-0°

Freitag, 14.12.2018

|

Parade der Dieselrösser ließ Herzen höher schlagen

Tiptop hergerichtet, aber auch mit deutlichen Gebrauchsspuren: Mehr als 100 Traktoren fuhren in Gauchsdorf vor — Landini war der Star - 15.06.2011

Die meisten der historischen Schlepper waren auf dem Sägewerksplatz abgestellt. Doch die Ausstellungsfläche reichte bis hinauf zum Gasthaus Lohmüller. Vor der Rundfahrt konnten die Gefährte besichtigt werden. © Hess


Bei der Fahrt nach Kühedorf war die Straße blockiert, und als die ersten in Kühedorf ankamen, waren die letzten in Gauchsdorf noch nicht weg, weil es so viele waren. Die Traktoren machten in Kühedorf kehrt, und so konnten alle Fahrer alle anderen Traktoren bewundern, weil die einen noch hinfuhren, während die anderen schon wieder zurückkehrten.

Traktor mit 14 PS

Sie waren wieder alle da bei der Parade der Dieselrösser: Eicher, Hanomag, Deutz, Kramer, Allgaier, Schlüter, Güldner, Porsche, Fendt und all die klangvollen Namen, die das Herz eines Schlepperfans höherschlagen lassen. Zu bewundern waren zwischen Sägewerksplatz und Dorfwirtshaus auch einige Raritäten, wie zum Beispiel ein McCormick von 1954. Die Maschine holt aus knapp 1,1 Liter Hubraum ganze 14 PS. Seltenheitswert in unseren Breiten hat auch ein Renault-Traktor. Die meisten historischen Schlepper waren allerdings Marke Eicher. Dies mag daran liegen, dass in früheren Jahren eine rührige Vertretung die Bauern in der Gegend von dieser Marke zu überzeugen wusste.

Interessant war der Gegensatz zwischen Maschinen mit verblichenem Lack und deutlichen Gebrauchsspuren und anderen, die tiptop hergerichtet und frisch lackiert waren. Sie sahen so aus, als hätten sie erst gestern die Fabrik verlassen. Reichlich Stoff zum Vergleichen und Fachsimplen boten sie alle.

„Sieht aus wie ein Lanz“

Ein echter Hingucker war der betagte Ursus-Schlepper. „Der sieht aus wie ein Lanz“, sagten die Experten, doch das Typenschild belehrte sie eines besseren. Der Ursus ist ein Ostblock-Nachbau des deutschen Lanz. Dieser Schlepper gehört Martin Drießlein aus Georgensgmünd, wurde 1950 gebaut und holt aus zehn Litern Hubraum 45 PS.

Der älteste Traktor auf der Schau in Gauchsdorf war wieder der Landini von Werner Sept aus Rohr: Baujahr 1935. Sieben Liter Hubraum ergeben bei diesem Gerät 30 PS. Das Gefährt bringt allerdings nur sechs km/h auf die Straße, sodass der Eigentümer es auf einen Anhänger mitbrachte. Und der wurde gezogen von einem Hanomag, Baujahr 1967. Das zweitälteste Gefährt auf der Bulldog-Parade war ein Hanomag RL 20 von 1937 mit 20 PS Leistung, der sogenannte Bauernschlepper. Er gehört Karin Kurtsch. Sie ist die Ehefrau von Helmut Kurtsch, dem Vorsitzenden der Schlepperfreunde Oberreichenbach. Dieser Verein stellte ein stattliches Kontingent Traktoren und Fahrer, ebenso wie beispielsweise die Eicherfreunde Brombachsee oder der Rohoelzug Wallesau.

Sehr zufrieden

Sie waren alle an ihren Vereinshemden zu erkennen. An den blauen Hemden mit Aufdruck erkannte man auch die Ausrichter des Dorffests, „Di Gauerschdorfer“. Sie konnten zufrieden sein mit dem Besuch und dem Wetter und dem Absatz von Speisen und Getränken, von Kaffee und Kuchen.

Zufrieden sein kann auch der Organisator des Schleppertreffens, Alfred Gärtner. Ganze 108 betagte Traktoren konnte er heuer registrieren. Ein wenig hatten alle gehofft, dass die 100 erreicht werden würden, aber so recht hatten sie selbst nicht daran geglaubt. Dabei haben sich die „Gauerschdorfer“ kontinuierlich gesteigert: Von 43 Traktoren 2008 auf 64 im Jahr 2009 und dann auf ganze 96 im vergangenen Jahr. Die 100er-Marke ist 2011 übersprungen. Dies gilt nun als Richtschnur für die kommenden Jahre.

  

GUNTHER HESS

Seite drucken

Seite versenden


weitere Meldungen aus: Gauchsdorf