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Denn der Rother ist seitdem vom Spielfeldrand nicht wegzudenken. Und hat im Laufe der Jahre eine spezielle Taktik entwickelt, damit der Stresspegel nicht in bedrohliche Höhen steigt.
Im Vergleich zu früher sei er viel ruhiger, erzählt Rudi Goller schmunzelnd, was nicht zuletzt auch mit seinem Platz am Spielfeldrand zu tun hat. Denn Goller ist, obwohl er so etwas wie der „Co-Trainer“ der Handballdamen der SG Schwabach/Roth ist, immer am Kampfrichtertisch zu finden. Und da man da mit viel Konzentration bei der Sache sein müsse, bleibt fürs Aufregen gar keine Zeit. Dabei fällt die Platzwahl ebenso in die Kategorie Zufall wie die Liebe zum Handball an sich.
Als die Verantwortlichen des TSV Roth nämlich einst bemerkten, dass sich Goller so ziemlich jedes Heimspiel der Handballherren ansah, wurde er irgendwann mit eingespannt. „Geh’ runter, hock’ dich ans Kampfgericht“, hieß es eines Tages. Und dann kam es wie so oft in solchen Fällen. Reicht man den kleinen Finger, wird gleich die ganze Hand genommen. Was den Wahl-Großweingartener – vor einem halben Jahr zog Goller mit seiner Frau Ute in den Spalter Ortsteil, aber nicht wirklich stört. Nach wie vor ist er Feuer und Flamme für Handball.
Natürlich mit einer Vorliebe für die Damenmannschaft der Spielgemeinschaft Schwabach/Roth, die einst ins Leben gerufen wurde, weil sowohl der TSV Roth als auch der SC 04 Schwabach Probleme hatten, schlagkräftige Teams zu melden. Goller ist seit vielen Jahren als Betreuer des Damenteams mit dabei.
„Rudi, sag mal die Zeit an“, „Rudi, ich brauch’ ein Pflaster!“, „Rudi, wo sind die Tapes?“ – die Handballerinnen zwischen 17 und 46 Jahren wissen, dass „ihr“ Rudi für sie da ist. Und zwar mit praktischen Hilfen ebenso wie als Seelentröster. Denn zwischendurch schütten die jungen Damen ihrem Betreuer auch mal ihr Herz aus. Seine Erfahrenheit war auch gefragt, als eines Tages die C-Juniorinnen ohne Trainer dastanden. Goller ließ sich nicht lange bitten, auch wenn das „emotional ganz schön anstrengend“ war.
Rückblende in die 80er-Jahre, als mehrere Hundert Zuschauer Woche für Woche die Landesliga-Begegnungen des TSV Roth verfolgten. Mittendrin: Rudi Goller, der so manchen Nervenkrieg überstehen musste und „irgendwie froh ist, dass diese Zeit vorbei ist“. Vor allem die Aufstiegsspiele hätten ihn vermutlich Jahre seines Lebens gekostet, scherzt der 59-Jährige.
Die Vielseitigkeit fasziniert Goller besonders an diesem Sport. Athletik, Koordination, Ballgefühl, Teamgeist – es gebe fast nichts, was von einem guten Handballer nicht gefordert wäre. Vielen Menschen, selbst Zuschauern, sei gar nicht klar, wie schnell ein Handballer umschalten müsse. „Das Spiel ist unheimlich schnell geworden“, sagt einer, der es wissen muss.
Und der sich für „seinen“ Sport auch so manche Nacht um die Ohren schlägt. Begegnungen des THW Kiel oder auch Pokalspiele im Fernsehen entgehen Rudi Goller höchst selten. Und wenn, dann aus Liebe zu seiner Frau, die gerne etwas anderes sehen möchte. Mit Beginn der Europameisterschaft im kommenden Jahr hofft er aber auf die Toleranz seiner Frau, denn „da würde ich schon gern viel sehen“.
Rudi Goller schaut Handball natürlich mit anderen Augen, denn „so manches könnte auch für unsere Ebene interessant sein“. Auch den SG-Damen, deren Miteinander und Umgangsformen er sehr schätzt, lege er bisweilen ans Herz, sich das eine oder andere Spiel anzuschauen. „Mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg.“
Einen Übungsleiterschein wollte der gelernte Metzger und Hobbykoch – unter anderem in ehrenamtlichen Diensten des THW Roth – jedoch nie machen. „Das wäre einfach nicht mein Ding“, meint Goller, der dafür aber gern auch als Schiedsrichter im Einsatz ist. Zu dieser Funktion kam er ebenfalls wie die Jungfrau zum Kinde. Als der damalige Abteilungsleiter des TSV Roth feststellte, dass er zu wenig Schiedsrichter hatte, deutete er in die Runde: „Du, Du und Du..“. Man ahnt es: Rudi Goller war dabei und absolvierte einen entsprechenden Lehrgang in Nürnberg.
Als Unparteiischer ist Goller immer noch in ganz Mittelfranken im Einsatz, von der Jugend bis zu den Herren. Was einen guten Schiri ausmache? „Dass er nicht auffällt“, erklärt Goller. Die eine oder andere Stichelei gehöre nach dem Spiel dazu, schließlich seien immer Emotionen im Spiel. Er selbst habe aber noch keine extremen Erfahrungen gemacht.
Klingt alles so positiv. „Ist es auch“, sagt Rudi Goller überzeugt. Denn es gebe einfach nichts Schöneres als Handball. Im Allgemeinen und im Speziellen – von seinem Platz am Spielfeldrand aus.
Do. 24.05.12
Mi. 23.05.12
Mi. 23.05.12
Di. 22.05.12