. Das erklärt, weshalb beispielsweise in der Oberpfalz gleich eine ganze Reihe von Garnisonen zu finden sind. In der Amberger Leopoldkaserne ist die Panzerbrigade12 mit derzeit 270 Soldaten und 100 Zivilangestellten stationiert. In unmittelbarer Nachbarschaft, in Kümmersbruck, sind sieben Kompanien des Logistikbataillons 472 mit 1280 Soldaten und 46 Zivilbeschäftigten zu Hause. Panzer und Logistik sind auch die Aufgabengebiete von 800 Soldaten und zivilen Mitarbeitern in Pfreimd. Unweit in Oberviechtach tun etwa 900 Panzergrenadiere Dienst.

In Cham in der südlichen Oberpfalz sind 800 Fernmelder stationiert, im benachbarten Roding knapp 900 Soldaten des Logistikbataillons4. Gut möglich, dass einige dieser Standorte im militärisch einst wichtigen Grenzgebiet zusammengelegt oder aufgelöst werden. Im nördlichsten Zipfel Oberbayerns, in Greding, sitzt die kleine, aber feine Wehrtechnische Dienststelle, in der momentan nur elf Soldaten, aber immerhin 306 teils hochspezialisierte Zivilangestellte Dienst tun. Südlich davon, in Ingolstadt, sind 1620 Soldaten und 300 Zivilisten beim Gebirgspionierbataillon8 beziehungsweise an der Pionierschule tätig. Vor den Toren der Stadt sind in Manching 700 Bundeswehrler bei der Wehrtechnischen Dienststelle für Luftfahrzeuge stationiert. Beim Jagdgeschwader 74 in Neuburg an der Donau sind aktuell 906 Soldaten- und 350 Zivilstellen besetzt. Die nächstgelegene Kaserne liegt in Donauwörth. Dort sind 1080 Soldaten für Elektronische Kampfführung zuständig.

Hoffnung auf Panzer

Zu den Gewinnern der Reform glaubt sich bereits das unterfränkische Veitshöchheim zählen zu können. Auf dem dortigen großräumigen Bundeswehr-Areal, so ist angeblich aus dem Ministerium durchgedrungen, könnten demnächst neben einer Einheit für Luftbewegliche Operationen und einem Fernmeldebataillon (zusammen 1450 Soldaten und 160 Zivilbeschäftigte) auch noch Panzer stationiert werden. Vielleicht ist es aber auch nur ein gezielt gestreutes Gerücht.

Völlig offen ist, ob auch das Logistik- und das Instandsetzungsbataillon im Weinort Volkach die Reform überleben. Die dortige Mainfrankenkaserne beherbergt derzeit die stolze Zahl von 1655 Soldaten. Weniger Sorgen um die Zukunft macht man sich am unterfränkischen Standort Hammelburg.

Auf dem dortigen Truppenübungsplatz und in der Infanterieschule sind 1520 Soldaten stationiert und 143 Zivilisten beschäftigt. Hammelburg dürfte gemeinsam mit dem benachbarten Standort Wildflecken auch in Zukunft bei der Vorbereitung auf Bundeswehr-Auslandseinsätze eine wichtige Rolle spielen.

Wenig hat Oberfranken durch die Reform zu befürchten. Dort hat sich die Bundeswehr schon weitgehend verabschiedet. Und ehemalige Standorte wie Bayreuth haben erfolgreich versucht, das Beste daraus zu machen. 



VON HANS-PETER KASTENHUBER

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Zum Thema
Otto-Lilienthal-Kaserne



Kurzbeschreibung:
Die Otto-Lilienthal-Kaserne ist mit 2750 Dienstposten nach München der mit Abstand größte Bundeswehrstandort in Bayern. Roth-Kiliansdorf (Standort seit 1956, ab 1961 Stationierung der Heeresflieger) steht im Rahmen der aktuellen Bundeswehrplanungen zur Disposition.