Mittwoch, 14.11.2018

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Roth liegt ziemlich nah dran an Au und Schabernack

Hüttendorf immer zu Weihnachten — Das Kulturleben ist fast zu ruhig geworden - 21.08.2018 15:11 Uhr

So idyllisch wie auf diesem Foto aus dem Ortsteil Oettershagen sieht es in der Gemeinde Roth bei Hamm an der Sieg aus. © Foto: Gemeinde Roth


Die Ortsgemeinde Roth besteht aus sieben Ortsteilen; neben dem Hauptdorf Roth sind das Oettershagen, Hohensayn, Nisterau, Nisterbrück, Hämmerholz und Thal. Alle haben die Postleitzahl 57539, bis auf den Ortsteil Thal mit der 57537. Das schmetterlingsförmige Gemeindegebiet umfasst 379 Hektar Fläche, darunter viel Wald der "Rother Waldinteressentenschaft".

Eine Anekdote dazu am Rande: Der Großvater des Begründers der Genossenschaftsbanken (Friedrich Wilhelm Raiffeisen, 1818 — 1888) bewirtschaftete dereinst einen Anteil am Gemeinschaftswald, womöglich sogar mit tatkräftiger Hilfe seines später berühmt gewordenen Enkels.

Nicht mehr viele Veranstaltungen

Die Gegend hier ist sehr hügelig mit tiefen Tälern und felsigen Hängen. Bürgermeister Hammer kommt geradezu ins Schwärmen über die malerische Lage seines Ortes im Landkreis Altenkirchen: "Wenn jemand aus der Stadt zu uns kommt, dann sind die Leute immer ganz begeistert von unserer Landschaft, mit den Reizen des Waldes und dem Fluss mittendrin. Hier ist es auch viel ruhiger als in der Stadt."

Das mit der Ruhe hat allerdings (wie die meisten Dinge) auch eine zweite Seite: Das Rother Kulturleben ist aus Hammers Sicht ein bisschen zu ruhig geworden: "Wir haben nicht mehr viele Veranstaltungen im Ort. Unsere Vereine befinden sich überwiegend in Auflösung oder haben sich bereits aufgelöst."

Zu den kulturellen Höhepunkten zählt der Bürgermeister den jährlich wiederkehrenden Weihnachtsmarkt, der abwechselnd vor dem kommunalen Bürgerhaus und dem Sängerheim des gemischten Chors abgehalten wird: "Da wird ein Hüttendorf aufgebaut, im Halbrund um Feuerkörbe und einen bunt beleuchteten Weihnachtsbaum." Bei Glühwein und deftigen Spezialitäten lauschen die weihnachtlich gestimmten Rother dann einer Jagdbläsergruppe und dem Posaunenchor der Grund- und Hauptschule aus dem nahen Hamm (Sieg).

Brezeln und Kakao für Kinder

Die größte Veranstaltung des Jahres ist der traditionelle Martinsumzug durch das ganze Dorf: "Ich kann mich gar nicht daran erinnern, dass der mal nicht war", sinniert Hammer. Nach einem Gottesdienst in der Dorfkirche versammeln sich dazu rund 400 Kinder und Eltern und machen sich auf zu einem Umzug mit Fackeln und Liedern zum Bürgerhaus. Dort bekommen die Kinder Brezeln und Kakao spendiert, dem Zug vorweg reitet der "Heilige Martin" hoch zu Ross.


Die Frage nach den Einkaufsmöglichkeiten und Gaststätten im Gemeindegebiet "kann man ganz einfach beantworten", sagt Hammer in nüchternem Tonfall: "Null." Die größeren Orte Wissen und Hamm liegen nur rund fünf Kilometer entfernt und "die Leute fahren zum Einkaufen zu den großen Supermärkten dort." Allerdings gibt es in Roth ein ansehnliches Gewerbegebiet, das den Titel Handwerkerpark trägt. Bis auf eine schmale Parzelle seien alle Gewerbeflächen dort bereits bebaut und in Betrieb, so Hammer.

In einer Stunde nach Köln

Mitten in Roth treffen sich die Bundesstraße 62, die hier beginnt und nach Thüringen ins Tal der Werra führt, sowie die Bundesstraße 256 von Koblenz nach Derschlag. Nicht weit entfernt von Roth mit seinen rund 1530 Einwohnern liegt der Bahnhof von Au (Sieg); mit dem Zug kommt man von dort in rund einer Stunde in die Millionenstadt Köln. Fährt man von Roth aus nur eine Viertelstunde mit dem Auto nach Westen, kommt man in ein kleines Dorf mit dem Namen Schabernack.

Die Ursprünge von Roth im Nistertal lassen sich bis ins 15. Jahrhundert zurück verfolgen. So kann man in einem kirchlichen Mirakelbuch, das um das Jahr 1430 geführt wurde, gleich mehrmals den Namen des Ortes lesen, allerdings geschrieben als "Roide", "Roden" und "Roede". Entstanden ist Roth dereinst aus vermutlich zwei landwirtschaftlichen Höfen, dem Oberroth und dem Unterroth. Ein im 17. Jahrhundert errichtetes Fachwerkhaus in der Bogenstraße gilt als das älteste noch erhaltene Haus. Mehrere andere Fachwerkhäuser wurden zwischen 1850 und 1900 erbaut.

Und was fällt dem Rother Bürgermeister zum "großen" Roth in Mittelfranken ein? "Gar nix", sagt Udo Hammer zunächst, doch dann kramt er doch noch eine Erinnerung an einen Ausflug ins Fränkische aus dem Gedächtnis: "Ich bin vor Jahren mal in der Gegend gewesen, in Zirndorf. Schön finde ich in Franken die Gastronomie: Es gibt überall einen schönen Biergarten oder einen kleinen Landgasthof. So was gibt es bei uns leider gar nicht mehr."

 

MARTIN REGNER E-Mail

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