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Ralph Edelhäußer: Der „Berufene“

Für den CSU-Kandidaten ist das Bürgermeisteramt mehr als ein Job - 31.01.2017 11:39 Uhr

Statt im Dienstwagen herumkutschiert zu werden, schwingt sich Edelhäußer lieber auf den Drahtesel. © Foto: Scherbel


Welche Bücher stehen im Regal, in welchem Lieblingssessel entspannt er sich, wie wohnt er? Für ein Porträt vor der Bürgermeisterwahl über den Menschen Ralph Edelhäußer, 43 Jahre alt, Bankkaufmann und Betriebswirtschaftler, seit sechs Jahren Bürgermeister in seiner Heimatstadt, ist doch ein Hausbesuch nötig! Damit man ein paar Sätze schreiben kann über das Leben neben dem Amt.

Aber von einer Homestory hält Ralph Edelhäußer gar nichts. „Zu Hause? Bin ich doch eh nur zum Schlafen. Mein Zuhause ist das Rathaus." Also kein Besuch im Wohnzimmer, sondern Treffen am runden Tisch im kleinen Sitzungszimmer. Wo? Im Rathaus natürlich.

Das sagt schon eine ganze Menge über den groß gewachsenen fast Mittvierziger, der aber immer noch schlaksig wirkt und dauernd in Bewegung ist. Selbst wenn er stillsitzt, rudern die Arme, erklären die Hände, ruckt der Kopf. Das Rathaus hat er in den vergangenen sechs Jahren zu seinem Zuhause gemacht – das heißt aber nicht, dass er sich dort einigelt und Menschen meidet. Im Gegenteil: Edelhäußer ist dauernd unterwegs, fehlt bei keiner Einweihung, gratuliert Jubilaren, schüttelt Hände, lässt keine Sitzung aus.

Aber diese Zeit, die er nicht am Schreibtisch verbringt, holt er nachts nach. Um 2 Uhr oder noch später wollen Nachtschwärmer Licht im Amtszimmer gesehen haben, dann „lese ich Mails und sichte Unterlagen", bestätigt er. Und bespielt die sozialen Medien.

„Man darf nicht zu viel Zeit damit vertun", das weiß er, aber die Darstellung der eigenen Arbeit in Text und Bildern findet stets schnell und ausführlich den Weg in die Smartphones all derer, die Edelhäußers Auftritt mit dem „Gefällt mir“-Button versehen.

Ein junger, dynamischer, moderner Bürgermeister – dieses Image würde er sich bestimmt selbst anziehen. Gleichzeitig ist Ralph Edelhäußer ein sehr konservativer, wertebewusster Mensch. Mit neun Jahren war er Ministrant, bald Oberministrant. Und politisch interessiert schon, seit er denken kann. Wann reifte der Entschluss, Bürgermeister werden zu wollen? „Mit zehn.“

Bei seinem Opa, einem engagierten Bahngewerkschafter, „mussten wir am Sonntagvormittag immer den Internationalen Frühschoppen mit Werner Höfer gucken“. Und kurz nachdem sein Lehrer Hans Weiß mit seinen Eltern am Küchentisch über den Übertritt des Buben ans Gymnasium gesprochen hatte, wurde der Rektor der Grundschule an der Gartenstraße zum Bürgermeister gewählt.

Der junge Ralph verfolgte dessen neue Aufgaben täglich in der Zeitung. Und die las er auch schon als Grundschüler – weil er als Turner und später Leichtathlet ja auch oft darin zu bewundern war. Bald folgte dem Interesse für den Sportteil das für Börsenberichte und für Politik, dann kam zum Amt als Jugendleiter des TSV ein Ehrenamt im Pfarrgemeinderat, in der Kirchenverwaltung, die Mitgliedschaft in der Jungen Union.

Der Abiturient spielte bei Theaterstücken der Kolpingsfamilie, später bei den Schlosshofspielern mit – auch wenn er zunächst als erstes der „zehn kleinen Negerlein“ abtreten musste, gab er gern und öfter mal die „Rampensau“, wie er grinsend zugibt.

Moderatoren-Schulung

Es folgte eine Schulung zum Moderator, die für den forschen Youngster mit dem flotten Mundwerk wohl mehr Bestätigung als Fortbildung war. Bei Sport- und Großveranstaltungen war Ralph Edelhäußers Schnodderschnauze bald nicht mehr wegzudenken, aber seine Idee vom Job im Rathaus ging keineswegs verloren.

Bei der ersten Kandidatur für den Stadtrat 1996 wurde er zum ersten Nachrücker gewählt, bei der zweiten 2002 konnte er sich auf der Ergebnisliste erst einmal nicht finden, weil er von unten nach oben suchte und bei Platz fünf aufgab. Der 28-Jährige war auf Platz drei gelandet. Als er 2005 dann gegen den amtierenden SPD-Bürgermeister Richard Erdmann in den Ring stieg, fehlten ihm am Schluss nur 300 Stimmen.

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Am 19. Februar wählen die Rother ihren Bürgermeister für die nächsten sechs Jahre. Wir haben die beiden Kandidaten, Amtsinhaber Ralph Edelhäußer von der CSU und seinen Herausforderer Andreas Buckreus (SPD), über ihre Pläne befragt.


Und sechs Jahre später klappte es. Ralph Edelhäußer hat seinen Traumjob. „Das ist kein Beruf, sondern Berufung“, sagt er auch nach sechs Jahren teils harter Arbeit aus tiefer Überzeugung, und: „Ich kann mir immer noch nichts anderes vorstellen.“

Natürlich gebe es Momente, in denen er sich fragt: „Wie konnte das passieren?“ Etwa wenn Stadtwerke und Stadt nicht voneinander Bescheid wissen, wie genau der Vertrag über die Stromleitung aussehen muss. Oder wenn es gegen einen Kindergarten – „traumhaft gelegen“ – einen Bürgerentscheid gibt. Aber wenn er dann den Kindergarten einweiht oder eine Turnhalle, wie jetzt gerade an der Gartenstraße, oder der Anbau an der Anton-Seitz-Schule auf den Weg gebracht ist, „dann geht mir das Herz auf“.

Eine einzige Nacht in diesen sechs Jahren hat er schlecht geschlafen: Vor der Entscheidung über die mögliche Auflösung der Nordring-Grundschule – „weil ich selbst nicht wusste, was richtig war“. Nachdenken, vielleicht einen Schritt zurückgehen – das können Politiker nicht, heißt es. Doch für ihn ist es das Wesen der Politik: „Viele einbinden, Gespräche führen – da fällt mir doch kein Zacken aus der Krone.“

Und wenn der Bürgermeister, der nicht mit Krone, sondern stets mit Helm durch die Kreisstadt radelt, dann doch mal eine Stunde Zeit für Privates hat? Wenn er mit Partnerin Kerstin durch den Rothgrund walkt oder im Fitness-Studio die heiß geliebten Süßigkeiten abtrainiert, dann will schon hie und da jemand beim Bürgermeister seine Sorgen und Nöte loswerden. „Aber das ist in Ordnung“, findet Edelhäußer.

Nur wenn er im Schwimmbad seine Bahnen zieht, dann traut sich keiner ran, denn „da schwimm’ ich am Stück und verschwind’ gleich wieder“. Wohin? Natürlich nicht nach Hause, sondern ins Rathaus... 

Carola Scherbel E-Mail

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